____________   12. Februar - 1. März 2018

____________   1. März - 14. März 2018

Grenze Peru - Lima

Kaum in Peru angekommen werden die Strassen schlechter, es hat viele Löcher. Dafür fahren wir endlich einmal dem Pazifik entlang, an vielen wunderschönen Stränden. Der Küste entlang erstreckt sich die Wüste von Nord- bis Südperu, unterbrochen nur von grünen Oasendörfern und -städten. Schon bald sind wir im Swiss Wassi, einem Traveler- Hotspot. Hier geniessen wir die Palmen, das Meer und den Sand zusammen mit unseren Reisefreunden Nese und Bruno, die nach ein paar Tagen nordwärts weiterreisen. Beat und die Beiden essen Langusten, zubereitet und mit Essinstruktionen von der Stellplatzbesitzerin. Ich begnüge mich lieber mit Fisch. Die Tage vergehen allzu schnell, denn es gibt immer wieder etwas zu tun, entweder am Auto oder dann schreibe ich Homepage etc. Zum Glück aber alles in gemütlichem Tempo. Dazwischen sehen wir noch Olympia! Bei uns ist die Zeitverschiebung super, sind doch die Alpinen Skiwettkämpfe jeweils abends und nicht nachts wie bei zuhause.

 

Nach 5 Tagen an diesem traumhaften Strand verlassen wir Swiss Wassi und fahren südwärts, der Küste entlang auf der Panamericana, die weiterhin mit vielen Löchern gespickt ist. In unserem IOverlander-App wird überall vor Raumüberfällen und korrupter Polizei gewarnt. Wir sind gespannt und darauf vorbereitet! Eigentlich ist die ganze Küste Perus Wüste. Nur in den kleineren und grösseren Ortschaften werden riesige Felder bewässert und es ist herrlich grün. Hier im Norden sind es oft Reis- und Maisfelder. Die erste Nacht verbringen wir in einem Balneario bei Piura. Kaum angekommen, werden wir auf Schweizerdeutsch angesprochen. Ronald, der als Sicherheitsbeauftragter bei der Post arbeitete, lebt seit drei Jahren mit seiner peruanischen Frau hier. Er hat seine Frau in der Schweiz kennen gelernt und sie spricht auch sehr gut Deutsch. Sofort werden wir zu einem Drink mit der ganzen Familie eingeladen.

 

Die Sanddünen werden immer grösser Richtung Lima und teilweise fahren wir über 100km nur durch Sand, unterbrochen von dutzenden riesigen Hühnerfarmen, die mitten in der Wüste stehen. Ob wir in Südamerika auch Hühner mit Antibiotika essen? Schon bei den Fischen aus den Fischfarmen in Südchile haben wir uns das gefragt.

 

Leider müssen wir dann die nächste Nacht bei einer Tankstelle übernachten, denn das Museo Tumbas Reales de Sipán in Chiclayo ist montags geschlossen und wir können deshalb nicht auf dem Parkplatz übernachten. Wir wussten nicht, dass es entlang der Küste so viele äusserst interessante Kulturstätten gibt, alle aus der Vorinkazeit! Entdeckt wurden sie erst Mitte – Ende des 20. Jh. und sind mindestens so interessant wie die Inkakulturstätte in den Bergen. Heute wollen wir das neue Museo Tumbas Reales de Sipán besichtigen das mit Hilfe des Schweizerstaates im Jahr 2002 erstellt wurde. Dieses futuristisch anmutende Museum zählt zu den wichtigsten Museen des Landes. Es ist nicht nur ein Museum, sondern auch ein Mausoleum – die Ruhestätte des Herrn Sipán und seinen Begleitern. Ein Führer zeigt und erklärt uns einige der 2000 Goldobjekte (alle wurden in Deutschland jahrelang restauriert) und die unzähligen gut erhaltenen Keramiken.  Eindrücklich auch die Nachbildung der Grabkammern. Das Museum hat uns tief beeindruckt, und wir sind überzeugt, dass es tatsächlich eines der besten Museen der Welt ist, mit Sicherheit das Beste in Peru! Leider durften wir nicht fotografieren, aber hier ein Auszug aus dem Reiseführer „Dumont“:

 

