Altos - Chaco - Arapey

____________   29. März - 9. Mai 2018

____________   9. Mai - 28. Mai 2018

Zusammen mit anderen Reisenden geniessen wir die Tage in Altos. Putzen, waschen, schreiben, grillen, essen gut bei Marion und sitzen am Abend zusammen am Lagerfeuer. An einem Tag fahren wir mit einem Taxi nach Asuncion zum Augenarzt damit Beat seinen Augendruck kontrollieren kann. Am Nachmittag muss er dann noch einen abgebrochenen Zahn beim Zahnarzt flicken lassen. Augenarzt wie auch Zahnarzt sind Mennoniten und sprechen Deutsch. Sie sind auch sehr gut ausgebildet und die Einrichtung könnte in der Schweiz stehen. Die junge Zahnärztin, Stefanie Müller, flickt den Zahn und entfernt gleich noch Zahnstein bei Beat und mir. Das Besondere ist lediglich die Zahnarztgehilfin. Während dem sie Speichel absaugt kaut sie Kaugummi und macht Blasen vor dem Gesicht von Beat! Ja und dann klingelt das Telefon in der Tasche, das selbstverständlich abgenommen wird. Man hat ja zwei Hände! Die Ärztin trägt einen Mundschutz, aber nur bis zur Nase, was bedeutet, dass ihre „verbrauchte“ Luft Beat einatmen muss!

 

Obwohl Beat seit 2 Tagen Durchfall hat mit wechselndem Fieber fahren wir zu einer Werkstätte in der Nähe um die Einspritzdüsen zu wechseln. Das geht leider nicht und wir müssen nach Asuncion zu einem Spezialisten fahren. 30km fahren wir im Stau in die Stadt und erreichen vor dem Mittag diese Firma. Froh, dass ein Mitarbeiter Englisch spricht, ist der Auftrag schnell erteilt und nach dem Mittag erhalten wir die Nachricht, dass die Einspritzdüsen ausgebaut werden müssen. Dies weil unsere europäische Chassisnummer nicht in ihrem System ist und man die genaue Bezeichung der Düsen erst in ausgebautem Zustand sieht. Klar ist, dass sie ersetzt werden müssen, denn die Computerauswertung zeigt bei allen 4 Düsen Fehlermeldungen. So bleibt uns nichts anderes übrig wie zurück auf den Stellplatz zu fahren um am nächsten Morgen um 6.00 Uhr wieder nach Asuncion zu fahren. Zum Glück gibt es gegenüber der Werkstätte ein Restaurant mit Wifi. Da können wir essen und viele Arbeiten erledigen. Vor dem Mittag kommt dann der Chef zum Restaurant und teilt uns mit, dass sie die entsprechenden Einspritzdüsen an Lager haben und diese noch heute eingebaut werden können. Was für ein schönes Gefühl mit einem Auto zu fahren das ruhig vor sich hin „schnurrt“ und wieder Power hat!

 

Da es Beat immer noch nicht besser geht, fahren wir heute zu einer deutschen Ärztin, Dr. Brauner. Sie arbeitet an 2 Tagen in einer Cooperative im nächsten Dorf. Da bezahlt man zuerst ca. Fr. 10.-, dann kontrolliert die Ärztin den Blutdruck, der sehr tief ist. Sie verschreibt Tabletten die wir in der nahen Apotheke erhalten und einen Auftrag für das Labor. Nüchtern geht es dann am nächsten Tag ins nahe Dorf zum Labor um Blut abzugeben und eine Stuhlprobe. Laut unserem Stellplatzbesitzer René benötigt man dazu ein steriles Gefäss welches im Labor erhältlich ist. Das Labor besteht aus einem Zimmerchen ohne Fenster, mit einem Brünneli das als Ablage für den Doktor dient, d.h. darin befinden sich Abtupfer und Pflaster sowie ein alter Handschuh. Dieser dient zum abbinden. Zum Glück mit einer neuen Spritze nimmt er Beat Blut und sticht noch daneben! Dann müssen wir bezahlen und wir können den Bericht am nächsten Tag abholen. Unterdessen geht es Beat wieder gut und so ist der der Arzttermin nur noch eine Formsache! Alles ist i.O.

Endlich können wir weiterplanen. Wir entscheiden uns nochmals nach Rosaleda in den Chaco zu fahren um die Leute dort ein letztes Mal (wir waren schon 2x hier) zu sehen bevor es nach Hause geht. Ca. 600km sind es, mit einer Übernachtung bei den Mennoniten in Filadelfia. Hier will ich noch Knöpfe und Reisverschlüsse kaufen. Es ist heiss und die Strasse ist noch immer in einem sehr desolaten Zustand, vor allem nach Filadelfia. 

