22. - 29. Juli, Kirgistan, Bishkek bis Tash Rabat

Kirgistan 1
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StepMap Kirgistan 1


Die Ausreise aus Kasachstan ist ein bisschen chaotisch. Wir werden von Gepäckträgern englisch angesprochen und sie erklären uns wie alles funktioniert. Ich muss aussteigen und durch die Personenkontrolle. Da die Ferienzeit begonnen hat, sind hier unendlich viele Leute die drängeln. Ganze Busladungen sind angekommen. Sie alle wollen vermutlich an den Ysyk-Köl See in die Ferien. Ich lasse mich einfach von der Menge stossen und erreiche so auch einen Schalter. Beat braucht ja mit dem Auto auch seine Zeit. Problemlos stempelt der Zöllner das Visum ab, macht mich noch zweimal darauf aufmerksam dass ich nicht mehr einreisen kann. Dann geht es hinaus und hinter der Schranke warte ich bis Beat bis zum Schlagbaum weiterfahren kann. Ich muss zu Fuss über die Grenze und in Kirgistan wieder an der Passkontrolle anstehen. Hier geht es aber geordneter zu und her. Der Zöllner schickt mich wieder zurück zu einer speziellen Türe. Also zurück kämpfen durch die anstehenden Leute und bei besagter Tür wird mir der Pass abgenommen und irgendjemand macht einen Stempel rein. Wir Schweizer brauchen ja kein Visum für Kirgistan. Zurück kämpfe ich mich durch die wartenden Leute vor dem Zöllner durch, winke mit dem Pass, und ich bin in Kirgistan. Eigentlich müsste ich jetzt zu Fuss weg vom Zollgebäude. Ich versuche aber da zu bleiben, denn Beat muss noch die Autopapiere erledigen und ich weiss nicht ob er den Führerausweis braucht der noch in meiner Tasche ist. So stehe ich eine halbe Stunde an der Sonne mit dem Resultat dass ich einen kleinen Sonnenstich habe. Aber sonst geht alles gut und wir sind in 1 ¼ Stunden in Kirgisien angekommen.

 

Wir wechseln noch Geld und essen etwas, dann geht es ca. 14km nach Bishkek. Hier wollen wir zu dem Guesthouse „Nomadshome“. Hier soll man auch im eigenen Auto schlafen können und das WIFI, Wasser, Toiletten und Duschen benutzen können. Wir müssen dringend unsere Website hochladen, einige Mails schreiben etc. Tatsächlich können wir auf dem kleinen Vorplatz an der Stichstrasse unser Auto hinstellen und übernachten. Damit wir möglichst viel erledigen können gehen wir gegen Abend zur nahen Busstation und essen da Plov (das Nationalgericht mit Reis). Es schmeckt gut, ich kann aber kaum essen und spüre den Hitzschlag.

 

Wir geniessen es auch das erste Mal so richtig mit andern Reisenden zu reden. Ich kann sogar die Bettwäsche und die Frotteetücher in der Waschmaschine waschen lassen. Welch ein Luxus!

 

Am nächsten Morgen wollen wir ins Touristinformationcenter. Leider ist es nicht mehr am selben Ort und wir finden es nicht. Der Verkehr und der Stress mit der Polizei die an allen Ecken steht und Kontrolle macht, veranlassen uns Bishkek zu verlassen.

 

Mit unserer Navigationssoftware „Skobbler“ lotse ich Beat aus der Stadt. Wegweiser sind selten und nicht immer zuverlässig. Die Software war billig, ich konnte unsere Länder herunterladen und wir finden immer hervorragend unsere Ziele obwohl sie natürlich auf Kirgisisch geschrieben sind. Aber ohne, wären wir mit unserer Karte etwas aufgeschmissen!

