28.05. bis 12.06.



Endlich sind wir bereit wieder zu unserem Auto nach Südafrika zu fliegen. Zwei Reisetaschen à 23kg stehen bereit, das Wichtigste ist im Handgepäck verstaut. Stress verursachten mir noch die Covidzertifikate aus der Schweiz. Diese Zertifikate können in den südafrikanischen Ländern nicht eingelesen werden. Deshalb muss man sie auf eine spezielle Website für Südafrika laden und erhält dann ein Zertifikat mit einem QR-Code der hier eingelesen werden kann. Ohne Probleme kann ich mein Zertifikat nach einer Anmeldung hochladen, ausdrucken und speichern. Für Beat muss ich ein weiteres Login erstellen mit einer anderen Mailadresse. Erst beim Ausdrucken stelle ich fest, dass aus Beat Beatrix gemacht wurde! Geht natürlich überhaupt nicht, denn das Zertifikat ist nur gültig mit dem Pass! Also versuche ich die Personalien auf der Website zu ändern. Geht nicht, immer wieder wird Beat zu Beatrix. Schlussendlich schreibe ich der Infoline auf der Website. Die Antwort: ändere den Vornamen auf der Seite mit den Personalien. Nochmals und nochmals versuche ich es. Beat gibt es einfach nicht! Schlussendlich, am Abreisetag lösche ich alle Einträge und hochgeladenen Dateien nochmals. Ich beginne von vorne mit allen Angaben und hoffe beim eingeben des Vornamens, dass er übernommen wird und nicht wieder automatisch Beatrix entsteht! Und siehe da, es klappt. Nun noch das Zertifikat hochladen, ausdrucken und speichern! Es kann losgehen! 

 

Der Flug ist ok, das Essen eine Katastrophe! Obwohl wir mehr bezahlt haben damit wir mehr Beinfreiheit haben, fehlt der Fernseher bei einem Sitz. So schlafe ich halt so gut es geht und wir erreichen Johannesburg morgens um ca. 7.30 Uhr. Das Gepäck ist auch da, das neue Zertifikat wird akzeptiert und eine Simkarte können wir ebenfalls kaufen. Und schon sitzen wir im Taxi zu unserem Auto.

 

Und da steht es! Gerhard hat es noch gewaschen und ein kleiner Campingplatz im Garten ist seit unserer Abreise erstellt worden. Wir packen die wichtigsten Sachen aus und dann fahren wir zum SPAR um Lebensmittel einzukaufen. Im SPAR kennen wir den guten Kaffee, die guten Teigwaren etc. Wir müssen auch noch tanken, damit wir wissen wie viele Kilometer wir fahren können. Dies weil unsere Tankanzeige noch immer nicht geht. Voll getankt können wir aber mindestens 1000km fahren! 

 

Am nächsten Tag wird noch fertig ausgepackt und abends lädt uns Gerhard zum Braii ein. Uns schmeckt es ausgezeichnet, wenn es nur nicht so kalt wäre! Um 18.00 Uhr geht die Sonne unter und es wird dunkel, Braii gibt es ab 18.00 Uhr. Am Tag wird es angenehme 20-22 Grad, herrlich, aber nachts sind wir froh, dass wir eine Heizung haben, denn hier in Johannesburg wird es 0-4 Grad.



Endlich fahren wir los Richtung Soweto (SOuthWEstTOwnship). Da haben wir einen Platz zum Campen bei einem Backpackerhostel gefunden. Super, nur die Anfahrt ist ein bisschen sehr eng, steil und kurvig! Aber wir schaffen es und geniessen am Abend im Restaurant ganz alleine ein einheimisches sehr leckeres Gericht. Am Morgen geht es dann auf eine 4stündige Tuktuk-Tour durch Soweto. Unser Führer Philip der in Soweto aufgewachsen ist und hier lebt, ist hervorragend. Er erklärt uns auch einige Pflanzen. Der Besitzer des Backpackerhostels hat in der Nachbarschaft mit den Einheimischen ein Projekt aufgezogen, indem die Anwohner Gemüse anpflanzen für den Eigengebrauch und auch zum Verkauf. Mitten in diesem Bereich sind noch kleine Hütten zum Mieten und der kleine Camping mit Küche und Sanitäranlage. 

 

Während der Fahrt führt uns Philip auch in Gegenden von Soweto in denen wir sehr viele Blechhütten antreffen. Die Strasse ist nicht geteert und teilweise fliesst das Abwasser auf der Strasse da die Abwasserrohre defekt sind. Die Blechhütten sind oft ausgebaut und es entstehen kleine Häuser mit schönen Vorgärten. Jedes Haus hat im Vorgarten fliessendes Wasser. Elektrizität wird einfach an den Hauptleitungen illegal abgezapft. So sehen wir auch viele Satellitenschüsseln. Toiletten sind an vielen Orten nur als Gemeinschaftstoiletten entlang der Strasse vorhanden. Gleich neben diesen Quartieren wurden vor der Weltmeisterschaft 2010, grosszügig hunderte Wohnungen mit Toiletten, fliessendem Wasser usw. erbaut. Absicht war diese Wohnungen für ca. Fr. 60.- pro Monat an die Bewohner dieser Siedlungen zu vermieten und anschliessend die Siedlungen abzureissen. Das Problem ist, dass einige Leute tatsächlich Fr. 60.- bezahlen können pro Monat, dass aber viele Leute arbeitslos sind und das für diese unmöglich ist. In den Siedlungen leben aber Communities die gewachsen sind und zusammenhalten. Würde nämlich einer ausziehen, würde er von den anderen nicht mehr akzeptiert und ausgegrenzt! Und so stehen in unmittelbarer Nachbarschaft von ganz üblen Slums über 1000 Wohnungen seit 12 Jahren leer hinter Gittern und verwildern!

