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Medellin - Popayan

Jeden Tag erleben wir mindestens einmal Regen oder ein Gewitter. Deshalb sind die Strassen nass und oft nur einspurig befahrbar, da ganze Berghänge auf die Strasse abrutschen. Oder dann fehlt eine Fahrspur, da die Strasse abgerutscht ist. Heute fahren wir weiter zum Piedra del Penol, einem 200m hohen Felsen, der an einem Stausee liegt. Schon von weitem sehen wir den schwarzen Monolith. Sollen wir da wirklich die 734 Stufen hochgehen? Hält das mein Knie aus? Schlussendlich entscheiden wir uns es zu versuchen. Ich staune, denn wir sind nicht die Langsamsten, die Kolumbianer haben da sehr viel mehr Mühe. Nur die jungen Leute aus Europa, und deren hat es etliche, überholen uns. Endlich oben angekommen haben wir eine tolle Aussicht über den Stausee mit den vielen Verästelungen und Inseln. Alles ist herrlich grün, einfach fantastisch. Schneller geht es dann die Treppen runter, obwohl meine Knie da nicht besonders Freude daran hat! Endlich geschafft treffen wir unten noch auf ein Paar aus der Schweiz, Esther und Martin. Wir plaudern lange miteinander und fahren dann ins nahe gelegene Guatapé zum Mittagessen. Das Touristendorf gefällt uns sehr mit seinen bunten Häusern. Abends finden wir einen Stellplatz in der Nähe von Medellin und fragen den Besitzer nach einer Nissan Werkstatt. Ein unangenehmes Geräusch bei den Bremsen macht uns seit Tagen Sorge, und Beat hat nicht herausgefunden was es ist.

 

Wir haben Glück und können am nächsten Tag hinter unserem Stellplatzbesitzer nach Medellin fahren zur Werkstätte. Wir parken auf der Strasse und hoffen, dass der Chef trotz voller Werkstätte Zeit für uns findet. Nach kurzer Wartezeit wird eine Probefahrt gemacht, das Auto in die Werkstatt gefahren und aufgebockt. Vorne rechts wird das Rad demontiert und da fehlt doch tatsächlich eine Schraube am Bremszylinder. Dadurch hat sich der Zylinder bewegt und hat ab und zu an der Felgeninnenseite gestreift. Damit die richtige Schraube von einem Mitarbeiter per Motorrad in der Ferreteria geholt werden kann, wird kurzerhand auf der linken Seite die Schraube ausgebaut. Es dauert nur 2 Stunden und wir sind wieder fahrbereit. Aber zuerst wollen die Arbeiter noch unser Häuschen sehen. Der Chef freut sich so sehr, dass er partout kein Geld will für die geleistete Arbeit und die Schraube. So fahren wir winkend los und staunen wieder einmal über die gastfreundlichen Kolumbianer.

 

Unterwegs Richtung Süden passiert es wieder einmal! Wir interpretieren das Navi falsch und müssen deshalb eine scharfe Rechtskurve auf einer Kreuzung machen mit einer unglaublichen Steigung. Mitten auf der Kreuzung bleibe ich stehe, der Motor ist abgestorben und ist nicht wieder zu starten, nichts geht mehr! Was ist denn das? Wir steigen aus, Beat öffnet die Motorhaube und sieht nichts. Ich schaue wie wir irgendwie von dieser Kreuzung mit sehr viel Verkehr wegkommen. Schlussendlich stehe ich mitten auf die Strasse und versuche den Verkehr zu stoppen damit wir rückwärts in eine Tankstelle rollen können. Nicht ganz einfach, denn die Bremse und das Lenkrad funktionieren schwer ohne laufenden Motor. Irgendwie sind wir für einmal wirklich gestresst! Doch der Tankwart zeigt sofort auf die Batterie und da macht es bei Beat klick, er holt den Kontaktspray und Werkzeug, dann wird die Klemme am +Pol eingesprüht und wieder festgezogen. Siehe da, alles funktioniert wieder!

 

Auf der Weiterfahrt zwischen Medellin und Manizales erleben wir dann eine sehr anstrengende Panamericana. Erdrutsche und fehlende Strassenseiten, aber auch Baustellen mit langen Wartezeiten sind die Ursache dafür, dass wir für 100km 4 Stunden brauchen. Bei einer Tankstelle essen wir im Beizli daneben fein geschnittenen Schweinsbraten der am Feuer niedergegart wurde und übernachten hier.

