________   9. März - 19. März

 ________   19. März - 9. April

Vicuna - Paso San Francesco - Copiapo

Wir haben eine sehr gute Zeit hier, im Hof des Hotels Terral (****Hotel) in Vicuna und dürfen alle Annehmlichkeiten des Hotels nutzen. Der ehemalige Besitzer, René und Caren, sind selbst Reisende und bauen zur Zeit ihr altes Reisemobil, das ebenfalls im Hof steht, um. Von Dezember bis Februar, in der hiesigen Hochsaison helfen sie jeweils ihrem Sohn im Hotel. Bevor die Beiden nach Santiago abfahren, laden sie uns zu einem Pisco Sour auf die Dachterrasse des Hotels ein. Wir verbringen einen tollen Abend gemeinsam mit den anderen Reisenden, Birgit und Franjo sowie Nese und Bruno. Nese und Bruno lernten wir zufällig während eines Spaziergangs im Städtchen kennen. Sie übernachteten am Hauptplatz und wir klopften am Morgen an ihre Türe. Nach kurzem Gespräch machten wir uns bekannt, und bei Nese – klingelt es vor allem bei Beat! Klar, sie sind es! Sie brachten uns den Turbo mit dem Schiff nach Montevideo! Wie klein die Welt doch ist. Und jetzt haben sie sich bereit erklärt eine fertig gestrickte Jacke für Cynthia und einen Kinderpullover mit nach Deutschland zu nehmen, wenn sie in einem Monat Heimaturlaub machen. Dafür nehmen sie dann unsere alten Koffer, die noch in Montevideo sind. Nach einem gemütlichen Grillabend zu sechst und einem feinen Essen mit Nese und Bruno im Hotel geht es dann endlich los, wir wollen über den Paso Agua Negro, 4775m, den höchsten Pass hier in den Anden.

 

Früh am Morgen fahren wir das Tal hoch, immer dem Fluss entlang. Noch liegt das enge Tal im Schatten und die Weinplantagen werden immer weniger, d.h. je weiter wir von Vicuna entfernt sind, umso mehr sehen wir verlassene Plantagen. Schlussendlich verläuft die Strasse entlang eines Flussbettes das kaum Wasser führt. Langsam erreicht auch die Sonne die Talsohle und rechts und links haben wir vegetationslose, hohe Berge. Rotbraun leuchten sie im strahlendem Sonnenlicht. Nach 90km in dieser Einöde erreichen wir das Zollgebäude. Wir fragen uns immer wieder, wieso so riesige Zollgebäude irgendwo in der Wildnis stehen und so viele Angestellte und Computer etc. umherstehen. Rasch sind wir „ausgestempelt“ in Chile und das Autopapier ist abgegeben, denn wir sind die einzigen Reisenden. Die Schranke wird manuell geöffnet, aber bis zur Passhöhe, weitere ca. 90km bleiben wir noch in Chile. Es geht stetig bergauf auf einer Piste, sind wir doch erst auf ca. 2000m. Ca. 20km sind Baustelle. Das ist äusserst unangenehm, denn die Strasse ist oft Schotter. Unser Nissan hat Mühe! Und dann müssen wir in Steigungen noch anhalten da der Verkehr im Einbahnverkehr geführt wird. Das Anfahren im Schotter macht dem Auto sehr Mühe auf gegen 3000m! Einmal müssen wir rückwärtsfahren und Anlauf nehmen, einmal ist die Strasse so breit, dass wir nach links ein wenig abwärts fahren um mit Anlauf anfahren zu können. Wir schauen uns an und sind nicht sicher ob wir den Pass schaffen. Wie sieht die Strasse weiter oben aus, wie lange ist die Baustelle, müssen wir auf über 4000m anhalten und anfahren? Beat vermutet, dass unsere Dieseleinspritzdüsen gelitten haben.

 