 

Unterwegs halten wir bei einer Blechhütte in der typisches Essen gekocht wird für die Einwohner: weisser Mais mit kleinen Rindstückli. Man wäscht sich die Hände und isst mit den Fingern. Der Mais wird in der Hand zu „Bällchen“ geformt, in der scharfen Sosse getuncht und dazu gehört ein kleines Rindsstückli. Lecker! Wir stehen mit den Einheimischen um einen kleinen Tisch und essen mit!

 

Ein beeindruckendes Projekt stellt Philip uns danach vor. Fische werden gezüchtet und das Wasser mit dem Kot der Fische ist Dünger für das Gemüse das nebenan in Hochbeeten in Kieselsteinen angebaut wird. Das Wasser wird in einem Kreislauf zum Gemüse und wieder zurück zu den Fischen gebracht. Dass es das in der Schweiz gibt ist klar, aber in Soweto!

Natürlich gibt es in Soweto auch die „besseren“ Viertel. Dazu gehört das Quartier in dem Nelson Mandela lebte oder Desmond Tutu. Wir besuchen die Häuser und Philip erzählt uns dazu viele Geschichten. Auch über die 2. Ehefrau von Nelson Mandela, Winnie Mandela. Sie wohnte nach der Scheidung in einem grossen Haus, ebenfalls in Soweto. Unklar ist wie sie zu dem vielen Geld kam. Die ANC Flagge (African National Congress) flattert vor ihrem ehemaligen Haus. Philip erzählt uns, dass er eines Tages mit Touristen im Tuktuk vor dem Haus stand und Winnie Mandela aus der Einfahrt fuhr. Sie stieg aus und begrüsste alle herzlich! 

 

Auch das Denkmal vom 16. Juni 1976 sehen wir. Die Geschichte dazu ist traurig. SchülerInnen organisierten hinter dem Rücken von Lehrkräften und Eltern eine Demonstration an diesem Tag. In Schuluniform zogen mindestens 15000 SchülerInnen los um für gleiche Bildung wie die Weissen zu demonstrieren. Das grosse Polizeiaufgebot ging mit Hunden auf die Demonstrierenden los und schoss in die Menge. Dabei kamen 24 Kinder ums Leben.

 

Nachdenklich macht uns die Geschichte mit den Apolloleuchten. Während der Apartheid erstellte man in Gegenden mit „Schwarzen Leuten“ diese riesigen Antennen. Wenn sie abends angingen durften die Leute nicht mehr auf die Strasse! Seither fällt uns auf, dass auch in anderen Gegend des Landes diese Leuchten noch immer stehen in Gebieten wo vor allem die „Schwarzen“ wohnen!

 

Zum Schluss der Tour gibt es am Nachmittag nochmals ein feines einheimisches Essen. Ein eindrücklicher, erlebnisreicher Tag!



Unser nächstes Ziel ist der grösste buddhistische Tempel in ganz Afrika. Der Nan Hua Tempel (Blumen im Süden) wurde 2005 auf einem riesigen Gelände von über 18000 Hektar eröffnet. Wir sind die einzigen Besucher in diesem imposanten Bau und es fühlt sich tatsächlich so an wie in der verbotenen Stadt in Peking. Der Tempel gehört zum Buddhisten Orden des Master Hsing Yun, der 1952 in China gegründet wurde.

 

Nun sind wir unterwegs nach Hoedspruit zu unserer Werkstatt für den Autoservice. Bei der Nissan erkundigen wir uns nach einem Schwimmer für die Dieselanzeige. Unglaublich, aber in ganz Südafrika ist keiner erhältlich! So fragen wir bei unserer Werkstatt ob ev. bei einem Abbruchhändler ein solcher zu erstehen sei. Schlussendlich verspricht uns der Chef sich auf die Suche zu machen, sodass hoffentlich in einer Woche, beim Servicetermin ein solcher vor Ort ist. 

 

Danach fahren wir in die Nähe des Krügerparks und am nächsten Tag in den Krügerpark. Unglaublich, es ist Nebensaison, aber die Campingplätze sind voll! Das haben wir letztes Mal in der Highseason so nicht erlebt! Aber wir sind glücklich, erhalten wir doch zwei Nächte in Skukuza. Unterwegs zum Camp sehen wir viele Elefanten und natürlich auch weitere Tiere. Die Löwen etc. sparen wir uns für später auf. Leider kommen wir erst kurz vor Dunkelheit im Camp an da wir einen 40km langen Umweg wegen gesperrter Piste fahren müssen. Und siehe da, das Camp ist voll und so finden wir in der Dunkelheit keinen Platz. Ich steige aus und frage einen Südafrikaner ob er sich auskenne und ev. wisse wo es noch Platz hat. Kurzerhand steigt er zu Beat ins Auto, ich hinten ins Stübli und siehe da, er findet für uns einen Platz mit Stromanschluss! Einfach super!

