____________   9. September - 18. September 2017

____________   16. Dezember - 21. Dezember 2017

____________   1. Januar - 27. Januar 2018 

____________   27. Januar - 12.Februar 2018

San Sacramento - Grenze Peru

Wir reisen weiter der Küste entlang. Doch leider führt uns die Strasse immer wieder weg vom Meer. Vor allem die „Inlandstrecke“ bis Rocafuerte gefällt uns aber ausgezeichnet. Es ist hügelig und schon bald kommen wir in einen Regenwald. Es soll hier auch Affen geben, die wir aber leider nicht sehen. Dann erreichen wir Montecristi, die Gegend in der die richtige Palmenart, das Rohmaterial für die Panamahüte wächst. Den Namen erhielten die Hüte wegen Präsident Roosevelt, der bei einer Besichtigung des Panamakanals 1906 einen solchen handgeflochtenen Strohhut trug. Seit 1630 wird er aber ausschliesslich in Ecuador hergestellt. Die grössten Exporteure der Hüte findet man in den Bergen in Cuenca. Die Hüte entstehen meistens in Heimarbeit. Die ganze Produktion liegt oft bei den gleichen Familien. Sie pflanzen die Palmen, kochen die Strünke, lassen sie trocknen und schneiden sie anschliessend auf, damit die dünnen Fasern herausgelöst werden können. Je dünner die Faser ist, desto höher ist die Qualität. Mit Schwefeldämpfen werden die Fasern gebleicht und anschliessend wird der Hut geflochten. Es gibt verschiedene Webarten und es benötigt verschiedene Arbeitsschritte bis endlich der Rohling fertig ist. Danach wird er noch weichgeklopft, bekommt eine Feinrasur und wird mit Feuchtigkeit, Wärme und Druck in seine eigentliche Form gebracht über einem speziellen Block. Der Hutrand muss schlussendlich auch noch geformt werden. Eine riesige Arbeit, die 3-6 Monate dauert! Je nachdem, kann so ein Hut Fr. 1000.- und mehr kosten! Beat will sich einen Hut kaufen und findet einen, der natürlich nicht soooo teuer ist! Ich bin da skeptischer. So spazieren wir durch das Dorf, Beat mit Hut, ich ohne! Aber irgendwie gefallen sie mir ja auch. So gehe ich in einen anderen Laden und lasse mich auch beraten. Zwischenzeitlich wissen wir ja auf was wir achten müssen! Und siehe da, ich bekomme für das gleiche Geld einen feineren Hut. Und als Beat seinen Hut auszieht, merkt er, dass sich das Innenband löst. Der Unterschied zu meinem Hut: mein Innenband ist angenäht. In Beats Hut ist das Innenband lediglich geklebt. So gehen wir zurück zum ersten Laden und bringen den Hut zurück, geht ja gar nicht! Und nochmals zurück zum 2. Laden. Jetzt hat Beat den gleichen Hut und wir brauchen unsere profanen „Dächlikappen“ nicht mehr, wir sind jetzt „behutet“!

 

Nach diesem Intermezzo fahren wir wieder an die Küste und übernachten in Santa Marianita hoch über der Beach mit traumhafter Aussicht. Endlich geht es immer der Küste entlang bis wir Puerto de Cayo erreichen und Sämi treffen, ein Schweizer mit 18- jähriger Swissair Vergangenheit (welch ein Zufall) der hier ein Hostel mit Stellplatz betreibt. „Jardin Suizo“ heisst es, und wirklich, ein riesiger Garten! Stolz zeigt er uns alles was er in den 7 Jahren seit seiner Pensionierung gebaut hat. Einfach toll! Wir geniessen zwei Nächte hier und erledigen wieder einmal einiges. Abends sitzen wir gemütlich zusammen mit Mauri aus der Schweiz, dem Volontär, und Birgit aus Deutschland, die hier ihre Ferien verbringt.

