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________  28. April - 10. Mai 

________  10. Mai - 23. Mai

Vicuna - Calama

Wir verlassen Vicuna bei strahlendem Sonnenschein Richtung Süden, zum Monumento Pichasca. Eine schmale Piste führt uns durch eine superschöne Landschaft. Kakteen am Strassenrand, ab und zu Ziegen und Esel und kleinere Bauernhöfe. Bergauf, bergab, viele Kurven, wie immer. Die Berge sind braun und es wächst kaum etwas. Die grossen Kakteen blühen teilweise in einem satten rot. Wir sind ganz alleine unterwegs und erst nach etlichen Stunden begegnet uns ein kleiner Lastwagen, bevor wir wieder in besiedeltes Gebiet kommen. Hier treffen wir auch auf die schönen kleinen Adobekirchlein (Adobe= Lehm) und staunen nicht schlecht, als wir in Maitencillo an einer Basilika vorbeifahren. Natürlich halten wir an und schauen uns die Kirche an, die von aussen viel schöner wirkt als von innen. In La Serena finden wir diesmal einen Übernachtungsplatz an einer Seitenstrasse zur Beach. Es ist Freitag und da sind die Jungen oft mit lauter Musik unterwegs an der Beach.

 

Unser nächstes Ziel ist Choros und der Nationalpark Pinguino de Humboldt. Zuerst geht es auf der Panamericana nordwärts und dann an die Küste. Die Gegend wird immer einsamer, immer mehr Sand und vor allem Kakteen. Die Sanddünen vor Choros sind mächtig und teilweise verwandelt sich die Strasse eine Sandpiste. Das Dorf dann ist ein bisschen heruntergekommen. Aber vielleicht ist auch der dichte Nebel schuld. Seit wir wieder an der Küste sind begleitet uns der Nebel. So fahren wir auf einen Camping und treffen da auf Ingrid und Hans aus Deutschland. Gemeinsam wollen wir morgen mit dem Boot auf eine Tour zu den Humboldtpinguinen und hoffen auf gute Sicht, denn heute liefen die Boote wegen des Nebels erst am späten Nachmittag aus.

 

Und wirklich, wir haben Glück, die Fahrt kann um 11.00 Uhr losgehen. Überrascht sind wir dass wir so viele Tümmler Delfine sehen, die fröhlich neben unserem Boot herschwimmen. Auch Seelöwen, die verschlafen auf den Felsen liegen und viele Vögel, unter anderem auch Pelikane sehen wir. Leider finden wir nur sehr wenige Humboldtpinguine und dann sind sie auch noch weit entfernt. Aber die Delfine haben uns sehr gefallen, sodass wir rundum zufrieden sind.

 

Am nächsten Morgen entschliessen wir uns wieder eine Piste zu fahren, ein bisschen weiter im Landesinnern, wegen des Nebels. Das Navi zeigt uns den Weg, der aber nicht mit der Karte übereinstimmt. Na ja, wir fahren los, kaufen noch Früchte und Gemüse ein und geniessen anschliessend die sandige Landschaft, die Berge und die Piste. Ab und zu müssen wir bei einer Abzweigung wirklich überlegen welches wohl die richtige Piste ist. Wir sind in einem Gebiet mit vielen kleinen Minen. Einmal geht es einfach nicht weiter und wir landen in einer Mine. Die Arbeiter erklären uns dann, dass wir etwa einen Kilometer zurückfahren und die andere Piste nehmen müssen. Diese führt mehr oder weniger in einem Bachbett das Tal hoch. Der Pfad wird immer schlechter und wir sind uns einig, dass wir vermutlich wieder auf der falschen Fährte sind. Doch das Navi zeigt uns den Weg an, und die Piste führt auch nach Huasco, da wollen wir ja hin! Schlussendlich erreichen wir wieder die richtige Strasse und es geht zügig bis Huasco. Da stellen wir uns direkt an die Beach. Bei der Bibliothek holen wir noch kurz die Zeitung, denn da gibt es Free Wifi. Hier treffen wir auch wieder auf Ingrid und Hans und am Abend geniessen wir zusammen ein gutes Glas Wein.

