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Punta Arenas - El Calafate - Ushuaia

Wir holen Cynthia und Vanessa gegen Abend am Flugplatz ab und freuen uns sehr auf die gemeinsame Reise. In unserem Fahrzeug fahren wir zum Hostel Estanzia in Punta Arenas. Hier haben wir ein Zimmer gebucht damit die Mädels nach der 40stündigen Reise gut schlafen können. Zuerst gehen wir aber gemeinsam essen und haben uns dabei viel zu erzählen.

 

Während die Mädels im Hostel übernachten, schlafen wir am Strassenrand vor dem Hostel. Zu Fuss erkunden wir am morgen die Stadt und besichtigen auch den einmaligen Friedhof. Am Nachmittag erhalten wir dann endlich unseren Wicked-Camper und freuen uns, dass wir ein „schön bemaltes Modell“, den „Happy Van“ erhalten. Schon bei der Fahrzeugübernahme merken wir, dass es ein älteres Modell ist und sich die Türen schlecht schliessen lassen. Wir Frauen fahren dann zum Supermarkt um einzukaufen und haben dort grosse Mühe die Türen zu öffnen und das Zündschloss zu bedienen. Beim Autovermieter melden wir diese Schwierigkeiten, für ihn ist das kein Problem. Endlich fahren wir weg, hinaus aus der Stadt zu unserem „Camping“ an der Magallanstrasse und hoffen, dass der etwas verbogene Schlüssel und das Zündschloss die Reise übersteht. Zum ersten Mal in den letzten zwei Wochen treffen noch andere Reisende hier ein, auch Otto und Elisabeth die wir schon kennen. Leider ist es sehr kalt und schon bald verziehen wir uns ins Womo. Wir geben den Mädels Wolldecken und Schaffelle mit. Zudem mache ich ihnen noch die Bettflaschen, denn es weht ein kalter Wind und der Camper ist ohne Heizung und ist nicht isoliert. Wir hoffen, dass die Nacht nicht zu kalt wird für sie.

 

Am Morgen um 6.00 Uhr klopft es an die Tür und Vanessa kommt durchfroren zu uns und kuschelt sich in eine Ecke. Wir müssen sowieso aufstehen, denn um 7.00 Uhr müssen wir bei der Anlegestelle unseres Ausflugbootes sein, das uns zu den Pinguinen auf die Inseln Marta und Magdalena führt. Mit Thermowäsche, Halstuch, Winterjacke und Regenschutz, Mütze und Handschuhen bewaffnet, besteigen wir den Zodiac, der zum Glück umhüllt ist, sodass wir während der Überfahrt nicht frieren. Bei der Insel Marta bestaunen wir die Seelöwen und hunderte von Vögeln. Wir können aussen auf dem Zodiac stehen und haben eine tolle Sicht. Die Seelöwen spielen im Wasser und sind auch an Land sehr aktiv. Nach einer kurzen Fahrt steigen wir auf Magdalena bei den Pinguinen aus und wandern eine Stunde auf einem markierten Weg. Ganz toll! Wir sehen auch die ersten Jungtiere. Manchmal watscheln die Pinguine vor uns über den Weg! Auch Möven, Seagulls und andere Vögel haben ihre Nester ganz in der Nähe des Weges, sodass die jungen Vögel in den Nestern gut zu beobachten sind. Uns gefallen die Pinguine, die in Gruppen ins Wasser watscheln und dann plötzlich wie Delfine im Schwarm umherschwimmen und wieder an Land kommen. Eindrücklich!

Zurück im Womo verpflegen wir uns und fahren dann durch die Pampa Richtung Puerto Natales. Nur mit Mühe finden wir hier einen kleinen Camping. Es ist kalt und die Mädels frieren wieder nachts. Sie ziehen immer mehr Lagen an, und trotzdem ist es kalt. Zum Glück können sie sich bei uns umziehen und am Abend sitzen wir etwas eng aber gemütlich im Stübli.

 

Nun freuen wir uns aber auf den Nationalpark Terra del Paine. Über eine Schotterstrasse fahren wir in die Berge. Das Wetter ist durchzogen, aber sehr reizvoll, denn die Berggipfel tauchen jeweils hinter den Wolken auf und verschwinden wieder. Dies natürlich auch wegen dem starken Wind. Während des Mittagessens ist es mir nicht wohl, das Auto schüttelt sehr stark. Aber die Aussicht auf die verschiedenen kleinen Seen und die Berge ist fantastisch. Immer wieder gibt es einen Fotostopp und uns allen gefällt diese einmalige Landschaft super! Wir erreichen den Parkeingang und fahren noch zum Lago Grey. Hier buchen wir eine Schiffstour zum Gletscher Grey für den nächsten Tag. Das Wetter soll dann weniger windig sein, und so ist rasch gebucht und wir fahren den gleichen Weg zurück zu einem superschönen Camping im Park.

