____________  5. August - 16. August

____________  16. August - 29. August

____________  29. August - 9. September

Cusco - Caral

Vor 39 Jahren waren wir das erste Mal in Peru. Unsere Reise ging zuerst mit einem normalen Zug von Lima über einen Pass von 5000m nach Huancayo auf 3400m. Wir waren die einzigen Touristen und fuhren 1. Klasse auf Holzbänken! Dies ist heute nur noch mit einem bequemen Touristenzug möglich. Für die Weiterreise benutzten wir öffentliche Busse die tagelang auf ungeteerten kurvenreichen Strassen, über schmale „Brücken“ aus Holz und ohne Geländer, bergauf, bergrunter uns an die nächsten Ziele Ayacucho und Cusco brachten. Meistens waren wir die einzigen Touristen. Bei jedem Dorfeingang mussten wir aussteigen und uns bei der Polizei registrieren lassen. Die Busfahrer kauten fleissig Cocablätter damit sie während den 10 – 12 stündigen Fahrten (erst dann wurde der Fahrer ausgewechselt!) nicht einschliefen. Unsere Tickets, fein säuberlich ausgestellt auf einen Sitzplatz waren leider nicht immer gültig. Einmal sass doch eine Indiofamilie auf unseren Sitzplätzen. Sie zeigte mir ihr Ticket, auf dem tatsächlich die gleiche Sitznummer stand! Ein Missionar klärte uns dann auf, dass unser Ticket erst nach der Hälfte der Fahrt Gültigkeit hätte, d.h. nach 12 Stunden! Er meinte, wir sollen uns im Mittelgang zwischen Gemüse, Früchten und Hühnern einen bequemen Platz suchen oder noch besser, uns ganz vorne auf den Mittelmotor setzen. Dort war es nachts, bei Aussentemperaturen um die 0 Grad wenigstens warm. Während wir draussen unsere Rucksäcke auf den Dachträger luden, verschwand doch urplötzlich unsere Kameratasche unter einem weiten Rock einer Indiofrau. Was machen? Nichts natürlich, wir waren die einzigen Ausländer mit 100 Einheimischen! So setzte ich mich frustriert ganz vorne auf den Mittelmotor in Fahrtrichtung, Beat hinter mich quer zur Fahrtrichtung. Es war abend, dunkel und der Vollmond schien. Das Problem: Der Fahrer sass hinter uns, d.h. ich musste alle 5-10 Minuten mit einem Lappen die Scheiben putzen die anliefen, damit er etwas sehen konnte. Dann war das Tonband mit lauter Musik direkt neben unserem Kopf. Eine Kassette Beatles und eine Kassette peruanische Musik! Und das stundenlang! Und dann die schmalen nicht asphaltierten Strassen! Und die Brücken ohne Geländer! Ich sah jeweils den Abgrund, wenn der Fahrer auf die Brücke einschwenkte. Die Strassen, d.h. Pisten führten jeweils in Serpentinen stundenlang den Berghängen entlang, sodass wir das letzte Dorf jeweils nach 3 Stunden noch immer sahen! Die schmalen Pisten führten dazu, dass es einem fast schwindlig wurde, denn die Bergflanken waren sehr steil! Schlussendlich vergingen die 12 Stunden und wir fielen todmüde in unsere Sitze. Jeweils nach etwa vier Stunden gab es einen Stopp bei einem Restaurant. So auch ca. 6 Stunden vor Cusco. Im kleinen Beizli assen wir das Einzige was es gab, dünne Suppe mit Kartoffeln und einem undefinierbaren Fleischstück. Aber wieso geht es nicht weiter? Schlussendlich stellte sich heraus, dass der Fahrer sich weigerte weiter zu fahren und nachts in Cusco anzukommen. Dies weil die Lehrer streikten. Zufällig sassen 3 Schweizer im Bus, sodass Beat mit ihnen einen Jass machte.  Ich zog mich in den Bus zurück um zwischen den Hühnern und den Einheimischen auf meinem Sitz zu schlafen! Gegen Morgen ging dann die Fahrt weiter. Je näher wir Cusco kamen, umso öfters mussten die Männer aussteigen um Strassenblockaden mit Steinen wegzuräumen.

 