 

Eigentlich wollen wir in den Nationalpark Llanos de Challe. Aber auf der gut ausgebauten Küstenstrasse ist Nebel, Sand, keine Sicht. Uns verleidet das und so biegen wir im Nationalpark ab auf die Panamericana und fahren bis kurz vor Copiapo. Hier nehmen wir eine Seitenstrasse die zu unserer grossen Überraschung durch ein Tal mit unendlich grossen Traubenplantagen führt. Das heisst, bewässerte Rebstöcke und daneben Hügel mit Sand, Sand, Sand. Ein toller Anblick. In Copiapo finden wir zufällig eine Lavanderia und ab geht es, die Wäsche holen. Auch die Polsterbezüge müssen wieder mal gewaschen werden! Nach 2 Stunden ist alles fertig. Da es schon spät ist und wir müde sind essen wir kurz etwas im Shoppingcenter um dann bei der Tankstelle zu übernachten. Das Geburtstagsessen von Beat holen wir nach, heute sind wir zu müde!

Leider ist es wieder neblig am Morgen. Trotzdem fahren wir zur Mine „San José“. Wunderschön, durch viele riesige Sanddünen und Sandberge schlängelt sich die Strasse. Und das im sich auflösenden Nebel. Gespenstisch! Zur Erinnerung: Am 5. August 2010 ereignete sich hier ein Grubenunglück und 33 Bergleute wurden unter Tag eingeschlossen. Nach über 2 Wochen wurden die Eingeschlossenen mit ersten Rettungsbohrungen in 700m Tiefe und 5km Weglänge vom Einstieg entfernt erreicht. Es dauerte 69 Tage bis die Bergleute gerettet werden konnten. Die Mine ist seither geschlossen und über eine Aussichtsplattform erhalten wir viele Informationen, sogar in Englisch. Eindrücklich!

 

Zurück an der Tankstelle waschen wir noch das Auto und unsere „Perser“, die hoffentlich an der Sonne gut trocknen.

 

Mit einem sauberen Auto und trockenen Teppichen fahren wir am nächsten Morgen los. Es geht Richtung Paso San Francisco, die Strasse führt an Minen vorbei durch ein Tal fast ohne Vegetation. An mehreren Stellen wird an der Strasse gebaut. Das heisst, wir fahren durch schlammige Pisten! Unser Auto ist von salzigem Schlamm einbetoniert, unglaublich wie es aussieht! Trotzdem geniessen wir diese Landschaft und sind schon bald auf über 3000m. Der Wind ist hier ziemlich stark und so bleiben die Fenster auch während der Mittagspause geschlossen. Kurz vor dem Grenzposten biegen wir nordwärts ab Richtung El Salvador. Zuerst geht es über ein Hochplateau und schlussendlich wieder sehr kurvig weiter über einen Pass von 4200m bis El Salvador. Ab und zu eine Mine und sonst nichts. In Diego de Almagro übernachten wir dann an der Tankstelle. Diese kleine Stadt lebt vom Bergbau. Natürlich haben wir nicht damit gerechnet, dass die ganze Nacht Laster zum tanken kommen. Zum Glück haben wir einen guten Schlaf! Hier sieht man auch, wie riesige Lkws Kupferplatten abtransportieren.