„Die Presse feierte den grössten archäologischen Fund des Jahrhunderts, als 1987 die Freilegung des umfangreichsten je in Amerika gefunden Goldschatzes bekannt wurde. Archäologen hatten in der Nähe von Chiclayo das etwa 1700 Jahre alte Grab eines Mochica-Herrschers entdeckt. Sie tauften ihn auf den Namen „Señor de Sipán“. Der Fürst war reich geschmückt mit goldenen Brustplatten, Armreifen, Muschelketten und mit Türkisen besetzten Goldamuletten. Um ihn herum wurden acht weiter Skelette von Sklaven, Konkubinen und Kriegern sowie Unmengen von Keramiken gefunden. In den folgenden Jahren konnten zwei weitere Gräber freigelegt werden: das Grab des Priesters (1988) und das ebenfalls ausserordentlich wertvolle Grab des „Viejo Señor de Sipán“ (1989). Dieser lebte um 100n.Chr. und ist damit gut 200 Jahre älter als sein Namensvetter, vielleicht sogar sein direkter Vorfahre.“

 

Wir fahren noch zu der „Pyramide Sipán“ und wollen wissen wo diese spektakulären Funde gemacht wurden. Die vielen Pyramiden sind aus Lehmziegeln erbaut und stehen in der Wüste. Nur in den El Niño – Jahren fällt in der Regel Regen, deshalb wurden die ungebrannten Lehmziegel ausgewaschen, sodass die Pyramiden nicht mehr in voller Pracht zu sehen sind. Sehr ruhig dürfen wir bei der Pyramide Sipá vor dem Polizeiposten übernachten.

 

Die Küste Perus ist fruchtbar wegen der Flüsse, die das Wasser von den Anden bringen. Auf Sand wird rund um Dörfer und Städte mit Bewässerung angepflanzt. Deshalb fahren wir immer wieder durch grüne Oasen mit viel Landwirtschaft. Zur Abwechslung dann die Sanddünen und die Sandberge. Je näher wir Lima kommen, umso mehr hat es riesige Hühnerfarmen mitten in der Wüste. Unglaublich wie die Hühner hier gehalten werden! Da vergeht einem das Essen!

Unser nächstes Ziel ist El Brujo, ein Zeremonialtempel (Pyramide) der Mochica-Kultur, mitten in der Wüste. Eine ca. 30m hohe Lehmziegelpyramide diente als Begräbnisort und während den Ausgrabungen stiess man auf wunderschöne bemalte Wandverzierungen. Hier sieht man eindrücklich die verschiedenen Ebenen der Pyramide. Während den Ausgrabungen fand man die Mumie der Señora de Cao, die einzige bis heute bekannte „Fürstin“ der Mochica. Auch sie hatte reichlichen Grabschmuck in ihrem Grab. Stolz zeigt uns der Führer die Señora, die hier im schönen Museum aufgebahrt ist. Sogar ihr Gesicht wurde mit Hilfe neuster 3D- Technik dargestellt. Zuoberst auf der Pyramide hat man einen herrlichen Weitblick über die Wüste und die bewässerten Felder des nahen Dorfes. Heute noch wird dieser Ort von Schamanen genutzt, denn der Ort soll Heilungskräfte haben.

 

Gegen Abend fahren wir noch nach Trujillo. Leider dürfen wir hier nicht beim Museum Chan Chan (Weltkulturerbe seit 1986) übernachten und so fahren wir ans Meer zu einem Hostel. Hier bleiben wir 2 Tage, denn ab morgen ist weiter Kultur angesagt. Chan Chan war einmal eine riesige Stadt, über 20km2, und die Hauptstadt des Chimúreiches. Sie gilt als die Grösste archäologische Städte des Kontinents und man schätzt, dass damals rund 100`000 Menschen hier gelebt haben. Man muss sich das mal vorstellen, die ganze Stadt wurde aus ungebrannten Lehmziegeln gebaut!!! Im Museum ist die Anlage in Kleinformat veranschaulicht. 10 Stadtviertel mit je einer Tempelpyramide. Das Trinkwasser musste schon damals in langen Kanälen die bis zu 150km lang waren, von den Bergen hierhergebracht werden. Wir schauen uns das Museum an mit den wiederum eindrücklichen Tongefässen, die sehr gut erhalten sind und dem vielen Gold- und Silberschmuck. Dann fahren wir auf das Gelände und spazieren durch den zurzeit einzigen für Touristen offenen „Palacio Tschudi“. Riesig, eindrücklich und faszinierend sind die mit Reliefs verzierten Lehmwände.

 

Ebenfalls in der Nähe von Trujillo staunen wir dann über die vielen Touristen bei der Sonnenpyramide, die mit ihrer Grundfläche von 340x 160m und einer Höher von fast 40m das grösste präkolumbische Bauwerk Südamerikas ist. Daneben liegt die kleinere Mondpyramide mit 30m Höhe. Auch hier sind die farbigen Reliefmauern sehr dekorativ und eindrücklich gut erhalten.