Wie erleben wir Peru im Jahr 2017? In Cusco streiken die Lehrer. Seit 2 ½ Monaten sind die Schulen geschlossen! Auf der Fahrt Richtung Norden erleben wir 2x streikende Dorfbewohner die ganz einfach die Strasse blockieren mit ihren Transparenten. Das dauert dann jeweils ½ bis 1 Stunde. Geändert haben sich in diesen Jahren die Transportmittel. Doppelstöckige Busse kurven auf den schmalen, nur teilweise geteerten Strassen umher, schneiden jede Kurve und fühlen sich als Könige der Strassen! Ebenso die Lastwagen, auch sie sind natürlich die Stärksten! In den Dörfern gibt es viele Tuck-tucks. Sie gefallen mir sehr, träume ich doch seit Jahren von einem Tuck-tuck für zu Hause! Zudem gibt es tausende Kollektivos, die natürlich die Strecken kennen und wie die Wilden fahren und überholen! Wenn die Piste oder Strasse dann einspurig ist und wir vor ihnen stehen sind sie jeweils sehr erstaunt. Wir erwarten nämlich, dass sie mit dem kleineren Fahrzeug zurücksetzen! Was sich auch geändert hat sind die vielen Bumps. Wir hassen sie! Wie kann man auf einer schlechten Piste die steil bergan führt noch Bumps machen? Man fährt sowieso im Schritttempo. Wir müssen dann jeweils in den Low Gear schalten. Heute sind vor allem im touristisch relativ gut erschlossenen Teil Perus, im Süden, viele Strassen geteert mit Mittelstreifen. Aber noch immer geht es bergauf und bergab, in tausenden von Kurven, mit tausenden Bumps, stundenlang. Täglich fahren wir mehrmals über Pässe von 4200 – 5000m und staunen, dass auch oberhalb 4000m noch Dörfer liegen und dort vor allem Kartoffeln wachsen. Es gibt über 20 Sorten Kartoffeln hier, die wir jeweils in den farbenprächtigen Märkten bestaunen. Beim Einkauf fragen wir uns jeweils welche Kartoffel für Rösti geeignet ist! In den Dörfern wird nach wie vor viel mit Eseln transportiert und die Frauen sitzen auch in den Märkten in der Stadt bei ihrer Ware und stricken oder spinnen mit Handspindeln. Jedesmal wenn wir wieder in ein Tal kommen staunen wir wie mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen, die teilweise noch von den Inkas stammen, die kleinen Felder bewässert werden. In dieser Jahreszeit wird überall angepflanzt aber teilweise auch noch geerntet. Schöne kleine Felder die bis über 4000m bewirtschaftet werden, teilweise in extremer Steillage. Und dies an den vielen Hängen alles von Hand! Vor allem an Sonntagen treffen wir an den Plaza des Armas öfters auf Feste. Es wird getanzt, die Frauen in ihren farbenfrohen Kleidern, es wird aber auch sehr viel Alkohol getrunken! Die Strassen führen auch immer mitten durch die kleinen Dörfer.

 

So fahren wir auf der 3S von Cusco nach Andahuaylas und weiter bis Ayacucho. Die Strassenführung ist wie vor 39 Jahren und nur 1/3 davon ist geteert. Wir übernachten hier bei der Ausgrabungsstätte der Houari die vom 6. - 12. JH. im Andengebiet lebten, also vor den Inka. 

 

Reisefreunde von uns beschreiben die nächste Strecke als Sahnehäubchen. Wir sind der gleichen Ansicht, nur geht das Sahnehäubchen ab hier bis an die Grenze zu Equador. Wir fahren über eine einspurige, geteerte Strasse nach Licray. Zum ersten Mal ist die gefahrene Strecke 3x so lang wie die Luftlinie und wir haben eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 30km/h! Traumhafte Gegend, aber anstrengend! Mir geht es den ganzen Tag nicht besonders gut und Beat muss fahren. Abends dann habe ich Durchfall und Beat holt mir am Markt noch Bananen und Coca Cola. Nicht viel besser geht es mir am nächsten Tag, ich kann trotz Medikamenten nichts essen. Trotzdem geniessen wir die beschwerliche Fahrt nach Huancayo. Tausend Kurven, schmale Pisten und zu Beginn nach Lircay eine Umfahrung da die Strasse geteert wird. Für diese Umfahrung gibt es lediglich einen Wegweiser, das muss genügen! Wir fahren durch Dörfer und finden auf unserem Navi keine Strasse mehr, sodass wir alle Leute die wir antreffen nach dem Weg fragen. Nach ca. 10km holprigem Weg erreichen wir wieder die geteerte Hauptstrasse. Schlussendlich übernachten wir bei einer Tankstelle vor Huancayo sehr ruhig.

 

Weiter geht es bis nach Tarma, eine geschäftige Stadt und viel Landwirtschaft im engen Tal. Da wissen wir von der Estanzia La Florida, die von ehemaligen italienischen Einwanderern geführt wird. Und wirklich, im Hof der Estanzia können wir für 3 Nächte bleiben und ich kann meinen Durchfall auskurieren. Wir geniessen die Ruhe hier. Am Morgen kurz bevor wir abfahren klagt Beat wegen Durchfall. Sollen wir weiter oder nicht? Er meint weiter! Na also, jetzt bin ich am Fahren. Weil die Gegend in den Bergen so traumhaft schön und die Strecke so kurvenreich ist, kann ich nicht müde werden. Ich merke erst am Abend in Ambo, wie anstrengend die Fahrt war, obwohl die Strasse hier geteert ist. Trotzdem schaffen wir nicht mehr wie 40km/h.