 

Bis Manizales ist es am nächsten Morgen nicht weit und wir können unser Auto auf einen bewachten Parkplatz auf der anderen Bergseite stellen. Mit einer Gondelbahn fahren wir dann auf die andere Talseite ins Stadtzentrum. Besser geht es nicht! Wir spazieren auf der Hauptstrasse, die wie eine Fussgängerzone angelegt ist bis zum Hauptplatz. Hier steht die Kathedrale die nach Erdbeben und Feuer das dritte Mal neu aufgebaut wurde. Die Fassade aus Beton ist nicht besonders schön, dafür sind die Glasfenster eine Augenweide. Im Obergeschoss gibt es sogar ein Kaffeehaus. Wir spazieren aber zurück, denn wir haben das Café Suizo entdeckt und geniessen hier je 2 Crèmeschnitten mit einem vorzüglichen Kaffee! Wie überall in Kolumbien gibt es dutzende Weihnachtsläden die ausschliesslich Weihnachtsdeko verkaufen! Viel Kitsch, viel bling bling, eben amerikanisch!

Wir fahren noch bis zu einer Kaffee-Finca und treffen da auf ein Zürcher- und ein Waadtländerauto. Endlich wieder einmal andere Reisende! Die Führung am nächsten Tag ist einfach sehr gut! Während ca. 4 ½ Stunden erhalten wir eine Einführung zur Kaffeeproduktion in Kolumbien, testen Kaffee, lesen selber Kaffeebohnen und erfahren wie die Kaffeepflanzen angebaut und gepflegt werden. Wir wissen jetzt, dass der dunkle Kaffee eine Zuckerschicht um die Bohne hat damit die Bohne braun wird beim Rösten. Zudem erfahren wir weshalb der Kaffee sauer, bitter oder eben gut schmeckt. Eine richtige Wissenschaft!

 

Wieder einmal regnet es und so bleiben wir einen Tag länger um vieles zu erledigen. Dann aber scheint die Sonne und wir fahren nach Salento zu den Wachspalmen. Leider regnet es abends wieder, wir aber geniessen den Abend mit Esther und Martin, die wir vor wenigen Tagen kennen gelernt haben, bei einem feinen indischen Curry.

 

12 Stunden hat es nicht mehr geregnet und die Sonne drückt durch den Nebel. Deshalb fahren wir los Richtung Toche auf einer Piste die nicht auf unserer Karte ist. Es ist immer noch nass und der viele Regen hat tiefe Rinnen in die Piste gefressen. Nach etwa 1 Stunde treffen wir auf einen Willy- Jeep (diese elende Karre kennt Beat noch aus dem Militär!) mit Touristen die hinten quer zur Fahrtrichtung sitzen. Sie stecken im Schlamm fest! Die deutschen Touristen müssen aussteigen und die Stelle zu Fuss umgehen, damit der Fahrer durch diese Schlammpfütze durchfahren kann. Wir passieren die Stelle ohne Probleme und nach einigen Kilometern treffen wir sie wieder an. Sie sind erstaunt, dass wir die letzte Passage heil überstanden haben und stehen ratlos da, denn ihr Fahrzeug steckt fest! Schlussendlich ziehen wir das Fahrzeug rückwärts raus und der Fahrer bedankt sich sehr. Pistenarbeiter die uns eingeholt haben wollen vor uns die Löcher auffüllen, damit wir problemlos durchkommen sollten. Aber Beat winkt ab und meint „no problema“. Die Arbeiter sind sehr skeptisch, ist doch unser Fahrzeug viel schwerer und grösser. Aber siehe da, in einem Zug fährt Beat die Strecke durch. Die Einheimischen staunen! Die Piste ist teilweise gut, teilweise voller Schlamm und hat tiefe Rinnen vom Regen. Entschädigt für die nicht ganz einfache Fahrt werden wir von der tollen Fauna, den Blumen, den Bäumen und dem Nebel der allem einen mystischen Ausdruck gibt. Und dann plötzlich sehen wir sie, die Wachspalmen! Die haben wir gesucht und gefunden! Was für ein Anblick! Einzeln, aber auch wie Wälder stehen sie teilweise blühend vor uns. Der Hammer! Die Wachspalmen können bis zu 60m hoch werden und zählen damit zu den Grössten der Welt. Sie wachsen auf einer Höhe von 1800m – 2500m. Auch sehen wir immer wieder Kolibris, die kleinsten Vögel der Welt. Für die 65km brauchen wir ganze 5 Stunden. Zum Glück sind wir früh aufgebrochen.