Schlussendlich erreichen wir einen Stausee. Traumhaft gelegen. Entlang des Sees ist eine Schotterstrasse, gut zum Kreuzen mit einem PW. Vor uns ist ein LKW, das ist super, so geht es bestimmt, denn die Strasse ist zum See nicht befestigt, und der See kommt bis 50cm unterhalb der Strasse. Wir fahren auf der Bergseite. Da es eine Piste ist, haben wir Abstand und sehen, dass der LKW ein grosses Reisemobil kreuzt. Leider fährt das Reisemobil weiter und wartet uns nicht ab. Deshalb fahren wir in den Schotter am rechten Strassenrand und warten, jetzt hat das Reisemobil gute 3m um an uns vorbei zu fahren. Aber der Deutsche Fahrer weigert sich an uns vorbeizufahren und stellt sein Reisemobil auch auf den Schotter, einen Meter vor uns auf unserer Strassenseite! Wir sollen doch bitte sehr rückwärtsfahren und ihn dem See entlang an kreuzen! Wir weigern uns, denn rückwärts anfahren geht im Schotter nicht! Schlussendlich fährt ein „Grader“ an uns vorbei und kommt locker vorbei. Noch immer will der Deutsche „Flachlandpilot“ mit seinem Supermobil nicht an uns vorbei. Schlussendlich steige ich aus und dirigiere Beat an ihm vorbei. Nach dem See geht es weiter stetig in Kurven höher und höher. Später begegnen wir dann noch einem weiteren grossen Reisemobil, Schweizer! Wir stoppen, da die Strasse hier eben ist, und plaudern auf 3500m! Die weitere Strecke bis zum Gipfel meistern wir sehr gut, müssen nur ab und zu einem PW ausweichen. Ohne anzuhalten geht es stetig im 1. oder 2. Gang hoch auf 4775m. Und das Panorama! Schaut euch die Fotos an! Auf der anderen Seite, in Argentinien fahren wir dann an „Büsser-Schneeformationen“ entlang! Der Hammer! Rund um uns 6000er! Schon bald erreichen wir die geteerte Strasse und 75km nach der Passhöhe das Zollgebäude Argentiniens. Hier dauert es eine ½ Stunde, die armen Zöllner müssen ja wieder ein Papier ausfüllen für das Auto und das dauert jeweils! Dann noch die Kontrolle des Autos, und zuletzt, wir wollen schon losfahren, kommt noch die Früchtekontrolle. Vorsorglich habe ich Tomaten und Avocados im hintersten Kasten versteckt, aber den grünen Salat im Kühlschrank nimmt er mir weg. Wieso er mir den Käse wegnimmt weiss ich nicht, vielleicht gehört Käse in Argentinien zu den Früchten? Im Dorf nach der Grenze verbringen wir hinter einer Tankstelle eine ruhige Nacht.

 

Heute geht es durch ein Gebiet mit tollen Fels- und Sandformationen, eine unwirtliche Gegend, nur im Tal hat es wenige grüne Büsche. So erreichen wir Vallecito bei San Juan. Hier die gekürzte Geschichte dazu aus dem Reiseführer Dumont: Sonntag für Sonntag segnet ein Priester in Vallecito etwa 200 Automobile. Mit hochgeklappten Hauben stehen ihre erwartungsvollen Besitzer daneben. Der Kult um den Viertakter findet man von Ushuaia bis zur bolivianischen Grenze auf allen Fernstrassen mit tausenden improvisierten Altären, bestückt mit eigenartigen Weihegeschenken wie Autoreifen, Nummernschilder etc. sowie mit Wasserflaschen. Der Haupttempel dieser als „ Difunta Correa“ bezeichneten Deponie von Altmaterial und dargebrachten Wünschen ist ein zur Wallfahrtsstätte angewachsener Gebäudekomplex in Vallecito. Das Älteste der hier angenagelten Kennzeichen stammt aus dem Jahr 1929. Doch geht der Wunderglaube der unentwegt Kerzen anzündenden Besucher – jedes Wochenende bis zu 2000, an Ostern 10`000 täglich – weit über den Bannkreis des Autos hinaus. „Bitte heile mich von dem Virus, der mir die Haare ausfallen lässt!“, oder „Gib, dass wir die Hypothek abtragen können“, steht auf einer Tafel. Erhörte Hausbesitzer bezeugen ihre Dankbarkeit in Form von hinterlassenen Holzmodellen. Fast eine Million „Gaben“, vom Brautkleid bis zum Grammofon, von Sportartikeln bis zum Spielzeugauto. Ringe und Medaillen zum Einschmelzen ergaben bis heute 80kg Gold von deren Erlös ein Touristenhotel erbaut wurde. Eine Stiftung amtet als Aufsichtsorgan und beschäftigt 50 Personen. Die Wundergestalt, die solche Glaubenskraft erzeugt ist „La difunta Correa“. Die Legende sagt, dass 1841 Deolinda Correa in hochschwangerem Zustand in der Wüste von San Juan auf die Suche nach ihrem im Bürgerkrieg verschollenen Mann aufbrach. Unterwegs gebar sie ihr Kind, starb verdurstend, doch das Kind überlebte an ihrer Milch spendenden Brust. Verständlicherweise tut sich die katholische Kirche reichlich schwer mit der zum Gnadenbild erhobenen Gauchofrau, die nicht im Register der Heiligen geführt wird. Ein kleiner Sprachteufel will es, dass das spanische correa auch „Keilriemen“ und „difunta Correa“ so viel wie „kaputter Keilriemen“ bedeutet. Wir übernachten auf dem riesigen Parkplatz etwas unruhig, denn überall wird gelacht, gesungen und Musik gemacht.