 

So langsam haben wir aber genug von „Ausgrabungsstätten“. So geht es zügig weiter Richtung Lima und wir übernachten in der Bucht von Tortugas an der Strasse beim Strand. Traumhaft gelegen! Überhaupt sind die Buchten und Strände hier einfach wunderschön. Nur, das Wasser wird kälter und kälter, in Lima sollen es noch 14 Grad sein! Dazu hat es meistens hohe Wellen. Trotzdem, am Abend haben wir jeweils herrliche Sonnenuntergänge und nachts wird es angenehm kühl. Leider müssen wir dann mitten in der Nacht aufstehen und ein paar hundert Meter weiterfahren, denn eine nahe Disco lässt uns auch um 1.00 Uhr noch nicht schlafen!

Damit wir nicht am Abend während des Stossverkehrs in die Stadt Lima fahren müssen, übernachten wir nochmals in einem Hinterhof eines Hostels. Wir haben die Übernachtungsplätze sehr bewusst ausgelesen auf dieser Strecke bis Lima, denn wir haben wirklich viele Horrorszenarien gehört mit Überfallen. So erreichen wir Lima ohne korrupte Polizei, oder weitere besondere Vorfälle und finden ohne Mühe das Hostel Hitchhiker, in Miraflores, einem besseren Viertel mit vielen Touristen. Hier haben wir uns vorgängig angemeldet, denn es hat nur Platz für 3-4 Autos und für uns ist die Lage hier einfach genial. So stehen wir dann sehr eng mit einem riesigen amerikanischen Schulbus mit Amerikaner-Boys im Hof. Nachts müssen wir jeweils nach Mitternacht die jungen Leute bitten etwas ruhiger zu sein. In der Reception hängt ein grosser Zettel auf dem die Nachtruhe um 21 Uhr festgelegt ist! Aber natürlich kontrolliert das niemand!

 

Leider ist die Zeit in Lima ein bisschen schwierig. Wir haben Durchfall, ich sogar mit erbrechen. Das vermutlich von den Tomaten. Den ersten Tag verbringen wir damit (noch geschwächt), einen Service am Auto durchführen zu lassen und kurven erfolglos drei Stunden in Lima herum, am zweiten Tag machen wir uns dann nachmittags auf zur Walking-Tour in Barranca. In diesem Künstlerviertel leben viele Maler und Schriftsteller. Uns gefallen die Wandmalereien und die herrliche Sicht aufs Meer in der Abendstimmung. Natürlich gibt es hier auch viele Restaurants und die gut betuchten Peruaner können sich hier eine Wohnung leisten mit Meerblick.

 

Am nächsten Morgen fahren wir mit der „Metropolitano“ in das Stadtzentrum. Ebenfalls auf einer Walking-Tour hören wir viel über die Entstehung Limas, welches ursprünglich viele Kilometer im Landesinneren erbaut wurde und sich heute bis ans Meer erstreckt. 10 Mio. Menschen leben heute in dieser Metropole. Die Kolonialbauten in der Innenstadt wurden in den letzten Jahren sehr schön restauriert mit Hilfe von UNESCO-Geldern. Wir waren vor 40 Jahren schon in Lima. Doch leider kommt nirgends ein Aha-Erlebnis. Wir haben auch keine Fotos, denn uns wurde auf jener Reise der Fotoapparat und sämtliche Filme gestohlen. Und dann während der Führung stehen wir plötzlich im alten Bahnhofsgebäude. An das können wir uns tatsächlich erinnern. Heute sehr schön restauriert mit dem schönen Boden und als Bibliothek genutzt. Damals vollgedrängt mit Indiofrauen und Männern, geschäftiges Treiben und Diesellokomotiven. Wir hatten damals Schwierigkeiten ein richtiges Zugticket zu ergattern um nach Huancayo zu fahren. Heute kann man mit einem Touristenzug die traumhafte Strecke einmal wöchentlich fahren.

 

Nur wenig haben wir von Lima gesehen. Die Altstadt, Miraflores und Barranca. Es gibt rund um die Stadt auch Viertel in denen die Superreichen wohnen, ja und es gibt auch die Slums. Man sagt uns, dass diese heute an das Wasser und Stromnetz angeschlossen sind. Erstaunlich ist für uns, dass wir kaum Bettler oder Randständige sehen, was in anderen Städten im Süden von Südamerika an der Tagesordnung ist.  

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