 

So fahren wir in das Issyk-Ata Tal auf kleinen Wegen und geniessen zum ersten Mal die Berge vom Tien Schan! Herrlich! Obwohl wir nur auf ca. 2000 Meter hoch fahren. Jurten, Pferde, Schafe und Kühe, Leute die auf Eseln oder Pferden reiten, karge Landschaft, Felder mit Getreide. Ohne Polizeikontrolle! Über einen kleinen Pass geht es ins nächste Tal zur Ausgrabungsstätte Burana. Den 24m hohen Stumpf eines Minaretts, das früher fast doppelt so hoch war bestaunen wir. Wir befinden uns auf der Seidenstrasse und so waren hier schon sehr früh Siedlungen und damit verbunden auch immer wieder Kriege. Auf dem Parkplatz daneben wollen wir übernachten, da ich immer noch nicht richtig gesund bin. Ab und zu kommt jemand vorbei und will ins Auto schauen, denn die Leute kennen solche Fahrzeuge ja nicht. Ansonsten haben wir eine ruhige Nacht und am Morgen geht es mir wieder gut.

Heute geht es zum Ysyk-Köl See. Wir fahren auf der Hauptstrasse und halten die Geschindigkeitskontrollen genaustens ein. Natürlich werden wir immer wieder überholt. Es ist ein bisschen Schadenfreude dabei wenn wir jeweils kurze Zeit später die Raser am Strassenrand antreffen bei der Polizei!

 

Durch die „Boom Gorge“ fahren wir auf einer breiten, in Bau befindlichen Strasse immer höher auf eine riesige Hochebene und hoffen dass wir bald klares tolles Wetter haben. Aber nein, noch immer regnet es jeden Tag mindestens 5 Minuten ein wenig und hier auf knapp 1700 Meter ist ein Sturm! Es ist 27 Grad warm, aber so windig, dass man kaum draussen stehen kann. Der Ysyk-Köl See ist leicht salzhaltig und mit 1738 Kubikkilometern, die grösste  abflusslose Wassermasse Mittelasiens. 80 Flüsse speisen den See mit Gletscherwasser des Tschien Schan.

 

Wir erreichen Balikchi und müssen uns noch eine Simkarte besorgen.So kriegen wir Internetzugang für 20 Tage für ca. 20.- Fr. Zum Glück ist hier alles so billig! Dann aber nichts wie weg hier und direkt am See einen Platz finden zum Übernachten.

 

In Köl-Bulung werden wir zwischen Kühen und Pferden an einem Sandstrand fündig. Hier geniessen wir den Abend bis es einnachtet. Dann beginnt das Dilemma! Wir werden von Mücken gefressen! Alle Fenster zu, alle Türen zu und das Licht aus! Unglaublich, wir hören die Viecher durchs Fenster. Bei Dunkelheit versuchen wir wenigstens ein Fenster zu öffnen und die Rollos geschlossen zu halten, das natürlich ohne Licht! Wir schlafen trotzdem gut, aber am Morgen sind die lästigen Viecher noch immer da!

 

Nichts wie weg hier, in die Berge. Zuerst geht es durch sehr touristisches Gebiet mit vielen Russen und reichen Kasachen. Es erinnert uns an die Krim! Dann endlich kommt der „Chong-Ak Suu Canon“. Wir bezahlen Eintritt da hier ein Ökoprojekt läuft. Und dann der schöne Canon und die vielen Touristen! Unglaublich, auf wirklich schlechten Strassen fahren die Kleinbusse hoch, bei jeder Kurve, auf jedem kleinstmöglichen Platz steht eine Jurte, werden Pferde zum reiten angeboten und Adler die man tragen kann. Ein kleines Restaurant nach dem anderen! Wir haben nicht daran gedacht, dass ja das Touristenzentrum in unmittelbarer Nähe ist, und so müssen wir hier einfach durch. Nach 10km sind wir dann auf einer kleinen Hochebene und wieder fast alleine unterwegs. Über einen kleinen Pass den wir teilweise nur mit „LowGear“ schaffen, kommt die nächste Hochebene. Fantastisch, die Berge, die Weiden, immer wieder Jurten. Schon bald sind wir aber zurück auf der Hauptstrasse und fahren ans Ende des Sees nach Karakol. Hier sind wir am östlichsten Punkt der Reise, kurz vor der chinesischen Grenze angelangt.

