17. - 27. August, Bakten, Chatkal- und Talastal bis Schamaldi Say

Kirgistan 2
Landkarte von stepmap.de
StepMap Kirgistan 2


Da wir noch Zeit haben und nicht 4 Wochen in Usbekistan verbringen wollen, fahren wir nach Kirgistan zurück, denn da brauchen wir Schweizer kein Visum. Hier wollen wir den Westen noch anschauen. Die Zollabfertigung ist einfach und unkompliziert. Wir fahren los, sind froh dass wir unser Navi haben, denn nirgends ist etwas angeschrieben und wir fahren auf weissen Strassen. Plötzlich ein Check-Point. Es geht nicht mehr weiter, denn die Strasse führt durch eine Usbekische Exklave. Stalin hat in dieser Gegend ab 1925 am Schreibtisch die Grenzen gezogen und entschieden, dass für die jeweiligen Minderheiten Exklaven eingerichtet werden. So gibt es südlich des Ferganatals in Kirgistan Exklaven die zu Tadschikistan oder zu Usbekistan gehören. Da gibt es bis heute für Ausländer kein Durchkommen. Überhaupt sind viele  Grenzposten für Ausländer gesperrt.

 

Niemand kann uns genau sagen wie und wo wir fahren können, damit wir die Exklave umrunden können, und wir können nicht zurück nach Tadschikistan da wir nur ein Visum für eine Einreise haben. Wir versuchen 30km zurück in die Stadt zu fahren und den Weg zu finden der uns von Soldaten am Check-Point angegeben wurde. Dank Navi finden wir den auch. Doch wir wissen, dass auch dieser Weg wieder über eine Exklave führt und die Strasse laut Navi und Karte teilweise durch Usbekistan führt.

 

So sind wir gespannt. Tatsächlich nach einer Stunde Fahrt auf nicht so schlechten Strassen kommt erneut ein Check-Point. Der Polizist hält uns auf und erklärt uns auf kirgisisch, dass es nicht weiter geht! Wir sollen zurückfahren und die 2. Strasse links nehmen, dann können wir die Exklave umfahren. Die 2. Strasse links ist eine Piste, schmal und natürlich nicht auf meinem Navi und auch nicht auf der Karte! Es geht ins Niemandsland! Plötzlich ist da aber eine Baustelle, eine Seite der Strasse ist geteert. Dann muss man auf einer Piste rund 10 km neben der Baustelle fahren bis man dann wieder auf die normale Strasse und an einen weiteren Check-Point kommt! Wir haben die Schnauze voll von den Check-Points! Obwohl, die Kirgisen sind immer sehr freundlich! Wir suchen einen Übernachtungsplatz und finden ihn in einem „Neubaugebiet“. Hier stellen wir uns ein wenig von der Strasse entfernt aufs Land. Es geht nicht lange, da stoppt ein Kirgise und kommt mit der ganzen Familie das Fahrzeug anzuschauen. Das passiert uns täglich mehrmals. Die Leute sind aber sehr freundlich und so ist das für uns auch kein Problem.

 

Heute geht es nach Osh. Wir brauchen Geld, hoffen Müesli, Mehl, Milch, Käse, Bier und Reis zu finden. Alles Lebensmittel die man nicht überall bekommt. In Osh werden wir aber fündig und nachdem alles erledigt ist fahren wir noch fast 100km bis zu einem Traumübernachtungsplatz den wir kennen am Fluss! Hier geniessen wir den Nachmittag und Abend.