 

Obwohl Sonntag ist und ich die Segnung der Autos gerne gesehen hätte, fahren wir weiter, denn der Ort lädt nicht zum Verweilen ein. Durch das herrlich grüne Valle Fértil fahren wir viele Kilometer zwischen saftig grünem Gras, Büschen und Bäumen. Eine echte Abwechslung! Unterwegs füllen wir unseren Tank und den Zusatztank. Dazu kommt ein Zusatz, damit das Einspritzsystem gereinigt wird. Wir hoffen dass der Nissan in der unteren Drehzahlen wieder mehr Power entwickelt. Gegen Abend erreichen wir den „Parque natural Ischigualasto“, das argentinische Valle de Luna, Weltkulturerbe. Hier liegen die Schlüssel zur Entwicklung der Säugetiere aus den Reptilien begraben. Die 230 bis 185 Mio. Jahre zurückliegende Periode war revolutionär. Die bis anhin nur von Pflanzen und Insekten bewohnte Erde begann sich mit Reptilien zu bevölkern. Erhebungen und Verwerfungen, Wind und Wetter haben dazu geführt, dass tolle Skulpturen entstanden. Am Boden liegen Geheimnisse vergraben die unglaublich sind. Die Entwicklung der Säugetiere aus Reptilien kann hier nachvollzogen werden. Zwischen 1991 und 2006 wurden zwei Vorgänger der grössten Dinosaurier ausgegraben – Euraptor und Panphagia. Wir besuchen das Museum und freuen uns auf die Tour mit dem Ranger.

 

Mit dem eigenen Fahrzeug fährt man in einer Kolonne von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt auf der Piste. Wie eine Mondlandschaft liegt die Landschaft vor uns! Beim ersten Halt stellt sich der Ranger vor, fragt wer kein Spanisch versteht und erklärt gleichzeitig, dass er kein Englisch spricht, nur Spanisch und Portugiesisch. Unser Spanisch ist so gut, dass wir das verstehen können. Aber all die Fachwörter und die Erklärungen, das geht definitiv nicht. An der Kasse habe ich noch gefragt, ob der Ranger auch Englisch spricht und das wurde mir bestätigt, und nun das. Wir haben zum Glück ein E-Book erhalten, das uns die wichtigsten Informationen an den entsprechenden Haltestellen auf Englisch gibt. Aber leider sind diese Informationen sehr kurz, 1 – 2 Minuten, der Ranger erklärt jeweils bis zu 10 Minuten! Ich ärgere mich! Vor allem auch weil das sehr schöne, informative Museum das wir am Morgen angeschaut haben auch nur auf Spanisch beschildert ist! Und das soll Weltkulturerbe sein! Dazu bezahlen wir den vollen Preis, nicht einmal eine Rentnerreduktion erhalten wir, das gibt es nur für Einheimische! Nach der Rückkehr muss ich meinen Frust bei einem Ranger loswerden, der aber leider auch kaum Englisch spricht. Schade für den sehr interessanten Park. Wir sind einfach froh, dass man sich heutzutage die Informationen auch im Internet holen kann!

Weiter geht die Fahrt nach Fiambala, dem letzten grösseren Ort vor dem Paso San Francisco. Unterwegs finden wir noch tolle Adobekirchen die renoviert sind. Wir übernachten wieder einmal bei der einzigen Tankstelle. 500km sind es über den Pass (4723m) in die nächste grössere Ortschaft in Chile. Am Morgen stehen wir früh auf, wir wollen um 8.00 Uhr losfahren damit wir genug Zeit haben. Aber wir fahren nur ca. 20km, die Wolken werden immer dichter und schwärzer und es sieht nach Regen aus. Wir entschliessen uns umzukehren, denn wir fahren nur bei schönem Wetter, weil ab Passhöhe auf chilenischer Seite nur noch eine Piste ist. Es winken zwei Ruhetage im SPA von Fiambala, denn morgen soll es ebenfalls bewölkt sein. Aber der Eintrittspreis ins SPA ist so horrend, wir können das fast nicht glauben! So fahren wir an den Hauptplatz von Fiambala und bleiben eine Nacht hier. Wir geniessen Internet, erledigen viele Sachen und vor allem beobachten wir die Leute hier. Ich könnte ein Buch schreiben! Nachts um 22.00 Uhr schliessen die kleinen Läden! So viele Mottorräder und lärmige Verkehrsteilnehmer haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Eigentlich haben wir es gewusst, wir hätten nachts wegfahren müssen. So gibt es eine unruhige Nacht, erst um 3.00 Uhr morgens wird es still. Dafür öffnen die Läden erst um 10.00 Uhr!