 

Todmüde fallen wir ins Bett und morgens um 6.00 Uhr stehen wir auf. Los geht es ohne Frühstück während eines herrlichen Sonnenaufgangs auf die Piste. Unterwegs essen wir Frühstück und später auch Mittagessen. Ein langer, aber schöner Tag geht zu Ende. Wir sind früh im Bett, aber leider lassen uns „nette“ Nachbarn bis Mitternacht nicht so richtig schlafen! Am Morgen dann nochmals um 6.00 Uhr aufstehen und auf Pirschfahrt! Nach dem Mittagessen das wir im Stübli auf einem öffentlichen Platz einnehmen, steigen wir dann aus. Ich gehe nach vorn, Beat will um das Auto auf die Fahrerseite. Da ruft ihm jemand zu und er begreift nicht so schnell. Schaut kurz ums Auto und da direkt in die Augen einer Hyäne, die 3m vor ihm am Auto steht! Er ruft mir zu „Achtung Hyäne, steig ein!“, dann ruft er „bring den Fotoapparat“. Ich schaue mich um in der Meinung, dass eine Hyäne etwa 10m weiter im Gras ist. Aber ich sehe nichts und gehe mit dem Fotoapparat hinter das Auto. Da steht die Hyäne etwa 5m vor mir! Beat hat einen Stein in der Hand und wirft diesen, ich versuche ein Foto zu machen! Die Hyäne bewegt sich und wird am Kopf getroffen. Dann trottet sie als wäre nichts geschehen von dannen. Und dies auf einem öffentlichen Parkplatz mit vielen Leuten!

 

Am Abend fahren wir auf den Golfclub-Camping den wir von der letzten Reise kennen ausserhalb des Parks. Hier wollen wir einen Tag ausschlafen, schreiben, einkaufen, waschen etc. Haushalt muss halt auch sein! 

 



Heute sind vor allem die drei Nashörner die vor uns über die Piste „springen“ ein Highlight. Wir haben kaum Zeit zum Fotografieren bis sie im dichten Gestrüpp wieder verschwinden. Lustig ist auch die Paviankolonie mit etwa 100 Tieren die die Strasse entlang laufen und alles blockieren. Und dann die Eule, die uns aus dem Busch beobachtet! Es hat viel Wasser im Park und so sind die Wasserlöcher nicht sehenswert. Das hohe Gras ist ebenfalls schwierig, denn die Tiere verstecken sich dahinter. Aber in Flüssen und Dämmen sehen wir viele Nilpferde die sich genüsslich im Wasser bewegen. Im dichten hohen Gras suchen wir noch immer die Löwen und Leoparden. Schwierig sie zu sehen!

 

Ein herrlicher Sonnenaufgang um 6.30 lässt auf einen schönen Tag hoffen. Gleich zu Beginn begrüsst uns ein Büffel wiederkäuend am Strassenrand. Wir beeindrucken ihn überhaupt nicht. So können wir 1m neben ihm stehen bleiben und durch das offene Fenster schaut er uns treuherzig an. Heute sind es die Zebras die einen kleinen Verkehrskolaps verursachen, weil sie nicht von der Strasse wollen.

 

Wieder begrüsst uns am Morgen ein Tier am Strassenrand. Diesmal ist es eine Hyäne die sich nicht bewegt und so können wir bis an einen Meter an sie ranfahren. Da schaut sie uns tief in die Augen! Und am Nachmittag endlich! Löwen! Über 10 Stück liegen vollgefressen im Gras und bewegen sich kaum! Und später sehen wir noch Tierohren im Gras! Was ist dann das? Endlich, es hebt ein wenig den Kopf und siehe da, wir sehen einen Leoparden der sich im hohen Gras ausruht! 

 

Nun ist unser letzter Tag im Krüger. Da ist vor allem die tolle Morgenstimmung um 6.30 Uhr mit den Nebenschwaden ein besonderes Ereignis, einfach fantastisch! Wir fahren aus dem Park und wollen im nächsten Camping gleich nach dem Parkeingang übernachten. Aber leider ist er voll! Wir wussten nicht, dass diese zwei Wochen in Südafrika Ferienzeit ist und die Nationalparks besonders für einheimische Senioren Sonderpreise in Aussicht gestellt haben. Deshalb sind die Parks auch so voll! Die Rezeption empfiehlt uns einen Camping etwa 110km entfernt und ruft an ob noch Plätze frei sind. So müssen wir wohl oder übel noch so weit fahren. Zum Glück ist dieser Camping wirklich toll und dazu extrem billig. Wir können mit den Waschmaschinen waschen und ein bisschen relaxen bevor wir morgen früh zum Service für unseren Nissan fahren.