 

Im Touristoffice holen wir Informationen über eine Strecke die wir fahren möchten. Leider stellt sich dann heraus, dass diese Strecke verboten ist zu fahren wegen der nahen Grenze zu China. Aber wir erhalten weitere gute Informationen für Besichtigungen. Da wir vor dem Office noch Holländer angetroffen haben, beschliessen wir nach dem Einkauf zu ihnen an den See zu fahren. Leider stimmen aber die GPS Daten nicht so genau und wir finden bei Einheimischen einen schönen Platz unter den Bäumen. Schade, dass überall soviele Abfälle und vor allem Glasscherben herumliegen. Der Strand ist sandig und die Aussicht auf die Berge schön. Hoffentlich kommen abends die Mücken nicht! Aber sie kommen leider doch! Nicht so schlimm wie am Vortag, aber immerhin.

 

Wir überleben auch diese Invasion und sind am Morgen von vielen Truthähnen und fetten Krähen umgeben! Die „säubern“ den Strand! Leider müssen wir wieder die schreckliche Rüttelstrasse zurück zur Hauptstrasse fahren. Zum Glück gibt es fast auf der ganzen Strecke auf dem danebenliegenden Land „Detours“ auf Sand, sodass wir nicht über die Wellblechpiste brettern müssen.

 

Zurück in Karakol sehen wir uns noch die wunderschöne Holzmoschee an. Ich stürze mich in mein „Irankleid“ und bin so bestens ausgestattet für die Besichtigung. Anschliessend sehen wir uns auch noch die orthodoxe Holzkirche an die uns auch sehr gefällt. Erschreckend finden wir wie die Touristen, vor allem die Russen, die im Bikini mit Strandtuch, oder durchsichtigen Hosen, superkurzen Shorts etc. in diese Kirche kommen. Die Einheimischen tragen alle lange Kleider, Arme bedeckt und Kopftuch!

 

Wieder wollen wir einen kurzen Abstecher vom See in die Berge machen. Die Dzeti-Oguz Felsen sollen sehenswert sein. Wir fahren auf kleinen Nebenstrassen dahin und freuen uns über die Landschaft und die Dörfer die wir durchfahren. Der Sage nach waren die 7 roten Felsen 7 wilde Ochsen die das Land verwüsteten und zu Stein wurden! Nach diesen Felsen zieht es uns wieder an den See auf der Südseite. Hier hoffen wir ohne Mücken übernachten zu können. Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Bei einem Abstecher fahren wir auf einem Weg zum See. Hier müssen wir wenig bezahlen und können uns mitten in die anderen Autos am Sandstrand stellen. Heute ist Samstag und der Strand ist ziemlich voll! Interessant sind die Neuankömmlinge! Unglaublich wie viele Leute in so ein Auto passen! Es ist kühl, 25Grad, ein kalter Wind weht von den Bergen runter, und das Wasser ist auch nicht warm. Aber die kennen nichts, sind wohl abgehärtet!

Heute wollen wir in die südlichen Berge fahren auf 3800m. Es ist eine Probe auch für das Auto, denn später auf dem Pamirhighway werden es 4600m sein. Schön grün ist das Barskoon Tal mit vielen kleinen Feldern und rechts und links der Strasse und hohe Berge. Auf einem Rastplatz treffen wir 10 Schweizer Motorradfahrer die mit einer Tour unterwegs sind. Sie fahren aber wieder zurück, bei uns geht es weiter ins Tal auf einer guten Naturstrasse. Plötzlich heisst es anhalten, eine Barriere. Ich gehe ins kleine Haus daneben um uns zu registrieren. Die Strasse führt zu einer Goldmine in 4000m Höhe! Ab jetzt treffen wir auf riesige Tanklaster die im Konvoi fahren. Immer 6 Tanklaster plus 1 Laster mit riesigen Pneus und einem Containerlaster. Diese Konvois versorgen das Minencamp mitten in den Bergen, über 100km vom See entfernt. Deshalb sind die Naturstrassen auch super, aber der Staub!!!!! Genau vor uns fährt ein solcher Konvoi los. Da es steil in vielen Kurven bergauf geht, können sie weder anhalten noch wir sie überholen. Endlich erreichen wir den ersten Pass auf 3400m Höhe und halten an, steigen aus und bewundern die grünen Wiesen, die kleinen Enziane und büschelweise Edelweiss. Fantastisch, wie in der Schweiz! Ringsum hohe Berge und Gletscher. Einer neben dem anderen. Ohne die Laster fahren wir das Hochtal entlang und dann nochmals 400m hoch in ein neues Hochtal. Riesig ist das Tal, die Berge rund um uns sind 5000m hoch. Einige Männer fischen kleinste Fische im Bergbach. Uns zieht es aber wieder den Berg runter, denn es weht ein eisiger Wind und zur Mine darf man nicht fahren. Zuerst wollen wir noch ein Pack Schweizer Guetzli aufmachen. Das habe ich noch nie gesehen, die Kartonpackung ist fast geplatzt wegen dem Druck! Auf dem Rückweg werden wir angehalten und auf Kirgisisch erklärt mir der nette Herr, dass ein Konvoi heraufkommt. Wir müssen dann auf die Seite fahren und warten bis die 8 Laster vorbei sind. Kein Problem, bei geschlossenen Fenstern wegen dem Staub, lassen wir sie vorbeifahren und geniessen dann die Fahrt zurück an den See, vorbei an Jurten, Pferden, Eseln und Kühen. Übernachten können wir bei einem Grundwassersee an dem auch gebadet wird.