 

In Rosaleda erleben wir heisse, interessante Tage. Wir machen verschiedene Besuche und haben uns viel zu erzählen. Es freut uns auch, dass die Schule wieder eine Lehrerin hat und die 6 Kinder unterrichtet werden. Das Hotel von Renato ist noch nicht offiziell eröffnet, aber immer wieder kommen Leute aus den umliegende Dörfern zum schönen Swimmingpool. Am Freitagabend ist „Höck“ vom Dorf und wir treffen alle Bekannten. Am Samstag gibt es Pizza, und da ist natürlich wieder das halbe Dorf im einzigen Restaurant. Es leben nur ca. 2 Dutzend Leute in Rosaleda, da ist alles sehr überschaubar! 

 

Nach den gemütlichen Tagen fahren wir früh am Morgen um 6.00 Uhr bei Sonnenaufgang los um möglichst bei Tageslicht noch in Altos bei René und Marion anzukommen. Aber oh Schreck, das Auto läuft nicht an! Müssen wir jetzt doch noch hier bleiben wie alle Stammtischleute gestern gedrängt haben? Beat öffnet die Motorhaube, rüttelt an der Batterie und siehe da, der Motor springt an. Irgendwo muss ein „Wackel“ sein. So fahren wir während einem tollen Sonnenaufgang gegen Osten, um dann auf der Hauptstrasse südwärts abzuzweigen und uns zuerst während 3 Stunden über die „löcherige“ Strasse zu quälen. Und dann plötzlich, ich weiche wieder einem riesigen tiefen Loch aus, bleiben wir mitten auf der Strasse quer stehen. Kein Durchkommen für Lastwagen, die hier zu hunderten Vieh transportieren! Wieder Motorhaube auf und siehe da, diesmal ist es ein Kontakt an der Batterie! Das hatten wir doch schon einmal in Brasilien. Deshalb ist der Schaden auch schnell behoben und wir können ohne Probleme die 600km in 9 ½ Stunden zurücklegen. Wir freuen uns wieder in Altos zu sein, Regula zu treffen und morgen bei Marion fein zu essen!

 

Heute befestigt Beat noch die Batterie wieder richtig, sodass das Problem hoffentlich nicht mehr auftaucht. Wir waschen, schreiben, telefonieren, putzen, wollen täglich einige Kilometer mit den Stöcken laufen gehen und die Tage geniessen bis es in einer Woche definitiv südwärts geht. Das Laufen geben wir dann schnell auf, denn auf der Sandpiste ist das kein Vergnügen! Dafür kommen mehr Reisende und wir geniessen das gemeinsame grillen und die Abende am Lagerfeuer.

Schlussendlich müssen wir uns auch hier verabschieden, vor allem von René und Marion, den Stellplatzbesitzern, Regula, Beat und Betty, die wir schon länger kennen. Mit Wehmut fahren wir weiter Richtung Süden durch hügelige schöne Landschaften bis an den Rio Parana. Hier können wir bei einer alten Jesuitenmission übernachten und erleben wieder einmal sehr deutlich was es heisst immer Strom zu haben. Am Abend gibt es etliche Stromausfälle und das Dorf ist dunkel. Zum Glück ist Vollmond!

 