 

Da es erst Mittag ist, fahren wir weiter. Doch die Hauptstrasse die nach Bogota führt ist eine Katastrophe. Lastwagen an Lastwagen, die mit 15km/h die kurvige Strasse hoch und runter fahren über einen Pass nach Armenia. Einmal bleibe ich in einer steilen Kurve stecken, und ich komme im 1. Gang nicht weg. Rechts und links fahren die Lastwagen an mir vorbei bis ich die Untersetzung eingeschaltet habe und wieder losfahren kann. Zum Glück sind die Kurven sehr breit, denn die überlangen Ami- Laster müssen jeweils sehr ausholen. Abends finden wir dann kaum einen Übernachtungsplatz und so stellen wir uns todmüde nach einem ereignisreichen Tag einfach an den Strassenrand.

Die Nacht ist trotzdem ruhig und am Morgen fahren wir nach Buga und stellen uns in einen Park. Kaum stehen wir da, stoppen zwei Polizisten auf einem Motorrad und begrüssen uns. Wir plaudern, hier hat auch die Polizei noch Zeit. Auch von den Joggern werden wir angesprochen, einige möchten das Womo sehen, und so kann ich kaum schreiben, da ich immer wieder unterbrochen werde. Aber was soll`s, die Begegnungen sind interessant. Abends, es ist schon dunkel, wir haben die „Vorhänge“ geschlossen, klopft es an die Türe. Unsere zwei Polizisten stehen draussen und bringen uns doch tatsächlich zwei riesige Früchtecocktails mit Kiwi-Eis obendrauf! „Welcome in Colombia“ die Polizei dein Freund und Helfer! Auch eine junge Kolumbianerin kennt nichts und klopft abends um 21.30 an die Türe. Sie möchte unser Womo sehen! Die Nacht ist dann zum Glück ruhig. Am Morgen spricht dann plötzlich jemand Schweizerdeutsch draussen. Ein Mann, der vor 10 Jahren ausgewandert war erzählt uns von Buga und der Umgebung. Anscheinend sollen hier wieder vermehrt Tote zu verzeichnen sein wegen den Rebellen!

 

Wir fahren Richtung Pazifik nach San Cipriano auf einer ausgezeichneten doppelspurigen Strasse. Nur ein kleiner Abschnitt ist einspurig. Für die Laster mit ihren Containern ein Traum! Auch die vielen neuen Tunnels, die sogar beleuchtet sind geniessen wir. Je näher wir der Küste kommen umso mehr Afrokolumbianer gibt es. Auch in dieser Gegend sollen wieder vermehrt Rebellen aktiv sein. Wir parkieren in San Cipriano, beim „Bahnhof“. Von hier fahren die Mototaxi auf der ehemaligen Bahnlinie ins Dorf. Ca. 10 - 15 Minuten dauert die Fahrt und ist sehr abenteuerlich. Das Motorrad treibt das Gefährt an, das Platz bietet für 5-6 Personen. Auf der Rückfahrt waren wir 8 Leute! Es giert und knirscht und ab und zu fürchte ich, dass der Wagen von den Gleisen kippt! Wir kommen aber gut an im Dorf, machen einen Spaziergang und essen Fisch im kleinen Beizli. Ein Abenteur der besonderen Art! In Cali verpassen wir einen Abzweiger und nerven uns. Das Navi führt uns senkrecht den Berg hoch auf Betonplatten und durch enge Gassen, 18km bis zu unserem Stellplatz. Zu spät kontrollieren wir den Weg, er wäre viel einfacher gewesen! Schlussendlich erreichen wir unseren Stellplatz der dann auch noch sauteuer ist für Kolumbien. Aber was soll`s, es ist ruhig hier und wir schlafen gut.

 

Auf dem Weg nach Popayan machen wir einen Abstecher nach Silvia. Ja, in diesem kleinen Dorf werde ich im wahrsten Sinn des Wortes „herzlich“ empfangen. Leider ist nicht Wochenmarkt der Indios. Dieser findet am Dienstag statt und wir haben Freitag. Auf einem Spaziergang durch das Dorf treffen wir aber auf sehr viele Guambiaindianer, gekleidet in ihren „Trachten“. Die Frauen sitzen oder laufen mit ihren Spindeln durch das Dorf, spinnen damit oder häkeln. Der Name Guambia ist eine Tasche, in der die Frauen die Wolle und die Spindel aufbewahren. Die Frauen gelten als ausgezeichnete Weberinnen. Die Männer tragen teilweise knallig blaue Röcke und dazu einen dunklen Poncho. Die Frauen tragen weite Röcke, ein blaues Tuch und Perlenketten. Hier werden Forellen gezüchtet und je eine genehmigen wir uns zum Mittagessen. Eine kurze Fahrt in strömendem Regen bringt uns nach Popayan auf einen schönen Stellplatz. Hier waschen wir wieder einmal und ruhen einen Tag aus, bevor wir uns Popayan anschauen. 

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