15. Juli - 21. Juli, Kasachstan

Von der Grenze bis Astana

Bei der Ausreise von Russland geht alles Ruck-zuck. In einer halben Stunde stehen wir bereits vor der Grenze zu Kasachstan! Eines wundert uns, die Papiere für das Auto mussten wir zwar zeigen, aber sie wurden nicht eingezogen. Na ja, wir sind ja jetzt nicht mehr in Russland.

 

Beim Zoll in Kasachstan haben wir wieder ein Auto vor uns. So können wir schauen was der Fahrer macht. Bei der Schranke steigt er aus, ich ebenfalls und dann muss Beat auch noch zum Holzhäuschen vom „Vorzoll“ kommen. Er erhält dann die 2 Einreisepapiere die ausgefüllt werden müssen. Dann winkt uns der Zöllner durch und wir stehen beim neu erstellten Zollgebäude. Wieder steige ich aus und ein Zöllner zeigt mir dass ich ins Haus muss. Erst dort sehe ich, dass dies die Passkontrolle ist. Also wieder raus, Beat rufen und so stehen wir gemeinsam in der Kolonne. Relativ zügig geht es bis wir an der Reihe sind. Unsere Zöllnerin ist ein wenig überfordert und schickt uns zum Kollegen. Der kann ein wenig Englisch. Beat wird zuerst abgefertigt, denn die Autopapiere müssen ja auch noch auf seinen Namen geschrieben werden. Dann noch ein Foto und fertig ist Beat. Bei mir geht es wesentlich schneller und nach dem Foto geht es raus zum Auto. Nun kommt die Autokontrolle, aber da ist das Interesse relativ klein und so sind wir nach einer weiteren halben Stunde in Kasachstan!

 

Gleich an der Grenze hat es ein kleines Häuschen und da hoffen wir Geld zu wechseln. Nein, es ist keine Bank, aber die Autohaftpflichtversicherung wird dort verkauft. Und die muss man ab dem ersten Meter in Kasachstan haben. Wir haben noch eine zusätzliche Autohaftpflichtversicherung für alle STAN-Länder gemacht, denn die „reichen“ Kasachen fahren nur die teuersten Autos! So lösen wir die Versicherung für 2 Wochen für 5 Euro! Gleichzeitig kann man nebenan an einem Minifensterchen noch Geld wechseln.

 

Und los geht es in Kasachstan über relativ gute Strassen mit unserem schmutzigen Auto. Und siehe da, schon nach wenigen Kilometern werden wir das erste Mal von einem Polizisten mit rotem Stab auf die Seite gewunken. Und natürlich kann er kein Englisch, will aber alle Papiere sehen, inkl. Autohaftpflichtversicherung von Kasachstan, Fahrzeugausweis und Führerschein. Dann kommt die Frage wohin es geht und schon ist die Kontrolle vorbei! Das erleben wir jeden Tag, entweder auf offener Strecke oder im Dorf, der Stadt, beim Parkieren, einfach so.

 

Kurz nach Petropavlovsk übernachten wir auf einem TIR-Parkplatz in einer einsamen Ecke ungestört. Da Kasachstan das 9. grösste Land der Erde ist wissen wir, dass wir wieder viele Kilometer fahren müssen bis in den Süden in die Berge. Also wollen wir am nächsten Tag möglichst etwa den halben Weg bis nach Astana, der Hauptstadt fahren. Durch Steppe und Baustellen!!!!! fahren wir südwärts. Ab und zu hat es riesige Weizenfelder. Und dann geht es links weg über eine Nebenstrasse zu den Hügeln der kasachischen Schweiz. Na ja, Landschaftlich schön, die Seen ebenfalls, touristisch, aber da es kalt und sehr windig ist, badet niemand. Wir sind nicht so begeistert. Im 7 oder 8- Stern Hotel Rixon fahren wir einfach auf den Parkplatz und bestaunen dann die Eingangshalle und die Einrichtung. Ein Casino gehört auch noch dazu. Wir wollen aber hier nicht schlafen (können wir uns nicht leisten!) sondern nur WLan. Dazu trinken wir ein 2dl Cola für etwa das dreifache was es normal kostet! Aber das WLan, genial! Leider habe ich die Websiteunterlagen noch nicht bereit!

 

Nach dem eMail lesen und beantworten und Zeitung herunterladen verlassen wir den Luxusort und fahren noch ein Stück Richtung Astana. Auf einem Rastplatz an der immer besser werdenden Strasse übernachten wir und kaufen den Einheimischen noch feine Himbeeren ab. Hier etwas zu den Toiletten. Wir haben ja schon sehr viele Toiletten auf der ganzen Welt gesehen. Aber diese Rastplätze hier in Kasachstan schlagen alles! Die Toilettenhäuschen sind noch relativ neu aber abscheulich. Deshalb gehen die Frauen ins nahe Wäldchen und die Männer rund ums Toilettenhäuschen! Das ganze Gelände rund um die Rastplätze ist total vermüllt und versch......!!!!