Aber nun zieht es uns in die Berge zu den Vulkanen. Gegen Abend sind wir auf 2500m, und übernachten neben der Strasse. Wir müssen uns zuerst wieder an die Höhe gewöhnen. Zudem ist das Wetter katastrophal. Nebel, Nieselregen, keine Sicht! Doch am Morgen um 6.30 Uhr schauen wir zum ersten Mal hinaus. Strahlend blauer Himmel! Also aufstehen, Frühstücken, abwaschen und los geht es, über 4000m zum Kratersee Quilotoa. Was für eine tolle Fahrt. Steil geht es bergauf, die Berge, alles 4000 – 5000er um uns herum! Und dann der Kratersee! Ganz kurz sehen wir in der Ferne den Vulkan Cotopaxi (unser nächstes Ziel) der aber bald hinter einem Wolkenband verschwindet. Dafür sehen wir die anderen Vulkane: Yanaurcu 4292m und Illiniza 5263m, letzterer mit einer weissen Mütze. Traumhaft. Die Dörfer hier liegen alle auf über 3500m und überall wird an den steilen Berghängen Ackerbau betrieben. Einfach unglaublich! Wir fahren gemütlich durch diese traumhafte Bergwelt mit Schluchten und Ackerland. Hier wird Landwirtschaft betrieben bis auf 4000m. Schlussendlich übernachten wir kurz vor dem Anstieg zum Vulkan Cotopaxi auf 3200m. Hoffentlich ist morgen auch so schönes Wetter, denn jetzt ist es wieder trüb und der Vulkan versteckt sich hinter Wolken.

 

Beat steht um 6.30 Uhr auf, sieht nur wenige Wolken und so sind wir schon bald startbereit. Beim Eingang zum Nationalpark müssen wir dann warten, denn er öffnet erst um 8.00 Uhr. Den Cotopaxi mit 6310m können wir aber sehen zwischen kleineren Wolkenbändern, die immer wieder um den Gipfel kreisen. Es dauert dann, bis die Parkwächter alles vorbereitet haben und wir unsere Passnummern hinterlegen können um loszufahren. Zuerst fahren wir kurz auf einer geteerten Strasse, dann auf einer Piste. Und siehe da, schon bald haben wir tiefblauen Himmel, ohne Wolken und einen eis- und schneebedeckten Cotopaxi vor uns. Was für ein Anblick, einfach traumhaft liegt der 5897m hohe Berg vor uns. Wir sind in der Zwischenzeit auf 4000m angelangt. Bei diesem tollen Wetter entschliessen wir uns den Berg bis zu einem Parkplatz hochzufahren, obwohl die Piste sehr schlecht wird und wir wieder einmal den Low Gear brauchen um mit 10km/h hochzufahren. Auf 4500m sind wir ganz alleine und steigen aus. Von hier aus könnte man den Vulkan besteigen oder auch nur zum Refugio hochlaufen. Wir spüren die dünne Luft sehr, waren wir doch in den letzten Wochen auf Meereshöhe! Es windet auch stark und so geniessen wir die ausgezeichnete Fernsicht vom Parkplatz aus. Rund um uns sehen wir viele Vulkane, alle 4000 – über 5000m hoch, gewaltig. Schlussendlich geht es wieder hinunter zu der Lagune Limpiopungo. Hier trinken wir einen Tee und sehen vom Stübli aus direkt zum Berg. Die stündige Wanderung um den See wollen wir bei diesem Traumwetter unter die Füsse nehmen. Aber bereits nach 15 Minuten muss ich kleinlaut zugeben, dass es vermutlich für mich zuviel ist eine Stunde in dieser Höhe zu wandern. So spazieren wir gemütlich zurück und erfreuen uns über die phänomenale Aussicht mit tiefblauem Himmel. Wir fahren zum Touristenzentrum zurück auf 3200m und merken wie es uns wesentlich besser geht hier. Nach dem Mittagessen fahren wir noch bis Baños, um bei einem Deutschen zu übernachten. Er hat eine tolle Hosteria die im „Hundertwasser“ Stiel“ gebaut ist. Natürlich essen wir hier auch ausgezeichnet und bleiben gleich noch einen Tag.

