____________   9. September - 18. September

San Ignacio - Grenze Kolumbien

Wir fahren über eine kleine Grenze nach Ecuador. Auf der peruanischen Seite ist alles sehr rasch erledigt, der Ausreisestempel und die Autopapiere abgeben und schon öffnet sich die Schranke. Es geht über eine Brücke bis zur Schranke, die ist aber mit einem Vorhängeschloss verschlossen. Auf unser Hupsignal wird sie aber sofort geöffnet. Die Zöllner sind sehr freundlich, zuerst der Einreisestempel, kein Problem, dann im nächsten Büro die Autopapiere. Hier bieten uns die Zöllner zwei Stühle an. Auf einem uralten kleinen Fernseher schauen sie sich das Tagesfinale der Vuelta in Spanien an. Uns bleibt nichts übrig als mit zu fiebern! Schlussendlich setzt sich dann doch noch einer hinter den Computer und beginnt das Formular auszufüllen. Aber das dauert, das Radrennen ist wichtiger. Der Fahrzeugausweis und den Führerschein fotografiert er mit seinem Handy, druckt die Bilder aus und heftet sie dem Formular bei. Datenschutz lässt grüssen! Wir sind froh, die Papiere für die temporäre Autoeinfuhr nach fast einer Stunde ausgedruckt zu erhalten!

 

Auf einer Piste, kurvenreich und bergauf, bergab, verschüttete Piste, abgerutschte Piste, kennen wir doch! Stundenlang bis wir einige Kilometer vor Loja auf geteerte Strassen kommen. Schlussendlich übernachten wir in Loja beim Stadion. Nachts um 22.00 Uhr fahren junge Leute neben uns und schwatzen bei lauter Musik. Das sind wir uns ja gewöhnt und stört uns nicht. Aber plötzlich merken wir, dass auch die Polizei anwesend ist. Tatsächlich, die Polizei spricht mit den Leuten und sie müssen wegfahren. Das dauert zwar ein bisschen, aber dann ist Ruhe und wir können ungestört schlafen.

 

Auf direktem Weg geht es im Hochland, immer über 3000m weiter nordwärts. In Sacama halten wir und besuchen den Sonntagsmarkt. Einer dieser Märkte die wir so lieben, denn es hat keine Touristen und deshalb auch nur keine Touristenware. Dafür dutzende Kartoffelsorten, Gemüse, dutzende verschiedene Bananen, Obst und alles für den täglichen Gebrauch. Viele Leute tragen ihre Trachten, die Männer mit ¾ Hosen, die Frauen mit ihren oft schwarzen Kleidern. Es ist nicht ganz einfach einige Fotos zu machen! In Cuenca nach biegen wir dann Richtung Osten ab und jetzt geht es mehrheitlich bergab ins Amazonasbecken. Immer wieder erleben wir abgerutschte oder verschüttete Strassenteile. Die vielen Erdbebenschäden und Schäden von den langen Regenfällen im Frühjahr sind manchmal angekündigt, manchmal auch nicht. Die riesigen Löcher machen das Fahren auch nicht angenehmer. Das alles ist sehr ermüdend. 

 

Erst kurz vor dem Einnachten erreichen wir eine Tankstelle bei der wir übernachten. Zum Glück dunkelt es rasch, denn Tiere (wir wissen nicht welche) machen unglaubliche Töne, d.h. ein hoher Pfeifton. Sind es Insekten, keine Ahnung. Wir hören das Geräusch auch in den nächsten Tagen an einigen Orten in Ecuador. Nachts wird es dann ruhig. Todmüde bin ich bereits um 20.00 Uhr im Bett!

 