 

Heute sind wir in Astana angekommen nach 200km dreispuriger Autobahn (für Fr. 6.-) und kaum Verkehr! Beat hat gezählt, auf 100km haben uns 17 Autos überholt und wir haben 4 Auto überholt! In Astana selber wird gebaut wie wahnsinnig. Wir finden am Fluss einen schönen Parkplatz und daneben ist ein Openair Fitnesscenter. Am Abend sind es die Jugendlichen, am Morgen die Rentner die Fitness betreiben. Wir machen uns auf zu Fuss die Stadt zu erkunden. Riesig! Grössenwahnsinnig! Der Präsident hat entschieden die Hauptstadt von Almaty in den Bergen nach Astana in die Steppe zu verlegen. So konnte er grosszügig planen! Prunk überall und trotzdem ist alles nicht solide gebaut! In 15 Jahren sollen alle alten Häuser (aus Russenzeiten) abgebrochen sein und Hochhäuser dastehen!

 

Todmüde kommen wir abends zurück nachdem wir etliche km gelaufen sind! Leider können wir dann nicht so gut schlafen. Wir haben nicht damit gerechnet dass Wochenende ist, die Jungen machten bis 3 Uhr früh Discosound!

 

Von Astana bis Grenze Kirgistan

Wir entschliessen uns am nächsten Tag weiter zu fahren denn wir brauchen dringend Wasser und wollen endlich das Auto waschen. Schlussendlich kommt alles ein bisschen anders. Gegen Mittag werde ich von der Polizei angehalten! Mit einer Laserpistole hat er gemessen, ich bin 90km gefahren auf einer Dorfumfahrung und doppelspurigen Strasse, kein Auto weit und breit und kein Haus! Ich habe aber übersehen dass ich an einer Ortschaftstafel vorbeigefahren bin! Und das bedeutet 60km fahren, egal wie gross und breit die Strasse ist und ob Häuser dastehen oder nicht! Also Papiere zeigen, mit ins Polizeiauto und auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Ein Bein draussen, denn ich will nicht dass er abfährt. Dann heisst es 100 Euro Busse! 2 Polizisten zeigen mir den Bussenkatalog, die Kamera, und belehren mich auf Kasachisch. Da die 100 Euro nicht mit dem Bussenkatalog übereinstimmt, werde ich skeptisch. Ich verlange eine Quittung, nein die gibt es nicht. Schlussendlich füllt er ein Papier aus, aber nicht in dreifacher Ausführung wie die anderen umherliegenden Unterlagen. Ich unterschreibe nicht, denn ich will  eine dreilagige ganz ausgefüllte Quittung. Also nimmt er ein anderes Papier und füllt nochmals aus mit den Passunterlagen. Aber wieder wird das Papier nicht ganz ausgefüllt und nicht dreilagig. Er wird ärgerlich und will dass ich die Türe schliesse und mit ihm auf den Polizeiposten in die nächste Stadt (40km entfernt) fahre. So bitte ich Beat von der Autonummer ein Foto zu machen. Der Polizist wird wütend und schreit ins Mikrofon „no“. Dann gibt er mir aber die Papiere, ich steige aus und wir fahren davon! Es ist offensichtlich, die wollen das Geld in die eigene Taschen! Aber diese Aktion hat mich viel Energie gekostet!

 

Im nächsten Ort können wir dann endlich etwas kompliziert unser Auto mit Hochdruck waschen lassen. Ohne Schaum und draussen vor der Anlage da das Tor zu wenig hoch ist. Wir haben es lustig, die Leute wollen das Womo sehen und mit Hilfe des einen Jungen der gebrochen Englisch redet, kommen wir auch noch zu Wasser für den Tank. Super, wir sind bereit für die nächsten 1000km bis Almaty! Mitten auf der Strecke übernachten wir auf einem Rastplatz, Leute sprechen uns an und ab und zu kommt ein Reiter der vermutlich nach Hause geht.

 

Am Morgen geht es früh weiter, wir fahren durch die Steppe, nichts rechts und nichts links. Und plötzlich sind die Kamele da, am Strassenrand! Einmal sehen wir sie fressend, einmal liegen einfach einige da.  Zuletzt sehen wir eine riesige Herde etwas weiter entfernt. Ja und wilde Pferde kreuzen einmal im Galopp unsere Strasse und ab und zu sehen wir welche am Strassenrand. Daneben gib es nicht viel Interessantes ausser der Polizei! Auf den ganzen 2000km sehen wir dutzende von Polizisten mit den Laserkameras! Ein tolles Spielzeug. Vor allem weil manchmal um eine Kurve einfach so, ohne ersichtlichen Grund 50 ist, oder dann 7km lang 50 ist, weshalb weiss niemand, denn das Verkehrsaufkommen ist schwach. So fahren wir und sind beschäftigt damit die Geschwindigkeitsbegrenzung peinlichst genau einzuhalten. Auch nicht überholen wenn die Linie durchgezogen ist!