 

Nach einer kalten Nacht (die Mädels frieren wieder!) geht es auf die Schiffstour. Doch zuerst müssen wir 20 Minuten über die Endmoräne zum Schiff marschieren. Eingehüllt in Winterjacke, Regenschutz, Mütze, Halstuch und Handschuhe, erreichen wir das Schiff und sind froh, dass es wenigstens im Schiff nicht windet. Vorbei an Eisabbrüchen geht es fast eine Stunde über den See zum Gletscher. Diesen erreichen wir nachdem wir noch 80 Wanderer fast am Ende des Sees eingeladen haben. Wir stehen draussen auf dem Deck, dick eingehüllt und der Wind blässt uns fast vom Schiff. Trotzdem ist es fantastisch. Die blaue Farbe der Gletscherspalten, die verschiedenen Farbspiele des Eises je nachdem man auf den Gletscher sieht, und die Sonne die ab und zu durch die Wolke blitzt, sind spektakulär. Der Gletscher geht wie fast alle Gletscher zurück (der Greygletscher zieht sich um 100m pro Jahr zurück) , sodass heute drei Gletscherzungen in den See ragen. Obwohl es zu regnen beginnt, windet und kalt ist, bleiben wir draussen und geniessen die einmalige Landschaft. Erst auf dem Rückweg ziehen wir uns ins Schiff zurück und sind gespannt wie der Weg zu Fuss über die Endmoräne, diesmal mit Gegenwind, ist. Es regnet und windet sogar noch stärker und so bemüht sich jeder für sich alleine die 20 Minuten zurück ins Wäldchen in den Windschatten und zum Auto zu überstehen. Wir fahren weiter und wollen mitten im Park übernachten. Der Weg dahin ist unbeschreiblich schön! Es regnet wieder, aber die Seen sind azurblau, ein blau, das wir so noch nie gesehen haben. Ja und dahinter die Berge mit Schneehaube, die immer wieder hinter den Wolken hervorkommen. Leider ist dann der Camping eine grosse Enttäuschung und wir fahren die 20km wieder zurück auf den letzten Camping. Dort regnet es nicht und wir sind windgeschützt! Hier feiern wie am 24. Dezember Weihnachten und genehmigen uns im kleinen Restaurant ein Superessen!

Wieder ist die Nacht eisigkalt! Wir stehen früh auf und fahren auf Schotterstrassen durch den wunderschönen Park. Wandern ist abgesagt, es regnet immer wieder und windet stark. Die Landschaft entschädigt uns mit einmaligen Ausblicken. Immer wieder verändert sich alles, denn die Berge kommen aus den Wolken, verschwinden wieder, die Seen sind blau und die Schotterstrasse zwar in einem schlechten Zustand (Ripio nennt sich das Wellblech hier), aber sie windet sich rauf und runter zwischen den Hügeln durch. Leider regnet es immer mehr und wir die berühmten „Torres“ sehen wir leider nicht! Beim Parkeingang stellen wir leider fest, dass das Wetter die nächsten Tage schlecht bleibt. Wir fahren deshalb weiter, denn wir wollen ja noch den Gletscher Moreno und das Fitz Roy-Massiv besuchen. Immer weiter geht es auf Schotterstrassen. Kurz vor der Grenze dann endlich wieder geteerte Strassen. Doch zwischen den Grenzposten wieder Schotter! Und auch eine Tankstelle für den Camper ist nicht zu finden. Na also, hoffen wir,dass der Sprit bis Tapi Aike, eine Strassenverzweigung, reicht und sind froh, dass wir wieder geteerte Strasse haben. Nach 100km erreichen wir den Ort. Es ist der 25. Dezember, Weihnachten, und der Tankwart in der Stadt auf Verwandtenbesuch.

 

Neben dem Polizeiposten finden wir dann ein einigermassen windgeschütztes Plätzchen zum übernachten. Ich koche, und siehe da, während dem Nachtessen beginnt es doch tatsächlich zu schneien! Wir haben Schnee im Sommer. Vanessa macht noch einen kleinen Schneemann und die Familie die hier lebt, steht im Trägertshirt und in den Sommerschuhen draussen und macht Fotos. Es ist nicht normal, dass hier um diese Jahreszeit Schnee fällt! Bei uns wird diskutiert. Wie schaffen wir es, alle vier in unserem Womo zu übernachten. Aber schlussendlich sind wir uns einig. Vanessa schläft bei uns, und Cynthia nimmt alle Decken, 2 Schlafsäcke und Bettflaschen und schläft im Wicked.