 

Beat geht es leicht besser und so fahren wir am nächsten Tag weiter. Was heute kommt ist extrem und wäre da nicht die tolle Landschaft, wir hätten schon lange aufgegeben und wären an die Küste gefahren. Da Beat noch nicht sehr fit ist, fahre meistens ich. Zuerst auf der 3N nach Quivilla und weiter bis Huansala. Die vielen extremen Regenfälle im Frühjahr haben viele Pisten weggespült oder sie sind in einem desolaten Zustand. Deshalb wird überall gebaut. Einmal müssen wir 1 ½ Stunden warten, denn eine Baumaschine (so eine eierlegende Wollmilchsau) versperrt die Durchfahrt. Sie graben quer über die Strasse einen Graben und legen ein grosses Wellblechrohr hinein und schütten ihn anschliessend wieder zu. Kaum bedeckt, rollt schon wieder einspurig der Verkehr.

In Huansala verzweigen zwei geteerte Strassen.  Wir fragen einen Bauarbeiter welche der beiden Richtungen die Bessere ist. Er erklärt uns, dass auf die eine Seite ein Tunnel ist der mindestens eine Stunde wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Auf die andere Seite sind es 50km bis nach San Marcos, alles geteert. Na also, hier auf über 4000m wollen wir nicht übernachten und so beschliessen wir noch eine Stunde zu fahren und in San Marcos auf 2900m zu übernachten. Herrlich, wie eine Autobahn führt die neue Strasse durch eine einmalige Berglandschaft. Wir sind immer über 4000m und die Gipfel sind bis zu 6000m hoch.  Alles wirkt riesig! Und plötzlich ist die Mine da – ebenfalls riesig. Einfach unglaublich riesig sind auch die Abfallhalden und vor allem der See mit all dem Gift. Wir werden um den See geleitet und stellen fest, dass wir zwar 50km auf tollen Strassen gefahren sind aber uns immer noch über 4000m befinden. Was hat der Strassenarbeiter uns für einen „Mist“ erzählt. Ab jetzt führt eine Piste dem giftigen See entlang, dann geht es über einen Pass von 4700m und anschliessend in tausend Serpentinen steil runter ins Tal. Das Schlimme ist, dass es einnachtet. Das erste Mal in Südamerika fahren wir nachts. Und da kommt noch ein Dorf mit einer ausgefahrenen Piste, eng und ohne Licht! Endlich in San Marcos angekommen wollen wir beim Hauptplatz übernachten. Auf dem Weg dahin fährt ein Laster vor uns und hält plötzlich an. Er entlädt doch tatsächlich Holz auf die Strasse! Dies bedeutet, dass wir im Dunkeln rückwärts aus der engen Gasse auf die Hauptstrasse fahren müssen. Hier finden wir an einer Tankstelle ein ruhiges Plätzchen.

 

Nach nur wenigen Kilometern erreichen wir Chavin de Huantar, wo wir die Ruinen der Chavinkultur besichtigen. Das ist eine Kultur, die vor den Inkas die Region beherrscht hat und einen riesigen Ruinenkomplex hinterlassen hat. Die Anlage ist auf der Liste des Weltkulturerbes und wird durch schweizer- und peruanische Archäologen untersucht und durch das Zürcher Riedbergmuseum und andere Institutionen finanziell unterstützt. Die Ruinen liegen sehr abgelegen und sind auch noch nicht so bekannt, dadurch sind wir bei der Besichtigung fast alleine auf dem Gelände.

 

Nur kurz ist dann die Fahrt nach Huarez und wir übernachten auf einem Hotelvorplatz. Wir bleiben 2 Nächte und erholen uns von den anstrengenden Fahrten. Aber dann wollen wir zu den Riesenbromelien. 30 km geht es auf guter Strasse bis auf 4200m. Da treffen wir auf den kleinen Wegweiser der zu den Bromelien führt. Eine anständige Piste führt dem Berg entlang bis auf über 4700m. Wir haben eine prächtige Aussicht auf die Cordillera Blanca. Diese Bergkette ist 160km lang und der höchste Berg von Peru, der 6768m hohe Huascaran mit seinen riesigen Gletschern liegt in seiner ganzen Pracht vor uns. Fantastisch. Aber auf unserer Piste gibt es Abzweigungen und so müssen wir 2x nachdem Weg fragen. Ein Polizeiauto begegnet uns auch und die Beamten helfen uns weiter. Endlich nach 30km sehen wir diese seltenen Riesenbromelien, das grösste Ananasgewächs. Zu hunderten stehen sie da und wir bestaunen ihre schiere Grösse. Der Blütenstand ist ca. 6m hoch, viele Pflanzen sind über 10m hoch. Die Bromelie braucht 50 bis 100 Jahre bis sie blüht, dabei verbraucht sie so viele Nährstoffe, dass sie danach abstirbt. Die Bromelie ist vom Aussterben bedroht und kommt nur noch an einigen Standorten in Peru und in Bolivien in Höhen um 4000m vor. Wieder auf der Hauptstrasse fahren wir nicht mehr weit und treffen im Camping auf Reisefreunde, Jeannette und Pascal, ebenfalls aus dem Kanton Zürich! Gemeinsam kochen wir und verbringen einen gemütlichen Abend. 

Homepage Übersetzung
Besucherzaehler

In Südamerika unterwegs seit:

Tagen