 

Wir erreichen den Balkashsee und staunen. Türkisblaues Wasser! Sieht super aus in der Wüste, da ist alles gelb. Wir müssen unbedingt zum See und nehmen eine Stichstrasse. Es geht in ein kleines Dorf am See, voll touristisch mit einfachen Unterkünften. Von einem Hügel aus bestaunen wir die wunderbaren Farben von See und Landschaft. Der See ist auch sonst noch kurios, ein Drittel der Fläche ist nämlich aus Salzwasser und der Rest aus Süsswasser. Dann geht es noch ca. eine Stunde weiter bis wir wieder eine Stichstrasse nehmen um auf dem Feld im Nirgendwo zu übernachten.

 

Aber jetzt wollen wir Almaty erreichen! Das gelingt auch, und wir sind zum Glück früh dran. Ca. 50km vor Almaty sehen wir sie, die Berge! 5000er mit Schnee. Leider alles im Dunst. Das Wetter ist einfach nicht so wie wir erwartet haben. Wir hatten bis jetzt praktisch jeden Tag Regen oder mindestens ein bisschen Regen und immer Wolken. Na ja, Wetter kann man ja nicht selber machen.

 

Ich führe Beat mit dem Navi durch die Stadt. Es braucht viel Geduld, wir fahren durch den riesigen Markt. Noch nie haben wir einen so grossen Markt gesehen und alle sind mit dem Auto unterwegs! Endlich finden wir den Platz den ein Schweizer Ehepaar vor 2 Jahren als Stellplatz gepriesen hat. Heute ist dort alles verbarrikiert und nur ein kleiner Teil vom ehemaligen Park wird als Parkplatz verwendet. Wir stellen uns da hin und hoffen dass im riesigen Shooppingcenter über der Strasse gutes Internet ist. Und einkaufen ist auch wieder einmal nötig. So können wir in einem Superstore sogar Mozarella kaufen! Und im Mac fragen wir für Internet. Er empfiehlt uns das Café nebenan, und wirklich, super! Die Homepage wird gemacht, Mails geschrieben etc. Abends ist alles erledigt und wir schlafen ausgezeichnet auf dem Parkplatz.

 

Am Morgen führe ich Beat mit dem Navi durch die Millionenstadt zu zwei Sehenswürdigkeiten in der Altstadt die wir sehen möchen. Wir spazieren ein wenig umher und brechen dann aber bald auf Richtung Kirgistan. Es dauert über eine Stunde bis wir endlich aus dem Stau und der Stadt draussen sind und gemütlich die 150 km noch fahren können. Dann stehen wir unter Bäumen in einem Dorf. Es ist fast 40 Grad und so trocknet unsere Wäsche schnell. Wir beobachten die Knaben, die teilweise mit ihren Pferden wie wild über die Steppe galoppieren. Abends kommt noch eine Rinderherde, eine Pferdeherde sowie Schafe und Ziegen vorbei, denn nebenan ist ein Tümpel, die Tränke. Das Gequake der Frösche hört dann aber nachts zum Glück auf.

 

Am Morgen geht es voller Erwartung nach Kirgistan. Und Beat vergisst das Licht anzustellen, er, der sonst immer mit Licht  fährt. Natürlich steht die Polizei auf den 20 Kilometern bis zum Zoll und Beat muss aussteigen. 40 Franken soll der Spass kosten, natürlich ohne Quittung. Wir stellen uns dumm, auch als der Polizist auf der Rücksitz „Money, Money“ zu singen beginnt. Der andere nimmt das Telefon, telefoniert jemandem der Englisch kann und gibt mir das Telefon. Natürlich haben wir das Licht nicht angezündet sage ich ihm, doch erkläre ich ihm dass eben jetzt 2 Autos ohne Licht an uns vorbeifahren und die Polizei nicht reagiert. Da geben die Polizisten auf und schicken uns verärgert weiter! Eigentlich machten die beiden Geschwindigkeitskontrolle. Den Apparat haben sie bei der Ende 50km Tafel angebunden und die Autos nehmen sie kurz nach der nächsten Kurve von der Strasse!

 

Noch 10 Kilometer bis zur Grenze, wir sind wie auf Nadeln, Autofahren ist Stress pur! Und wir wissen, das wird in den nächsten Ländern nicht besser. 

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