27. August - 13. September, Usbekistan

Usbekistan
Landkarte von stepmap.de
StepMap Usbekistan


Wie immer sind wir früh, d.h. um 9.00 Uhr am kirgisischen Zoll. Ein kleiner Zoll gleich neben der Hauptstrasse nach Osh. Wir sind das einzige Fahrzeug, zusammen mit 5 Einheimischen die über die Grenze gehen. Deshalb haben die Zollbeamten Zeit und wollen wieder einmal alles über das Auto wissen und kontrollieren jede Klappe. Gelächter gibt es als sie meine Wolle finden, die ich alle noch verstricken will! Schlussendlich können wir nach gut einer halben Stunde weiterfahren um 500m weiter vor dem usbekischen Zoll vor verschlossenem Tor zu stehen. Ein Zöllner kommt raus und erklärt uns dass es erst 8.40 Uhr ist (Zeitverschiebung!) und die Grenze erst um 9.00 Uhr öffnet. Na ja, kein Problem, wir haben ja Zeit.

 

Kurz vor 9.00 Uhr öffnet sich das Tor und wir dürfen hineinfahren, immer noch das einzige Fahrzeug. In einem kleinen Raum füllen wir das in Englisch geschriebene umfangreiche Formular aus. Anschliessend werden die Fahrzeugdaten in einem anderen Raum registriert. Wir aber müssen warten, warten und nochmals warten. Schlussendlich wird noch das Auto inspiziert. Kaum erholen können sie sich, als sie meinen Kaffee finden! Das ist das einzige Lebensmittel das ich in Reserve mitnehme. Ein Paket Lavazza macht mit Gelächter die Runde durch die ganze Zollstation. Und dann warten wir wieder. Nach 1 ½ Stunden erhalten wir den Pass und die Autopapiere, wir dürfen einreisen! In der ganzen Zeit kam kein weiteres Auto über diesen Grenzübergang hinein!

 

Wir fahren in das nächste Städtchen, halten beim Markt an und wollen Geld wechseln. In Usbekistan macht man das auf dem Schwarzmarkt! Und siehe da, wir werden angesprochen! So wechseln wir mitten auf dem Markt auf der Strasse 100 $ und erhalten 300`000 Sum in 1000er Noten! Ich habe es gewogen; es sind 300g!

 

Vorbei an schönen Dörfern, alle haben vor ihren Häusern Blumenbeete, vorbei an vielen Baumwoll-, Gemüse- und Früchteplantagen fahren wir durch das Fergana Tal. Dieses Tal wird künstlich bewässert und ist damit sehr grün. Uns fällt als erstes auf, dass wir keine Mercedes, Audi und BMW mehr sehen. Eine usbekisch- amerikanische Co- Produktion stellt in einem Chevrolet- Werk in Andijan drei Modelle her, das sind fast ausnahmslos die einzigen Autos hier.

 

Wir fahren südwärts nach Marghilan. Hier wollen wir eine Seidenproduktion besichtigen. Wir fragen uns durch und parkieren schlussendlich auf einem Parkplatz mitten in der Stadt. Da nebenan ein Beeline (Telefonanbieter) ist, besorgen wir uns eine Sim - Karte mit Internet und gehen nachher zu Fuss in die Seidenfabrik. Eine gute Führung durch die Fabrik, der auch eine Weberei und eine Teppichknüpferei angeschlossen ist, gibt uns einen guten Eindruck von dem was hier produziert wird. Usbekistan ist im Moment der 3. grösste Seidenproduzent der Welt.

 

Wir sind müde und so fahren wir nur noch aus der grossen Stadt hinaus und finden im ersten Dorf vor einer Schule (es ist Ferienzeit) einen Platz unter Bäumen, denn es ist sehr heiss. Beat geht zu den Männern auf der anderen Strassenseite und fragt sie ob wir hier übernachten können. Kein Problem, im Gegenteil, eine halbe Stunde später steht einer der Männer da und schenkt uns Trauben. In dieser Gegend sind rechts und links der Strasse Pergola mit Trauben und diese schützen die Häuser vor der Hitze.