 

Nachdem am Morgen das Auto eine kurze Wäsche erhalten hat, orientieren wir uns neu und wollen nach Arslanbob fahren. Hier gibt es riesige Walnusshaine und alle Leute schwärmen davon. Unterwegs kaufen wir noch Früchte und Gemüse und suchen Wasser für den Tank. Dann treffen wir zum ersten Mal auf einen MAN der als Fernreisemobil ausgebaut ist. Die Deutschen stehen mitten in einem Flussbett und wir besuchen sie zu Fuss um mit ihnen zu plaudern und müssen dazu den Fluss durchqueren. Auf dem Rückweg nimmt uns dann ein Kamash der Kies geladen hat mit über den Fluss. Eindrücklich in so einem Gefährt zu sitzen! Wir fahren weiter bis zum Dorf und entdecken unterwegs eine grüne Wiese an einem Flusslauf. Da fahren wir hin und übernachten. Es ist wie in der Schweiz an einem Bergbach, hinter uns die Berge, teilweise noch mit Schnee, der Bach und die Wiese. So entschliessen wir uns, drei Nächte hier zu bleiben und „Ferien“ zu machen.

 

An jedem Übernachtungsplatz gibt es Überraschungen. Hier stellen wir fest, dass die 5 Esel die auf der Wiese heimisch sind niemandem gehören, und dass alle Esel die frei umherlaufen Wildesel sind. Das muss eine Plage sein, denn es gibt viele. Jeden Tag um ca. 11 Uhr fährt ein Auto vor und es werden etliche grosse Teppiche ausgeladen. Die Frauen und Kinder waschen sie, dazu werden sie auf einem Betonelement einer eingestürzten Brücke ausgelegt. Eine riesige Arbeit, vor allem auch noch bei der Hitze!

 

Aber nun soll es weiter gehen und wir haben da eine Stelle von Kirgistan die wir noch nicht gesehen haben, der Westen. Wir planen eine Rundreise und es stellt sich eigentlich nur die Frage ob wir nach ca. 100km eine usbekische Exklave umfahren können, denn das Navi und die Karte meinen das geht nicht. So beginnen wir die Rundreise hier, denn schlussendlich werden wir ca. 640km unterwegs sein, den grössten Teil davon auf Pisten. Wir fahren auf der M41 Richtung Norden bis wir in Tash-Kömür nach links auf eine Nebenstrasse Richtung Ala-Buka abzweigen. Durch wüstenähnliche Landschaft mit sanften Hügeln geht es immer Westen zu, dem Kara-Suu-Tal entlang. Gelegentlich wird Kohle abgebaut und ab und zu sieht man Schafe, sonst prägt Einöde, Sand und verschiedene Hügelformationen die Landschaft. Vor Kerben übernachten wir in einem Dorf in einer Seitenstrasse. Hier ist eine Zwetschgenplantage, aber leider sind die Zwetschgen noch nicht reif. Wir sollten Konfitüre machen, denn die geht langsam zur Neige und kaufen kann man keine! Im Schatten, es ist täglich gegen 40 Grad heiss, lesen wir und versuchen mit den Kindern die ab und zu vorbeikommen zu reden. Am Abend dann die Überraschung! Hunderte von Kühen kommen die Strasse entlang ins Dorf. Reiter auf Pferden und Eseln begleiten sie. Rund ums Auto nur Kühe! Wir sind am Essen im Auto. Dann folgen hunderte von Schafen und Ziegen! Und wenig später noch dutzende von Pferden. Alle „Hirten“ grüssen uns freundlich und wenn Beat draussen ist kommen sie vorbei und drücken ihm die Hand.

Nach einer ruhigen Nacht werden wir am Morgen geweckt von den gleichen Tieren die wieder auf die Weide gehen! Wir fahren weiter und  finden tatsächlich eine Umfahrungsstrasse um den usbekischen Zipfel.. Auf dem Navi und der Karte sind wir aber immer in Usbekistan, die Autos sind aber immer kirgisisch, sodass wir annehmen dass alles seine Richtigkeit hat. Schlussendlich sind wir wieder definitiv in Kirgistan und fahren das Kasan-Say-Tal hoch. Es geht auf einer Piste eine fantastische Schlucht entlang! Und wie immer hier, eine Ewigkeit, 25km lang. Da wir nur langsam fahren können wegen der Piste erscheint uns die Schlucht sehr lang. Aber die Landschaft ist einmalig. Schlussendlich geht es einen Pass hoch und auf der anderen Seite macht sich das Chatkal-Tal auf. Ein Tal das nur über diesen Pass im Süden, und auf der Nordseite über einen weiteren Pass erreichbar ist. Wobei das Tal selber 150km lang ist! Somit hat man sicher eine Tagesreise wenn man aus dem Tal hinaus will.