 

Bevor wir zum Chimborazo fahren, geht es noch hoch zu einem Aussichtspunkt bei Baños. Von dort haben wir eine tolle Aussicht in verschiedene Schluchten und auf die Stadt Baños. Uns fasziniert aber auch der Vulkan Tunguharua (5023m), den wir von hier aus sehen mit einer Schneedecke. Ob wir heute den Chimborazo sehen werden? Nach einem Grosseinkauf in Ambiato geht es Richtung Guaranda, vorbei am Vulkan Chimborazo mit 6310m. Leider beginnt es zu regnen und hat Nebel. Ungemütlich. Ein Abzweiger nach Salinas machen wir trotzdem. Die Landschaft erinnert uns hier an Bolivien. Trocken, keine Bäume und hügelig. Aber leider keine Sicht auf den Berg. Dann wird es plötzlich grün und wir fühlen uns wie im Emmental. Schon bald stehen wir vor der Käserei und müssen bis 14.00 Uhr warten. Hier wollen wir nämlich Käse kaufen, Schweizerkäse! Was für eine Überraschung! Emmentaler, Greyerzer und Tilsiter, ja sogar Fondue gibt es hier! Vor 45 Jahren kam der Schweizer Padre Antonio in diese verlassene Gegend und gründete die Käserei. Heute ist sie fast in ganz Ecuador bekannt und die Leute reisen extra hierher um den Käse billiger wie im Supermarkt zu kaufen. Wir verlassen den Laden mit 2kg Käse! Dies aber erst nachdem ein heftiger Regenguss vorbei ist. Übernachten wollen wir bei der Feuerwehr in Guaranda, das liegt lediglich auf 2600m. Morgen hoffen wir auf besseres Wetter, wir wollen nun endlich zum höchsten Vulkan Ecuadors, den Chimborazo 6310m, hochfahren.

 

Und siehe da, ein Blick aus dem Fenster um 6.30 Uhr hilft uns schnell aus dem Bett. Strahlend blauer Himmel! Nichts wie los! Ja und da liegt er auf der ganzen Fahrt vor uns mit tiefblauem Himmel. Erst als wir auf 4200m sind kommen ganz langsam Nebelschwaden und innert 2-3 Minuten verschwindet der Berg in Nebel und den Wolken. Was hatten wir für ein Glück, den Berg so zu sehen. Dicker Nebel begleitet uns dann bis wir wieder auf ca. 3000m sind. Und siehe da, ein Wolkenband löst sich auf und wir sehen den Berg von der anderen Seite nochmals, umgeben von Wolken. Fantastisch! 

Nach soviel Wetterglück fahren wir auf der guten Panamericana südwärts bis Tambo und übernachten bei einem Hostel. Doch vorher sehen wir den Wegweiser „zur Teufelsnase“. Eine berühmte Zugfahrt für Touristen führt zu diesem Ort. Wir zweigen ab und fahren zum Aussichtspunkt. Tatsächlich sehen wir die „Teufelsnase“, ein Berg an dem die für Touristen restaurierte Bahn entlangfährt und mit Zick-zack-Strecke an der steilen Felsnase vorbeiführt. Zufällig kommt ein Zug daher und wir steigen 340 Treppenstufen hinunter zu einem Mirador, um den Zug bei seiner Zick-zack Fahrt zu beobachten. Beat mogelt und macht nur 240 Stufen! Besonders das Hochsteigen macht mir dann mehr Mühe, befinden wir uns doch auf 3100m! Nur kurz fahren wir weiter und zweigen bei Biblian nochmals von der Route ab um die von weitem sichtbare Felskathedrale „Del Rocio“ zu besuchen. Steil, fast überhängend geht es hoch. Wir steigen aus und steigen wieder Treppen. Diesmal sind es lediglich 140, bis wir in der wunderschönen Kapelle ankommen, die zu Ehren der Jungfrau von Rocio angelegt wurde. Sogar Papst Johannes Paul ll. war 1985 hier!