 

Am Morgen merken wir, dass viele Autos um unser Auto geparkt sind. Als wir dann die Fensterjalousien öffnen sehen wir dass wir auf dem Busparkplatz mitten in den Kleinbussen stehen. Aber die Männer nehmen es gelassen. Sie wollen noch ins Fahrzeug gucken und Fotos machen, wir haben es sehr lustig miteinander. Endlich abfahrtbereit füllen wir noch unsern Wassertank an einem Brunnen und fahren dann westwärts nach Rishtan. Hier besuchen wir eine der ältesten Töpfereien. Interessant ist wie sie die Farben herstellen und hier wird uns auch erklärt was typisch für diese Region ist. Mir gefallen die Motive sehr und die Farben sind sehr ansprechend und überhaupt nicht kitschig.

 

Jetzt aber geht es Richtung Taschkent. Zuerst fahren wir noch durch das grüne Fergana Tal, bis dann die äussersten Ausläufer des Tien Schan kommen. Wieder wird es sandig, wüstenhaft und staubig. Über einen Pass und viele Baustellen erreichen wir Taschkent und versuchen mitten in Taschkent beim 5* Hotel Usbekistan auf dem Parkplatz zu übernachten. Leider lässt das die Security nicht zu. In drei Tagen, am 1. September ist der Unabhängigkeitstag und da sind verstärkte Sicherheitsmassnahmen mitten in Taschkent. Wir hatten eigentlich die Absicht diesen 1. September hier zu verbringen um ev. eine Parade zu sehen. Aus der Traum!

 

Wir fragen noch nach Diesel bei den Buschauffeuren die auf dem Hotelparkplatz stehen. In Usbekistan bekommt man keinen Diesel. Auch Benzin ist rar. Wir sehen dutzende Tankstellen, aber entweder sind alle geschlossen, oder dann steht eine lange Autokolonne davor wie zu DDR Zeiten, oder man bekommt nur Gas. Diesel kriegt man nur auf dem Schwarzmarkt. Das haben wir gewusst und deshalb den Zusatztank einbauen lassen. Doch leider reicht das nicht aus um durch ganz Usbekistan zu fahren. Vorerst brauchen wir 50l Diesel. Für die Buschauffeure kein Problem! Wir setzen uns mit dem Chauffeur in ein Taxi (Freund vom Chauffeur), fahren weg und unterwegs werden 100 Dollar gewechselt auf dem Schwarzmarkt. Für den Diesel behält er 250`000.- Sum, dem Taxifahrer drückt er 10`000.- Sum und mir den Rest in die Hand. Ja, der Diesel hat fast Schweizerpreise! Dann fahren wir in einen Hinterhof, warten vor einem Tor während der Chauffeur in den Hinterhof geht und abklärt. Nach einer Viertel Stunde fahren wir in den Hof in die hinterste Ecke, dort werden die drei Kanister die wir vom Chauffeur erhalten haben gefüllt. Zurück geht es auf den Parkplatz vom Hotel. Der Taxifahrer fährt neben unser Auto damit wir einen Kanister auf sein Autodach stellen können, dann nimmt er den Schlauch vom Chauffeur und zieht den Diesel an um so unseren Tank zu füllen. Und das dreimal! Schlussendlich ist zwar ein halber Liter am Boden, aber was soll`s, wir haben Diesel!

 

Wir fahren in eine Nebenstrasse mit vielen Bäumen mitten in Taschkent und stellen das Auto ab um einkaufen zu gehen. Toll den Früchte- und Gemüsemarkt den wir hier finden. Und endlich wieder Müesli! Dann machen wir uns auf um uns die Innenstadt anzusehen. Heute wollen wir auch einmal in ein Restaurant essen gehen. Da es in Taschkent viele Russen hat, landen wir in einem Russenrestaurant und bestellen das erste Mal nach 7 Wochen Fleisch! Der gemischte Salat ist klein, aber hervorragend! Und auch das Fleisch ist sehr gut. Es ist zwar eine Roulade und kein Steak, aber immerhin! 