 

Am Morgen liegt Schnee auf der Strasse! Wir müssen zuerst unsere Autos vom Schnee befreien, Cynthia wärmt sich bei uns auf und dann fahren wir zum Tanken und dann über die Abkürzung, der Ruta 40! Eine saublöde Idee! Die Schotterstrasse zeigt sich bald als eine Riesenkatastrophe. Wir fahren mit Allrad und es ist schlimm genug, aber die Mädels! Sie machen das ausgezeichnet, fahren langsam, in der Spur und wir schaffen die 65km in fast 3 Stunden! Über die Hauptstrasse (140km) hätten wir sicher weniger lang gebraucht. Endlich auf der Hauptstrasse angekommen wollen wir zu Mittag essen, da brummt es, und die Basler, Brigitte und Daniel, halten neben uns an. Wir haben uns vor fünf Monaten in Montevideo kennen gelernt und vor zwei Monaten in San Martin de los Andes wieder getroffen! Sie reisen weiter Richtung Süden, wir in den Norden nach El Calafate. Kaum abgefahren leuchtet doch bei uns wieder unser ominöses Lämpchen. Nicht schon wieder, denken wir und hoffen, dass es wieder erlischt, aber es wird schlimmer. Jetzt verliert der Motor dramatisch an Leistung. Wir erreichen El Calafate nur mit Müh und Not. Das Wetter wird zwar wieder besser, kein Schnee mehr, dafür eine wunderschöne Landschaft. Alle Hügel entlang der Strasse sind „verzuckert“ und die Landschaft sieht aus wie in einem Märchen. Wir geniessen die Sonnenstrahlen und endlich warmes Wetter! Sogar die Nacht ist zum ersten Mal nicht so kalt und die Mädels können gut schlafen, aber wir sind besorgt.    

Am Morgen geht es zum Gletscher Moreno und zu unserer Freude leuchtet die Warnung nicht mehr. Wir wandern treppauf, trepprunter auf dem Gitterrostwanderweg entlang des Gletscherabbruchs und können uns kaum sattsehen. Immer wieder sehen und hören wir Abbrüche. Und das alles bei strahlend blauem Himmel und kurzärmlig! Das verrückte Wetter in Patagonien haben wir in den letzten Tagen voll „genossen“!

 

Heute wollen sie zum Lago Roca fahren und dort übernachten. Doch oh Schreck, die Warnung erscheint wieder! Also ab zum Mechaniker, dessen Adresse wir aus dem App iOverlander haben. Vanessa, die gut Spanisch spricht ist uns eine grosse Hilfe, so können wir mit dem älteren Mechaniker die Angelegenheit besprechen und er erkennt das Problem mit dem Diagnosegerät. Er putzt Teile und nach 2 Stunden ist „todo bien!“ Unterdessen fahren die Mädels alleine zum Lago Roca und wir treffen uns nach dem Mittag im Camping. Wir diskutieren lange, denn das Auto macht uns Sorgen. Schaffen wir die fast 2000km bis Ushuaia bis am 6. Januar, oder stehen wir plötzlich irgendwo in der Pampa? Unsere Antarktistour wollen wir nicht verpassen. Schlussendlich planen wir gemeinsam um. Morgen gibt es einen Relaxtag, Wäscherei, Vanessa lernen (sie hat noch Prüfungen nach der Reise), schreiben etc. Übermorgen fahrt nach El Chalten zum Silvester. Den Fitz Roy wollen wir nicht verpassen.

 

Nach dem Relaxtag fahren wir los nach El Chalten. Aber oh Schreck, nur wenige Kilometer ausserhalb der Stadt leuchtet das Lämpchen wieder und wir haben wieder einen Leistungseinbruch! Trotz schalten kommen wir kaum vorwärts. So geht das nicht, wir kehren um, fahren zum Mechaniker und der gibt uns einen Termin für den nächsten Morgen. Wieder ist Lagebesprechung auf dem Camping. So geht das nicht! Der Entscheid fällt uns allen schwer. Wir werden morgen zum Mechaniker fahren, die Mädels buchen ab 1. Januar ein Hostel in El Calafate und eine Tagestour zum Fitz Roy. Auch der Bus nach Rio Gallegos und ein Hotelzimmer muss gebucht werden, denn den Flug können wir nicht umbuchen. Wir werden noch gemeinsam Silvester feiern und dann werden wir beide mit unserem Auto und dem Wickedcamper versuchen nach Punta Arenas zu fahren und dort weiter entscheiden.