 

Da wir nicht an die Küste wollen wegen dem Nebel, geht es weiter nordwärts. Doch nach etwa 100km hört die gute Piste auf, vermutlich gibt es keine Minen mehr! So müssen wir auf einer sehr schlechten Piste ein kurzes Stück zurück auf die Panamericana, bevor wir nach Taltal abbiegen und auf der Ruta 1 der Küste entlang fahren. Es ist neblig und wir freuen uns, dass uns die Ruta wieder in die Berge führt, bis zum Observatorio Paranal. Kurz vor dem Eingang übernachten wir auf 2400m, mitten in der Wildnis! Ein toller Sonnenuntergang in den Bergen und eine tolle Sicht auf das Observatorium können wir noch geniessen. Bevor wir Licht anmachen, werden alle Fenster verdunkelt. Auf einem Schild werden die Autofahrer darauf hingewiesen, dass nachts mit Standlicht zum Observatorium gefahren werden muss, damit es keine Lichtverschmutzung gibt. Dafür ist die Strasse alle 5m mit Reflektoren mit Solarpanel ausgerüstet, die rot leuchten. Wir wollen den Sternenhimmel auch betrachten und wagen uns um 23 Uhr in die stockdunkle Nacht. Fantastisch! Klarer Himmel, leuchtende Sterne! So extrem haben wir das noch nicht erlebt. Am Morgen nehmen wir dann an der Führung teil. Das Observatorium Paranal wird von der Europäischen Südsternwarte ESO betrieben. In den frühen 1990 Jahren wurde hier der Gipfel von seiner ursprünglichen Höhe auf ein Plateau heruntergesprengt für die Teleskope. Hier steht das grösste Teleskop der Welt mit einem Spiegeldurchmesser von 8.2m. Ca. 130 Personen leben in einer „Residencia“ die halb in den Berg gebaut wurde und mit einer Kuppel gedeckt ist, die nachts völlig verdunkelt wird. Im Innern hat es einen Pool und tropische Pflanzen, eine Wohlfühloase! Täglich müssen, aus 80 km Entfernung, Tanklastzüge Wasser und Treibstoff sowie alles für den täglichen Gebrauch hergebracht werden. Eine Gasturbine erzeugt Strom und die Fahrzeuge werden in einem grossen Werkgelände vor Ort gewartet. Das Observatorium steht allen Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung. Doch muss zuerst Antrag gestellt werden um hier Forschungsaufträge aufzugeben oder selber vor Ort zu forschen. Die Führung ist sehr beeindruckend und erstaunlicherweise gratis.

Nach dem Mittag geht unsere Reise dann weiter nach Antofagasta. Ziel ist es einen Camping zu finden, um dann mit Sammeltaxi oder Bus in die Stadt zu fahren. Wir brauchen auch unbedingt eine „Geldmaschine“! Antofagasta ist bekannt unter Reisenden, denn hier wird auch eingebrochen! Leider finden wir keinen Camping und eine ATM die funktioniert ist auch nicht zu finden ausser mitten im Zentrum bei den Banken. Aber hier finden wir keinen Parkplatz. Schlussendlich kurven wir zu einem vermeintlichen Parkplatz, der aber leider nicht öffentlich ist. Der Parkwächter hält einen englischsprechenden Fahrzeughalter an, der übersetzt und wir dürfen hier parkieren bis wir Geld geholt haben. Super, wir steigen ins Auto des „Helfers“ ein und er bringt uns wenige Meter weiter. Hier wartet eine Frau, die uns durch einen Markt führt und uns dann die Bank zeigt. Genial, wir können Geld abheben und gehen zurück zu unserem Parkwächter. Leider können wir hier nicht stehen bleiben. So fahren wir zum Strand und stellen uns hinter ein chilenisches Wohnmobil. Was sehe ich da? Der hat doch einfach an der Stromleitung der Stadt sein Womokabel angeschlossen und zupft Gratisstrom! Wir brauchen keinen Strom und versuchen mit den Pennern die hier umherhängen Kontakt aufzunehmen. Sie sind alle nett und lassen uns dann in Ruhe. Beat bleibt beim Auto und ich gehe gleich um die Ecke in den „Lider“ einkaufen. Einen so grossen Laden habe ich nicht einmal in Amerika gesehen. Dann ist es noch Samstagabend! Natürlich liegt der Eingang nicht bei den Lebensmitteln. Nein ich muss vorbei an Pneus, Kühlschränken, Matratzen, Kleidern etc. mich durch die Massen kämpfen bis zu den Lebensmitteln! Na ja, es dauert, aber schlussendlich habe ich meine Ware! Beat geht anschliessend an den Strand. Hier wird gebadet und Musik gemacht. Ob wir wohl schlafen können? Und wir staunen nicht schlecht, es ist relativ ruhig, und wir schlafen gut. Am Morgen kommt dann das böse Erwachen. Hat uns doch jemand einen Scheibenwischer gestohlen! Na ja, zum Glück nur einen Scheibenwischer!