 

Unglaubliche Distanzen und dazu noch nur Pisten und keine richtige Strassen.Nach 80km kommt endlich wieder ein Dorf. Ja und dann passiert es wieder. Wir haben ein Loch im Reifen, im gleichen wie schon einmal. So wechselt Beat den Reifen und wir fahren ins nächste Dorf. Hier gibt es keine Werkstatt, erst nach 30km werden wir fündig. Der Reifen wird mit drei Flicken geflickt und ich bin nicht so optimistisch wenn ich sehe wie der Reifen innen aussieht. Beat montiert den Reifen wieder und wir suchen uns einen abgelegen Übernachtungsplatz, diesmal ohne jegliche Überraschung!


Der Reifen hält! So fahren wir los und sind gespannt was kommt, denn die Piste führt noch ca. 60km das Tal entlang mit 3 Dörfern und dann muss es bergauf gehen. Die Piste wird dann auch immer schmaler, aber das Navi zeigt uns an dass wir noch immer auf dem richtigen Weg sind. Manchmal weiss man nicht ob rechts oder links, da es noch kleine Seitentäler hat. Bis jetzt hat uns aber das Navi noch immer ans richtige Ort geführt. Ja und schlussendlich ist der Weg gerade noch so breit wie unser Fahrzeug! Da steht doch ein Lastwägeli am Strassenrand mit einer Motorenpanne. Ich werde an der schmalen Stelle hindurchgelotst und bin froh wieder auf dem Weg zu sein. Dann kommt die erste Brücke! Aussteigen, Kontrolle! Ja, die sollte halten. Daneben hat es eine Furt, aber die möchten wir meiden. Bei der zweiten Brücke dasselbe. Die Auffahrt ist so steil dass ich nicht sehe wohin ich fahre und die Brücke so schmal, sodass Beat aussteigen und mich lotsen muss, damit wir nicht plötzlich neben der Brücke liegen! Auf was haben wir uns da eingelassen! Die dritte Brücke ist nicht befahrbar für uns. Es sind lediglich Baumstämme mit Eisenhaken zusammengehalten! So bleibt uns nur die Furt. Beat geht voraus und ich fahre mit dem LowGear durch den Bach. Zusätzlich zu den Bachtraversen ist es teilweise so schmal mit den Felsen und dem Bach, dass unser Auto gerade noch so durchkommt. Wir hoffen, dass es endlich bergauf geht! Dann nach unendlichen 20km kommen die Spitzkehren und wir erklimmen den Pass. Wir freuen uns an der tollen Landschaft, dem Gebirge! Es geht steil bergauf, ich muss fast immer im 1. Gang fahren.

 

Oben angekommen wird der Weg plötzlich breiter und es geht in dutzenden von Spitzkehren bergab! Jede Kurve ist voll mit Sand von den vielen Lastern die hier fahren. Wir vermuten dass eine neue Strasse gebaut wird. Sehr froh sind wir, dass es trocken ist und nicht geregnet hat. Diese Strecke wäre der Horror mit dem Sand! So bleibt uns nur sehr sehr viel Staub. Nach vielen Kehren erreichen wir das Kara-Buura-Tal. Weideland, manchmal eine Schlucht, dann wieder Weideland, wunderschön. Wir waschen an einem Bach noch unsere Wäsche aus und fahren dann ins Talas-Tal. Hier übernachten wir nach einem langen, höchst interessanten Tag neben einem Fussballfeld bei einer verlassenen Tankstelle.