 

Heute ist also der Werkstatttermin. Wir telefonieren per Skype mit der Glattgarage zu Hause, mit Salvi. Er spricht Italienisch und Spanisch und so kann er mit dem Mechaniker von hier alles besprechen. Noch immer sind wir der Meinung, dass etwas mit dem Turbo nicht stimmt. Schlussendlich empfielt Salvi dem Mechaniker noch div. Sensoren der Motorensteuerung zu kontrollieren. Und siehe da, der Fühler direkt hinter dem Luftfilter       ist völlig verschmutzt. Alles wird gereinigt, wieder zusammengesteckt und wir sind entlassen. Ob es wohl hält! Die Unsicherheit ist gross bei uns. Am 6. Januar müssen wir in Ushuaia sein (Antarktistour), ca. 1000 km südlicher. Dazwischen müssen wir noch den Wickedcamper abgeben.

 

Silvester geniessen wir dann gemeinsam bei einem feinen Essen und treffen auf dem Heimweg zufällig noch Otto und Elisabeth. Beide haben die Mädels am ersten Tag der Reise kennengelernt auf dem Stellplatz und nun am letzten gemeinsamen Abend, treffen wir sie wieder. Silvester feiern wir so gemeinsam auf dem Camping und stossen auf 2016 an.

 

Traurig müssen wir uns am nächsten Morgen trennen und getrennte Wege gehen. Schade! Vanessa ist noch erkältet und Cynthia hat wieder mehr Probleme mit dem Knie, das sie in zwei Wochen operieren lassen muss. Wir fahren bei herrlichem Wetter, es ist deutlich wärmer geworden, südwärts. Übernachten in Tapi Aike bei herrlichen 23 Grad und nachts 12 Grad. Vor einer Woche hatten wir hier Schnee! So erreichen wir nach zwei Tagen Punta Arenas und unser Auto läuft super! Der Dieselverbrauch hat in diesen zwei Tagen deutlich abgenommen (um einen Liter pro 100 km) und so hoffen wir das Problem gelöst zu haben. Wir können den Camper früher abgeben und entschliessen uns ohne den geplanten Werkstattbesuch weiter zu fahren.

Wir erreichen die Fähre über die Magallanstrasse und schon sind wir in Feuerland. Es geht ca. 50km auf geteerter Strasse durch die Pampa. Kein Baum, kein Strauch, etwas hügelig und tausende von Schafen! Dann kommt Schotterpiste für ca. 2 Stunden bis zur Grenze zu Argentinien. Sie ist nicht so schlecht wie alle uns gewarnt haben. Die Grenzabwicklungen gehen schnell, denn unterdessen wissen wir wie was wo. Nach der Grenze entscheiden wir uns noch bis Rio Grande zu fahren und schicken unseren Freundinnen, den Ladies (sie haben uns die Ersatzteile für die Heizung nach Montevideo gebracht) mit dem Landrover eine sms. Wir wollen wissen wo sie gestrandet sind. Sie hatten viel Pech im Dezember, mussten sie doch mehr als drei Wochen in einer Werkstätte in Rio Gallegos „wohnen“ in ihrem Bimobil. Nach einem Getriebeschaden wurde das Auto auf einem Laster 400km dorthin transportiert. Dann mussten sie sämtliche Ersatzteile einfliegen lassen und in Punta Arenas abholen. Unsere Mädels haben ihnen auch noch Ersatzteile aus der Schweiz gebracht, da diese hier nicht erhältlich waren. Kaum abgefahren, und bereits auf Feuerland ging die Kupplung nicht mehr und sie mussten abgeschleppt werden nach Rio Grande. Ihre Antarktisreise beginnt am 7. Januar, die Zeit wird eng. Sie freuen sich riesig, uns unerwarteter weise zu sehen und wir geniessen den Abend mit zwei Flaschen Wein! Am Morgen helfen wir noch die Kabine abzusetzen, dann nehmen wir ihre Wäsche mit nach Ushuaia und hoffen sie morgen auch auf dem Camping zu sehen.

 

Wir erreichen den Camping in Ushuaia ohne Probleme mit dem Auto und sind froh, hier zu sein. Nun wollen wir noch waschen, Homepage machen und uns auf die Antarktisreise vorbereiten. Vanessa wurde noch krank und hört nicht mehr gut, sodass sie die Tagestour einen Tag verschieben mussten. Leider ist sie dann auf der Tour auch noch unglücklich hingefallen und hat einen riesigen Bluterguss eingefangen. Zum Glück hört sie wieder und die Busfahrt nach Rio Gallegos verlief gut, ausser dass sie dort in eine Demonstration kamen. Seit den Wahlen gibt es vor allem hier im Süden oft Demonstrationen da Kirchner, die ehemalige Präsidentin, und ihre Partei die Wahlen verloren haben. Die Mädels werden jetzt hoffentlich noch zwei tolle Tage in Buenos Aires verbringen. 

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