 

Jetzt ist es Zeit den See zu verlassen und Richtung Süden nach Kochkor zu fahren. Zum Glück nehmen hier die Polizeikontrollen merklich ab, wir sind jedoch wie auf Nadeln und halten uns strengstens an die Geschwindigkeit! Natürlich werden wir so zum Verkehrshindernis und werden unmöglich überholt, aber auch an das gewöhnt man sich. Die Gegend wird wieder steppenähnlich und vorbei an einem fast ausgetrockneten Stausee erreichen wir Kochkor. Wir wollen Geld wechseln, Gemüse einkaufen und eine gute Internetverbindung. Geld können wir nur auf der Strasse wechseln, alle Banken sind geschlossen in dieser Stadt! Internet ist sooooo langsam und geht teilweise nicht, sodass wir es aufgeben. So fahren wir bis ausserhalb Kochkor und übernachten an einem idyllischen Bach.

 

Durch Schluchten und über mehrere Pässe fahren wir Richtung Narin. Baustelle an Baustelle, Staub über Staub und so schlechte Strassen. Viele Jurten, Pferde, Esel, Kühe und fantastische Bergwelt begleiten uns. Neben jeder Jurte steht auch ein Auto! Wie die jeweils zu diesen Jurten fahren wissen wir auch nicht. In Narin geht es zuerst zum CBT-Office (kommunales Tourismusbüro), ein von der Helvetas unterstütztes Projekt, das den Individualtourismus fördert. Dort gibt es gratis Internet und gute Informationen über regionale Ereignisse und Strassenbeschaffenheit, sowie Wetterinformationen. Ein nette Dame hat auf  jede Frage eine Antwort und so ziehen wir los nach Tash-Rabat. Eine alte Karavanserei nahe der chinesischen Grenze. Nach ca. 20km katastrophaler Naturstrasse haben wir plötzlich Flüsterbelag! Die Chinesen bauen die Strasse bis an den See runter, denn dies ist die Hauptachse für die Chinesen nach Kirgistan. So sehen wir auch riesige Laster mit chinesischen Nummern und fahren locker mit 90km daher! Das Tal ist riesig, ein doppeltes (oder sogar 3faches?) Wallis! Und dann nach über 200km kommt die Abzweigung in ein kleines Seitental bis zur Kavanserei. Herrlich wieder die Jurten, Pferde, Esel, Kühe. Nur das Wetter ist trüb und nass. Angekommen in Trash Rabat treffen wir auf ein Schweizer Ehepaar das eine Rundreise durch das Land mit dem Bruder ihrer Schwiegertochter macht. Wir sind auf 2800m und juhui, die Heizung geht noch! Es wird 6 Grad nachts und die Berge haben ein weisses Mäntelchen am Morgen bei strahlendem Sonnenschein! Super hier! Gemütlich brechen wir auf und auf dem Rückweg sehen wir die Murmeltiere in der Sonne spielen. 

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