 

Die Wäsche trocknet noch wunderbar da es so heiss ist. Schlussendlich lesen wir wie jeden Abend bei geschlossenen Fenstern und ich liege bereits im Bett. Da rüttelt doch jemand an unserem Auto! Beat ruft aus, aber natürlich ist in der Dunkelheit draussen nicht zu sehen wer es war. Nach einer halben Stunde knallt es, jemand hat einen Stein geworfen! Bewaffnet mit der Taschenlampe geht Beat nach draussen, aber niemand ist da. Nun hoffen wir, dass das Spiel ein Ende hat. Und tatsächlich die restliche Nacht ist ruhig und wir schlafen gut.

 

Der Steinschlag ist ärgerlich, hat er doch eine grössere Delle an unserm „Häuschen“ hinterlassen. Wir fahren weiter, jetzt auf geteerten Strassen durch viele Dörfer. Unterwegs sehen wir uns noch das berühmte Mausoleum des Recken Manas, dem die kirgisischen Stämme ihre Einigung zu einem Volk verdanken. Im Museum finden wir eine riesige Karte die uns das ganze Gebiet bis China zeigt und den Tien Schan, so wie die verschiedenen Seidenstrassen. So eine Karte habe ich noch nie gesehen, denn es ist gar nicht so leicht in dieser Gegend die Übersicht zu behalten. Jetzt endlich kann ich mir die Dimmensionen so richtig vorstellen. Hier fand auch Mitte des 8. Jh. die bedeutende Schlacht zwischen den Chinesen und den Arabern statt, bei der die Araber als Sieger hervorgingen und damit für ganz Mittelasien entschieden wurde, dass der Islam das vorherrschende Glaubensbekenntnis ist.

 

Über einen Pass mit vielen Jurten und Herden von Schafen, Kühen und Pferden geht es zurück auf die M41, die einzige Strasse, die Kirgistans Norden und Süden verbindet. Noch einmal müssen wir auf der M41 über einen Pass, beide sind über 3000m, wieder an Jurten und vielen Herden vorbei. Dann geht es stetig bergab Richtung Freganatal bis zum Stausee von Toktokul. Hier kaufen wir noch am Markt ein und fahren dann auf einen Hügel. Von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick auf den See und die umliegenden Berge. Regen ist in Sicht, rundherum in den Bergen regnet es und ein starker Wind kommt auf. Doch bei uns regnet es kaum, vergeblich hofften wir, dass das Auto gewaschen wird.

 

Die vorbeifahrenden Autos verlangsamen immer und können sich jeweils kaum erholen wenn sie uns sehen. Ja und dann kommt die Überraschung. Während den 5 Stunden bis es dunkel ist fahren 5 !!!!!  Hochzeitsgesellschaften mit ihren Autos hierher, steigen aus und machen Fotos! Uns wird es nicht langweilig. Vor allem eine Gesellschaft ist etwas mühsam. Es kommt zwischen den Gästen zu Schlägereien und unschönen Szenen. Wir sind froh als sie endlich wegfahren.

 

Während der Nacht müssen wir dann feststellen dass dieser Ort von Jugendlichen zum „saufen“ genutzt wird. Es ist laut und erst um 3 Uhr wird es ruhiger. Nicht ganz ausgeschlafen schreibe ich heute noch für die Homepage bevor wir abfahren. Dann müssen wir im Ort noch Geld wechseln damit wir den Tank ganz füllen können. Morgen geht es nach Usbekistan und da gibt es kaum Diesel! Genau deshalb haben wir unserem Nissan noch einen Zusatztank einbauen lassen, jetzt haben wir knapp 1200 km Reichweite. Auf dem Markt kaufen wir noch ein und fahren dann auf der M41 Richtung Süden. Eine tolle Landschaft am Stausee entlang und später am Fluss Narin, der mehrfach gestaut ist. Schlussendlich bekommt das Auto noch eine kurze Wäsche und da stellen wir fest dass wir einen Sprung in der Windschutzscheibe haben! Beat macht am Abend einen Kleber darauf und so hoffen wir dass sie hält bis wir wieder in der Schweiz sind. An einem kleinen gestauten See übernachten wir ausserhalb eines Dorfes und erledigen noch alles, um morgen über die Grenze nach Usbekistan zu fahren.

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