Frühmorgens sind wir wach und machen uns auf den Weg, alles im tropischen Tiefland nordwärts. Die Fahrt ist angenehm, denn wir haben kaum Verkehr und können nach vielen Wochen sogar streckenweise mit dem Tempomaten fahren, das heisst, es hat nicht allzu viele Kurven! Wie angenehm! Es ist heiss, tropisch, die Vegetation üppig. Wir lieben das Grün, die vielen Früchte, die schönen Blumen und Orchideen. Schon kurz nach dem Mittag zweigen wir ab Richtung Westen, Richtung Quito. Diese Strasse führt uns über 4000m, vorbei an vielen Thermen und dem Vulkan Antisana mit 5758m. Die Thermen werden wir uns im Dezember noch ansehen! Kaum haben wir den höchsten Punkt erreicht, wird die Strasse zur Autobahn! Dreispurig führt sie hinunter Richtung Quito. Wir zweigen Richtung Flughafen ab und umfahren Quito Richtung Norden in der Hoffnung, noch heute in Ibarra unserem nächsten Ziel, anzukommen. Zügig kommen wir voran auf der Autobahn. Doch dann müssen wir die Autobahn verlassen und die Ruta 35 führt uns wieder durch viele Dörfer und Städte. Der Verkehr ist unglaublich. Lastwagen an Lastwagen, Bumps, Lichtsignale. Unterwegs queren wir noch die Äquatorlinie. Zum Glück kommt wieder eine Autobahn, und so erreichen wir die Umgebung von Ibarra vor dem Einnachten. Aber durch den Verkehrsstau dort wird es dunkel bis wir endlich die Finca Sommerwind erreichen. Hier treffen wir auf einige Reisende, unter anderem auch auf Maria und Klaus die wir in Punta Arenas, im Süden von Chile, an Weihnachten 2015 das letzte Mal getroffen haben! Erschöpft, aber froh hier zu sein, richten wir uns für zwei Tage ein.

Schön gibt es hier eine Waschmaschine, eine riesige, amerikanische! Aber oh weh! Amerikanisch halt, sie wäscht zwar, aber schlecht! Na ja, besser als nichts! Beat kontrolliert wieder einmal das Auto und für morgen ist einkaufen, Gas tanken und einen Friseur aufsuchen geplant, bevor es weitergeht. Von Ferien keine Spur! Doch bereits am Morgen ändern sich unsere Pläne. Beat stellt zu unserem Schreck fest, dass auf der Hinterachse beide Felgen gerissen sind! Was nun? So können wir nicht weiterfahren! Wir telefonieren mit unserer Nissanwerkstatt in München. Sie haben uns schon einmal geholfen und kennen uns. Schon eine Stunde später erhalten wir ein Angebot von Felgen, doch leider stellt sich heraus, dass die nicht passen. Aber Herr Osterlohe will nochmals alles versuchen und verspricht uns, bis morgen Felgen zu finden. Da wir ja auf Heimaturlaub kommen, könnten wir die Felgen mitnehmen, sofern wir hier keine passenden finden. Fahren können wir mit diesen Felgen nicht mehr, also brauchen wir irgendeine passende Felge, auch wenn sie nicht für 1200kg ausgelegt ist. Deshalb fahren wir am Nachmittag in die Stadt zu einem Felgenhändler. Unterwegs treffen wir auf Hans, der Besitzer der Finca Sommerwind. Er kommt mit uns und übersetzt! Nach langem hin und her stellt sich heraus, dass der Händler keine passenden Felgen hat. Bei Nissan fragen wir als nächstes. Die haben zwar passende Felgen, aber die Maximalbelastung ist das Problem!

 

So fahren wir wieder zurück auf den Stellplatz und hoffen auf eine positive Antwort aus Deutschland. Tatsächlich finden wir am Morgen ein Mail vor. Sie haben passende Felgen gefunden! Wir telefonieren und bestellen sie zeitlich so, dass wir sie auf unserem Rückflug mitnehmen können. Nun gilt es eine Zwischenlösung zu finden, denn wir müssen ja noch nach Bogota fahren, ca. 1200km. Deshalb kaufen wir bei Nissan eine Felge und montieren diese vorne rechts. Auf die andere Seite kommt das Reserverad. Die intakten Felgen die für unser Gewicht ausgelegt sind, wechseln wir auf die Hinterachse, da hier das Gewicht grösser ist. Damit ist das Felgenproblem hoffentlich bis Bogota gelöst. Das Montieren ist dann wieder problematischer. Die neue Felge passt nicht genau, d.h. man müsste einen Zwischenring montieren, damit die Bremshalterung nicht an der Felge streift. Obwohl der Chef das ausdrücklich sagt, gemacht wird es nicht! Beat kann keinen Meter fahren, es knirscht! Es sei jetzt Mittagszeit, aber eine Stunde nach Mittag sei das Problem gelöst wird uns beschieden. Deshalb gehen wir zum Einkaufen und zum Friseur.  Zurück in der Werkstatt stellen wir fest, dass man keinen Zwischenring montiert, sondern einfach die Bremshalterung passend abgeschliffen hat! Es fehlt dort jetzt ca. 2mm Material! Aber es funktioniert, Südamerikanisch halt!