Todmüde lesen wir noch und schlafen dann sehr gut in dieser ruhigen Ecke von Taschkent. Städte sind nicht so unser Ding und so entschliessen wir uns nach Samarkand zu fahren. Der Verkehr lässt bald einmal nach und wir fahren gemütlich die mehr oder weniger guten Strassen. In Samarkand haben wir Pech, das B&B das wir ansteuern können wir nicht erreichen, denn es liegt mitten in der Altstadt und der Eingang ist zu wenig hoch. Schlussendlich finden wir aber ein B&B vor dem wir unter einem Baum hervorragend stehen können. Wir nehmen das billigste Zimmer mit Frühstück und bleiben hier. So können wir in unserem Bett schlafen, treffen andere Traveller und erhalten die wichtigen Registrationszettelchen. In Usbekistan muss man sich mindestens jede 3. Nacht in einem Hotel registrieren. Das wird bei der Ausreise kontrolliert.

 

Drei Tage machen wir Sightseeing und sind begeistert von den riesigen Anlagen. Wir schreiben, lesen, müssen einkaufen und besorgen uns nochmals Diesel. Diesmal ist er bereits teurer, er will 5500.- Sum. Dann ist noch ein Haarschnitt nötig. Gestern Abend haben wir noch lange eine Hochzeit beobachtet. Das arme Brautpaar musste während dem ganzen Abendprogramm auf einer Empore alleine sitzen. Eine Band spielte, Dias wurden gezeigt und vor allem haben die über 300 Gäste gegessen und viel Alkohol getrunken!

 

Nach soviel Kultur und Geschichte geht es weiter südwärts über den Tahtakaracapass nach Buchara. Wir machen zwei Tage an dem Abschnitt und übernachten etwas abseits der Strasse unter einem Baum in der Nähe eines Bauernhofs. Truthahne sind auf dem Nachbarsfeld und eine Herde Schafe zieht an uns vorbei. Ich will um 9.30 Uhr ins Bett und noch lesen, als jemand an die Türe poltert. Beat öffnet und draussen steht ein Bauer in seinem Filzmantel, es ist schliesslich nur noch 22 Grad warm! Er begrüsst Beat freundlich mit Hände schütteln und Salam Aleikum und redet auf ihn ein. Wir verstehen etwas von Plov (das Nationalgericht in Usbekistan) und 10 Uhr. So interpretieren wir dass wir zu ihm nach Hause kommen sollen um zu essen. Aber es ist tiefe Nacht, wir sind müde und haben schon lange gegessen. Irgendwie schafft es Beat freundlich abzulehnen. Kaum ist der Bauer weg, möchte ich wirklich ins Bett, Beat aber meint, dass der Bauer sich nicht richtig verabschiedet hätte und sicher nochmals auftaucht. Und wirklich, 5 Minuten später fährt ein Traktor vor. Beat geht nach draussen und da steht er wieder, der Bauer, und bringt uns 4 riesige Melonen! Wo sollen wir diese verstauen und wann essen?

 

Wir entschliessen uns die Melonen am nächsten Tag in Buchara dem Hotel zu spenden. Hier finden wir eines direkt beim Eingang in die Altstadt. Das Auto ist vor der Tür und so können wir im Auto schlafen und haben Wifi und Frühstück.

 

Buchara erkunden wir einen ganzen Tag und sind beeindruckt von den Gebäuden. Die Wirkung dieser grossen Anlagen ist einmalig. Beim näheren Hinsehen fällt aber auf, dass alles nur auf die schnelle restauriert ist und nicht nachhaltig. Das war in Samarkand schon so. Schade! Hier gibt es viel mehr Händler und die Touristen greifen fleissig zu.

 

An einem Abend gehen wir noch in ein sehr altes Haus essen. Es ist Weltkulturerbe und wurde von Juden erbaut. Wir sind die einzigen Gäste, aber der usbekische Schaschlik, der gemischte Salat und das gegrillte Gemüse sind sehr gut.