Heute noch einkaufen und mit den restlichen Guarani tanken bevor es zum Zoll geht. Zum Glück ist die Kolonne heute kürzer wie letztes Mal. Trotzdem warten wir 1 Stunde, denn die lassen immer nur einige Fahrzeuge ins Zollgebiet fahren. Bequem kann man dann die Pässe bei einem Häuschen abstempeln und niemand fragt nach den Papieren für das Auto, die wir ja nicht haben. Über die Brücke geht es nach Argentinien. Hier ist die Warterei mühsam, denn es ist heiss. Ich habe ein wenig Mitleid mit den Strassenverkäufern, die uns Socken, Scheibenwischer und Stofftiere etc. anbieten. Endlich am Zoll können wir wieder am Häuschen den Stempel für Argentinien erhalten und müssen dann parkieren. Ruckzuck kommt ein Beamter, will Pass und Autopapiere. Das temporäre Einfuhrpapier ist rasch ausgefüllt und der Zöllner schickt uns zum Scanner! Schon die letzten Male mussten wir an diesem Zoll durch den Scanner. Aber diesmal ist der Weg gesperrt und kein Mensch ist da! Vielleicht weil 1. Mai ist? So fahren wir einfach am Scanner vorbei und schon sind wir in Argentinien. Noch 200km wollen wir fahren bis San Miguel. Dieses Städtchen liegt am Rand des Sumpfes Ibera und hat ein wunderschönes Balneario direkt am Wasser. Perfekt zum Übernachten. Die Einheimischen spielen Volleyball und Fussball, doch abends um 18.00 Uhr sind wir alleine mit den vielen Vögeln. Nach einer ruhigen Nacht erleben wir einen traumhaften Sonnenaufgang, bevor wir ins Touristenbüro fahren. Hier gibt es Internet und vor allem eine Wegbeschreibung nach San Nicolas, das mitten im Sumpfgebiet liegt. Über eine sehr sandige Piste, vorbei an Weiden und Baumplantagen an denen Wachs abgezapft wird, geht es 20km bis wir an ein Gatter kommen. Der Schlüssel für das Tor liegt etwa 5m neben der Piste unter einem Baumstrumpf. Beat holt ihn, öffnet das Tor und wir schliessen es wieder hinter uns. Nun ist die Piste besser und wir fahren in die unendliche Weite des Sumpfes. Neben uns Wasser, viele Capibaras (grosse Meerschweine) und Vögel. Wunderschöne Blumen, denn die Regenzeit ist noch nicht lange vorbei. Nach 10km erreichen wir das Camp und fahren noch 7km ans Ende der Strasse. Dabei müssen wir etliche Male die Capibaras stören, die auf der Strasse liegen. Oft muss ich aussteigen um sie wegzuscheuchen. Im Camp dürfen wir parkieren und übernachten. Erst gegen Abend machen wir noch eine Wanderung, denn es ist sehr heiss und windet extrem. Die Wanderung durch das hohe Gras der Pampa ist schön, aber leider sehen wir ausser Capibaras nur noch einen Fuchs und viele Vögel. 

 

So geniessen wir den Sonnenuntergang und am Morgen den fantastischen Sonnenaufgang mit viel Vogelgezwitscher. Während dem Frühstück ziehen Regenwolken auf. Kurz entschlossen verstauen wir alles ohne abzuwaschen und fahren los. Wir brauchen etwa 1 Stunde um auf der teilweise sehr sandigen Piste hinauszufahren und hoffen, dass der Regen solange wartet! Und wirklich, erst im Dorf beginnt es zu regnen. Wegen der heftigen Regengüsse bleiben wir auf der Hauptstrasse und verzichten auf der Piste durch die Sümpfe zu fahren. Als Übernachtungsplatz dient uns wieder einmal eine Tankstelle, die leider sehr laut ist. Dafür sind wir hier auf einem geteerten Platz. Jetzt noch einkaufen und tanken mit dem restlichen argentinischen Geld und dann über die Grenze nach Brasilien. Bei diesem Grenzübertritt braucht es keinen Einreisestempel für Brasilien und auch keine Papiere für die temporäre Einfuhr des Autos. Nach etwas mehr als 1 Stunde erreichen wir Uruguay und lassen die Pässe stempeln. Den Schein für die temporäre Einfuhr dauert dann. Der Zöllner hat eine Brille mit nur einem Bügel, setzt sie auf und ab indem er jeweils mitten ins Glas greift und sieht vielleicht auch deshalb nicht so recht was auf dem Bildschirm steht. Jedenfalls hilft ihm Beat, aber das reicht nicht. Er greift zum Telefon und bespricht die ganze Prozedur eine Viertelstunde mit jemandem. Schlussendlich erhalten wir den Zettel mit den wenigen Angaben zum Unterschreiben. Erstaunt stellen wir fest, dass man Pick-up auch so schreiben kann: Pikap! Nachdem wir eine Stunde vergeblich versuchen Geld aus einer Maschine zu erhalten, klappt es dann doch noch, doch leider kann man täglich nur Fr. 100.—beziehen! Unglaublich, das reicht nirgends hin und in Arapey ist die ATM nicht immer funktionstüchtig! Zum Glück haben wir noch Dollar die wir wechseln können. Regengüsse begleiten uns auf den letzten Kilometern und alles steht unter Wasser. Auf dem riesigen Camping treffen wir auf Claudia und Uwe mit Mia, die wir ja zu Beginn unserer Reise als erstes getroffen haben in Montevideo. 

 

Wir geniessen hier 3 sonnige Tage mit Baden und erledigen am 4. Tag viel, denn ein Gewitter dreht sich im Kreis und es regnet und donnert den ganzen Tag. Hoffentlich können wir morgen trocken einpacken, dann geht es nämlich weiter.

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