 

Hier regnet es ja nicht, und so fahren wir durch die Wüste, vorbei an vielen Minen nach Calama. Wie schön wäre doch die Wüste, wenn nicht soviel Abfall deponiert würde. Vor allem die Plastiksäcke! Ab und zu ein Kühlschrank, Pneus etc. Zudem haben wir den Eindruck, dass überall gegraben wird. Immer wieder Minen die geschlossen sind und ganze Orte die zerfallen. Schade! Dafür wurden an allen Kreuzungen alle 10m eine Strassenlampe aufgestellt jeweils mit einem Solarpaneel. In Calama finden wir einen Camping. Hier wollen wir wieder einmal vieles erledigen. Zuerst geht es aber ins Office der grössten Kupfermine der Welt. Chuquicamata kann man besichtigen und wir haben Glück, am Nachmittag können wir auf die Tour. Dann geht es zu Nissan, wir brauchen neue Scheibenwischer. ¾ Stunden dauert es, bis sie montiert sind. Chiletime! Und jetzt Autowaschen. Das Salz und die betonharten Ablagerungen von den Baustellen müssen endlich weg. Dank dem App Ioverlander finden wir eine Autowäscherei. Und die machen das super, vor allem auch unter dem Auto. Herrlich, alles ist wieder sauber! Jetzt ist es aber bereits Zeit für die Führung. Wir können das Auto hinter Gitter abstellen und fragen uns, ob wohl hier in der Stadt die Kriminalität auch so gross ist, denn alle Häuser sind mit Mauern oder Gittern verbarrikadiert. Mit dem Bus geht es dann zur etwa 15km ausserhalb der Stadt gelegenen Mine. Vorbei an anderen Abbaustellen erreichen wir die Geisterstadt Chuquicamata. Die Bewohner wurden 2004 umgesiedelt wegen dem aus der Kupfergewinnung resultierenden Feinstaub der die Ursache für viele Krankheiten ist. Zudem ist die Kupferproduktion der grösste Umweltverschmutzer im Umkreis. Die Arsen und anderen giftigen Chemikalien enthaltenden Abwässer wurden jahrzehntelang direkt  in die Wüste entsorgt und verseuchten die Landschaft. Heute wird ein Teil der Abwässer für die Produktion wieder aufbereitet. Die Mine selbst ist der bedeutendste Kupferproduzent weltweit und gehört seit 1971 dem Staat. Der Tagbau ist ungefähr 4,3km lang, 3km breit und 1,1km tief. Das Erz wird mit Muldenkippern mit einem Fassungsvermögen von 250t an die Oberfläche transportiert. Der Weg vom Abbau bis zur Weiterverarbeitung ist 12km lang und ein Hin und Rückweg dauert eine Stunde. Da weitere Vorkommen bis 1.8km Tiefe gefunden wurden, wird seit kurzem im Untertagbau abgebaut. Diese Produktionsart soll laut Studie im Jahr 2020 ihre volle Kapazität von 45 Millionen Tonnen Erz pro Jahr erreichen. Wir sind beeindruckt von der Grösse, dem unglaublichen Staub, der Geisterstadt, der Verschmutzung etc. Alles in den Superlativen! 

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