 

Nach zwei Hotelübernachtungen parkieren wir das Auto unterhalb der Festung und erleben eine sehr ruhige Nacht! Am Abend können wir noch die Möbeltransporte beobachten. Nebenan ist ein Möbelgeschäft. Bei sehr alten Ladas wurden die Dachträger mit zwei Holzleisten verlängert und so können ganze Wohnwände auf dem Dach transportiert werden! Der Fahrer sieht kaum mehr aus dem Auto, und die Breite der Ladung ist etwa doppelt so breit wie das Fahrzeug! Wir haben uns vorgestellt wie das wohl bei Möbel Pfister aussähe.

 

Jetzt geht es aber Richtung Chiva, der dritten Stadt an der Seidenstrasse. Wir fahren schon bald durch die Kysilkumwüste. Sand, Sand und nochmals Sand. Ein kurzes Stück ist der Sand auch auf der Strasse. Wenig Gebüsch, das aber in dieser Jahreszeit ausgetrocknet ist. Wir fahren mit ca. 65km/h, damit wir Diesel sparen können. So können wir auch die Gegend anschauen, obwohl, es ist ja fast nur Sand! Um 15.00 Uhr sehen wir bei einem kleinen Dorf einen Baum und wollen da übernachten. Auf der anderen Strassenseite ist ein Wohnhaus aus einem Container. Abends wird dort im Lehmbackofen vor dem Haus das Fladenbrot gebacken. Plötzlich kommen die zwei Mädchen der Familie über die Strasse und bringen uns ein noch warmes Fladenbrot! Wir lieben das, es schmeckt frisch unglaublich gut.

 

Am Morgen geht es dann weiter nach Chiva. Da hier im Nordosten Usbekistans der Fluss Amurdarja (teilweise als Grenzfluss zu Turkmenistan) fliesst, hat es wieder Dörfer und Felder die bewässert werden. Es erstaunt uns dass wir auch viele Reisfelder sehen. Und die Baumwollernte ist im vollem Gang. Es wird nur von Hand gelesen! In Chiva angekommen fahren wir zur Stadtmauer und werden gleich von einem Jungen wegen einem Hotelzimmer angesprochen. Er macht uns ein Superangebot, und so stellen wir das Auto vor das Hotel und haben von unserem „Stübli“ aus einen tollen Blick auf die Stadtmauer!

 

Jetzt haben wir viel Zeit! Zuerst erkunden wir mehrmals Chiva mit den vielen Medresen und der Stadtmauer. Zu jeder Tageszeit sehen die schönen Gebäude anders aus. Man kann sich das Leben, das hier vor 200 Jahren stattgefunden hat gut vorstellen. Es hat viele Souvenirläden und es wird überall auch restauriert.

 

Dann gibt es hier einen wunderbaren Basar! Ich könnte stundenlang durch solche Märkte wandern. Dann muss die Homepage bis Usbekistan gemacht sein, alle Fotos gespeichert und angeschrieben sein. Das ist nicht wie zu Hause, unser Internet ist sehr, sehr, sehr langsam und fällt ab und zu aus. Es braucht viel Geduld, aber wir werden es schaffen! Am Schluss werden wir dann noch alle Daten sichern und vor allem alle Fotos löschen die nicht in einem Ordner sind. Am Zoll von Usbekistan lieben es die Zöllner alle Fotos anzuschauen die auf den Handys sind. So werden sie nur Fotos von Usbekistan finden!

 

Wir wollen auch alle „Luxuslebensmittel“ wie Müesli, gute Teigwaren und Reis, Essig etc. auffüllen. Auch müssen wir für mindestens 5 Tage Gemüse und Obst, Wasser und Getränke einkaufen. Durch Turkmenistan wollen wir möglichst unabhängig sein und vor allem nicht auch noch einkaufen. Wir müssen innerhalb von 5 Tagen das Land verlassen ansonsten hätten wir einen Reiseführer engagieren müssen.

 

So vergeht die Zeit wie im Flug! Ab dem 14. September sind wir für 6 Tage nicht erreichbar, da Turkmenistan keine Roamingabkommen mit ausländischen Anbietern hat. Es wird wie vor 30 Jahren sein, kein Internet, kein Telefon, nur wir!

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