 

Heute ist Kultur angesagt. Wir fahren wieder auf 3100m zu den Ruinen Ingapirca. Es sind die besterhaltenen Ruinen aus der Inkazeit in Ecuador. Die Cañaris erbauten die ersten Teile bereits um 800 n.Chr. bevor die Inka in die Gegend kamen und die Tempelanlage vergrösserten. Die strategische Bedeutung von Ingapirca ist unübersehbar. Die Anlage wird von Einheimischen gepflegt und der Eintritt erstaunt uns sehr. Ein Dollar für Pensionäre, und dies mit einem englischsprechenden Führer, der uns durch das sehr schöne Museum und die Anlage führt. Nach soviel Kultur geht es auf der Panamericana weiter bis Cuenca.

 

Hier möchten wir wieder einmal eine „Tour for Free“ machen. Aber leider stellt sich heraus, dass es nur einen Führer gibt, der viel auf spanisch und wenig auf englisch erklärt. Dazu ist die Gruppe sehr gross. So entscheiden wir uns selbst auf Entdeckungstour zu gehen. Uns gefällt die Stadt ausgezeichnet mit ihren vielen Kirchen und dem spanischen Einfluss. Zum ersten Mal treffen wir auch auf eine Demonstration in Ecuador, die an uns vorbei zum Ratshaus zieht. Die Leute sind sehr aufgebracht und so biegen wir in eine Seitengasse ab und essen bei Einheimischen ein superfeines Mittagessen mit Broccolisuppe, Poulet mit Salat und Reis, einem Baumtomatenjus (Jugo de Naranjilla, sehr lecker!) und Wassermelone zur Nachspeise. Und das für je 3 Dollar! Unglaublich!

 

Nun sind wir gespannt auf Guayaquil. Hoffentlich regnet es da nicht. Hier in den Bergen hatten wir vor allem nachts immer Regen. Unser Auto steht in einem Hostelparkplatz sicher hinter Mauern. So können wir gemütlich in die Stadt und der sehr schönen Uferpromenade entlangspazieren zum alten Teil von Guayaquil. Die bunten Häuser liegen am Hang und sind teileweise schön renoviert. Wir wollen an einem besonders schönen Ort eine Treppe, die mit Keramikplatten belegt ist, hochgehen. Aber die Einheimischen winken uns zurück. Zu gefährlich meinen sie, wir sollten die Treppe weiter unten nehmen. Das machen wir natürlich und merken schnell, dass das sicher besser ist. Hier hat es Touristen, hier hat es auch ganz viel Security. Schlussendlich steigen wir dann nicht alle Treppen hoch bis zum Leuchtturm, denn es ist sehr heiss und schwül. Zudem wollen wir noch Mittagessen gehen, um uns danach um 16.00 Uhr den Karnevalumzug anzusehen. Bis es dann soweit ist, setzen wir uns auf eine Bank an der Strasse und beobachten die Leute. Sehr interessant, ich könnte stundenlang so sitzen! Erstaunlich ist, dass eine halbe Stunde vor Beginn der Parade immer noch Autos am Strassenrand stehen und sogar noch Autos fahren. Wir fragen uns schon, ob da wirklich ein Umzug ist. Dann aber ertönt plötzlich unglaublich laute Musik aus den alle 10 Meter aufgestellten Lautsprechern und nach einer halben Stunde sehen wir von weitem den Umzug in unsere Richtung kommen. Die Wagen sind riesig, die hübschen Frauen sind auch nicht ohne und es wird getanzt was das Zeug hält. Leider beginnt es leicht zu nieseln, aber das macht gar nichts, auch wenn die Frauen sehr leicht bekleidet sind. Überall wird Schaum umhergespritzt und wir sind froh, dass wir nicht ins Visier genommen werden.

 

Unsere Zeit in Ecuador ist nach knapp 3 Monaten vorbei und wir fahren Richtung Grenze. Damit wir früh über die Grenze können, übernachten wir noch an einem Balneario mit Swimmingpool. Da Sonntag ist, hat es viele Leute, die aber am Abend nach Hause gehen. Danach gibt es eine letzte ruhige letzte Nacht im interessanten, abwechslungsreichen Ecuador, das uns sehr gut gefallen hat.   

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