 

Heute haben wir strahlend blauen Himmel! Beat möchte fahren, aber wir haben für zwei Tage eingekauft. Deshalb bleiben wir nochmals einen Tag und fahren abends zu einer kleinen Kirche. Voll stolz zeigt uns eine Einheimische die wunderschön restaurierte Adobekirche (Adobe= Lehm). 1770 wurde sie gebaut und 1970 restauriert. Don Pedro der Schutzheilige der Kirche, wurde in Peru hergestellt und hierhergebracht. Die Puppe des Heiligen, ist mit schönen Kleidern angezogen und mit beweglichen Gliedern versehen. Schlussendlich erklärt uns die Dame, dass der San Francisco geschlossen ist wegen Schnee und Regen. So fahren wir zurück zum Hauptplatz und fragen in der Touristinformation nach. Tatsächlich, er ist geschlossen! Wären wir heute Morgen, als das Wetter noch schön war losgefahren, wir hätten auf 4000m am Zoll übernachten müssen!

 

Früh am nächsten Morgen fragen wir bei der Polizeistation nach. Na ja, die Antwort klar und deutlich: geschlossen. Wir sollen doch um 10.00 Uhr vorbeikommen. Aber nein, so spät wollen wir nicht abfahren. Wir wollen über den Pass fahren und danach möglichst unterhalb 2000m übernachten, denn wir sind die Höhe noch nicht gewohnt. Das Wetter ist hervorragend, strahlend blauer Himmel. Also, auf geht’s. Wir sind ganz alleine auf einer hervorragenden Strasse unterwegs. Stetig geht es bergauf, denn wir sind erst auf 1500m und die Passhöhe nach ca. 200km ist auf 4723m. Nichts, aber auch gar nichts wächst hier, nur dem kleinen Bächlein (Regen von gestern) entlang etwas grün. Aber die Berge sind eindrücklich. Nach einer Schlucht, in der sich die Strasse neben dem Bach hochwindet, sind wir auf einer Hochebene in 3000m und kurze Zeit später fahren wir auf einer weiteren Hochebene, die zwischen 4000 und 4400m liegt, über eine Stunde hoch. Ab und zu einige Esel oder Vikunjas, sonst nichts, nicht einmal Autos. Unser Nissan läuft super, wir können teilweise sogar im 6. Gang fahren, denn es geht nur noch wenig bergauf. Endlich, nach 2 ½ Stunden stehen wir am Zoll und sehen vor uns die 6000er. Alle mit einer Schneemütze! Schnell lassen wir den Zoll hinter uns und fahren die letzten 700m hoch auf die Passhöhe zwischen den 6000er. Abrupt hört hier die Teerstrasse auf und Piste beginnt. Nicht die Beste! Aber wir wissen, dass nach ca. 100km die Strasse wieder ein wenig besser wird, nicht geteert, aber Bischofit, das lässt sich super befahren. Beat hat heute wieder Kopfschmerzen. Auch ich bin heute nicht so fit wie letztes Mal und wir bewegen uns nochmals über eine Stunde über 4000m. Dann geht es bergab zum Zoll in Chile auf 3000m. Kurz vor dem Zoll essen wir noch ein Müesli, denn die Früchte würden uns sonst hier weggenommen! Ein Coramin hilft uns das Kopfweh zu lindern, sodass die Weiterfahrt dann kein Problem ist. Diese Strecke kennen wir, sind wir sie doch schon einmal in umgekehrter Richtung vor ca. 11 Monaten gefahren. Immer noch treffen wir auf keine Autos, ab und zu ein Minenfahrzeug, denn wir sind wieder in Chile, und die Anden sind voller Minen. Je näher wir Copiapo kommen, umso schlimmer auch die Abfallberge! Einfach grässlich was hier abgeht. Wir übernachten an der Tankstelle die wir schon kennen, hier ist es ruhig und am Sonntagmorgen bringen wir die Wäsche in die Lavanderia und kaufen ein. Morgen dann werden wir zu Nissan gehen, denn die kleine Untersetzung funktioniert nicht. Mal sehen was die dazu sagen! Zum Glück hat sich das Problem mit dem Power gelöst, der Zusatz hat Wunder gewirkt!

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