 

Wir entschliessen uns eine Nacht länger zu bleiben und fahren zum Gas tanken. Dies dauert wieder fast 2 Stunden! Na ja, sie glauben zuerst nicht, dass wir an unserer Flasche einen Ein- und Ausgang für das Gas haben. Dann versuchen sie alle Adapter, bis dann einer passt und die Flasche endlich gefüllt werden kann. Zum Glück haben wir Zeit! Schön ist es, jeweils am Abend mit den anderen Reisenden zusammen zu sitzen. Vor allem geniessen wir an einem Abend eine hervorragende Pizza die uns Patricia von der Finca Sommerwind macht.

 

Endlich geht es weiter Richtung Kolumbien. Früh fahren wir ab, aber ohalätz, da ist ein organisierter „Veloausflug für jedermann“ unterwegs und wir fahren in einer Kolonne hinterher. Vor allem wenn es aufwärts geht ist es sehr mühsam. Endlich nach fast einer Stunde ist die Fahrt frei und wir kommen zügig voran zur Grenze. Was für ein Chaos herrscht hier. Es ist die einzige Grenze zu Kolumbien von Ecuador aus! Wir parkieren am Strassenrand, obwohl wir hier nicht parkieren dürften. Aber mit „perdon, no habla espanol“ geht alles. Die Autopapiere sind schnell abgegeben aber dann stehen wir Schlange um unsere Pässe auszustempeln. Während dem Beat ansteht versuche ich ausfindig zu machen wie wir zu einer Autoversicherung für Kolumbien kommen. Überall wird sie einem angeboten aber die Preise sind verschieden. Übrigens, in Ecuador hat man keine Autoversicherung! Für uns nicht sehr angenehm.

 

Schlussendlich weiss ich wieviel die Versicherung kostet und wo man sie erhält. Zurück bei Beat, steht er noch immer an. Endlich am Schalter darf man nur einzeln stehen. Und siehe da, wir erhalten von verschiedenen Beamten verschiedene Auskünfte. Wir müssen nämlich einige Kopien machen, aber welche nun, was stimmt? Wir entscheiden uns für eine Variante und gehen zurück auf die Strasse in einen Copyshop. Zurück in der Halle gehen wir direkt, vorbei an den wartenden Leuten gemeinsam zu einem Schalter. Und siehe da, wir haben die richtigen Kopien. Noch einmal müssen wir auf Stühlen Platz nehmen und warten bis die Dame im Hinterzimmer etwas mit unseren Papieren erledigt hat. Schlussendlich haben wir nach einer Stunde den Ausreisestempel von Ecuador!

 

Jetzt brauchen wir die Autoversicherung für Kolumbien. Die Dame hat etliche Mühe mit unseren Papieren. Erstens haben wir sie beim Nagellack entfernen gestört und zweitens muss sie immer wieder Whatsapp - Nachrichten beantworten. Dazu kommt, dass unser Fahrzeugausweis keine Motorennummer hat und nicht spanisch ist. Eine echte Herausforderung! Endlich erhalten wir nach einer halben Stunde das Versicherungspapier und fahren zum kolumbianischen Zoll. Der Pass ist sehr schnell gestempelt, kein warten, keine Schlange, genial. Dann die Autopapiere. Zuerst müssen wir vorfahren, also zurück zum Auto und bis zum Schalter fahren. Dann die Papiere ausfüllen. Schwierig! Es dauert. Schlussendlich meint der nette Herr, er brauche noch Kopien, die wir auf der anderen Strassenseite erhalten. Nichts wie los, Kopien erstellen, alles in dreifacher Ausführung. Zurück am Schalter. Ups, eine Kopie fehlt! Wir sind leicht genervt! Der nette Zöllner merkt das und meint, „ach nein ok so“! Wir atmen auf! Nun wird noch das Auto kontrolliert. Aber oh weh, wir haben keine Motorennummer! Er braucht die dringend. Aber nein, in der Schweiz kennt man das nicht! Schlussendlich meint er, ich soll die Fahrgestellnummer fotografieren und im Shop ausdrucken lassen. Nein! Nicht schon wieder. Zum Glück merkt er meinen Frust! Er macht selber ein Foto das er dann ausdruckt! Endlich nach einer weiteren Stunde können wir in Kolumbien weiterfahren!   

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