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La Paz - Corumba

Wir fahren bereits um 7.15 Uhr bei Tagesanbruch los, und hoffen vor dem grossen Chaos durch La Paz zu kommen. Die wohl schrecklichste Fahrt bezüglich Piste, Verkehr, Verkehrsführung und Wetter von La Paz bis Rurre dauert 13 Stunden. Zuerst geht es kurz sehr steil runter auf ca. 3100m. Dann durch die Stadt immer aufwärts. Eine Stunde brauchen wir für 14km, 24 riesige Bumps, viele Lichtsignale und 1100m Höhendifferenz bis zur Tankstelle gleich ausserhalb von La Paz. Das heisst anfahren, halten, anfahren und das bei Steigungen bis zu 25%! Die alte Gotthardstrasse hat eine max. Steigung von knapp 12%!  Wir sind auf 4200m und nach einer weiteren Viertelstunde auf dem Pass von 4700m. Ab jetzt sind wir alleine unterwegs ausser ab und zu ein Bus oder LKW. So können wir bei Traumwetter die Landschaft geniessen. Nach einer weiteren Stunde sind wir von 4200m auf 1200m runter gefahren! Die Landschaft hat sich verändert, es ist grün, immer mehr Bäume und vor uns Nebel und Wolken, wir kommen langsam ins Tiefland. Nach einer Brücke, die im Einbahnverkehr (wegen defekter Fahrbahn) befahren werden muss, kommt ein Hinweisschild, das einem auffordert, ab jetzt die linke Fahrbahnhälfte zu benutzen. Kurz danach eine weitere Tafel die signalisiert, dass man links fahren muss, aber 5m weiter eine Tafel dass man rechts fahren muss. Was ist nun richtig? Auf der Strasse sind rote Pfeile, etwas verwaschen, und niemand auf der Strasse. Ich fahre rechts weiter und nach 500m kommt die erste Rechtskurve. Ein Lastwagen kommt auf meiner rechten Strassenseite daher! Am rechten Strassenrand Felsen und eine tiefe Wasserrinne. Zum Glück ist diese genau an diesem Ort mit Geröll gefüllt, ich weiche nach rechts aus, spüre die Wasserrinne unter den Rädern, also wieder leicht nach links, es kracht hinten, und vorne weicht der Lastwagen auf die andere Seite aus. Wir stehen, steigen aus, und die Bolivianer schütteln den Kopf und erklären uns, dass wir viele Kilometer auf der linken Seite fahren müssen! Wieso, wissen wir nicht, die Strasse ist geteert und breit genug.

 

Unsere Kabine  ist lädiert! Die Türe geht kaum mehr zu, das äussere Türfenster ist defekt und die Seitenwand hat einige Dellen, zum Teil bis zur Isolation. Wir fahren auf einen Ausstellplatz und kleben als erstes alle defekten Stellen mit grauem Tape ab, sodass kein Wasser eindringen kann. Dann geht es weiter auf der „falschen“ Strassenseite und plötzlich krachts. Wir schauen uns an, was soll das? Am Strassenrand halten wir an und schauen in unser Stübli. Oh Schreck, der Tisch hat sich selbständig gemacht! Die Bodenverankerung ist gebrochen! Also Tisch auf dem Bett befestigen und weiter geht die Fahrt. Wir fragen uns, ob denn das nie aufhört mit dem Pech. Wir fahren weiter talwärts und plötzlich wird die Strasse zur Piste, schmal und wenig Ausweichstellen. Der entgegenkommende beladene Schwerverkehr nach La Paz fährt immer mit Vorfahrt bergseitig, der leichtere Rückverkehr immer talseitig. In den Einbahnbereichen sind alle Ausweichstellen talseitig. Jetzt wissen wir also weshalb wir auf der falschen Seite fahren müssen. Wir haben auf die Fahrt des berühmten „Camino de la muerte“ verzichtet, da wir keine Lust hatten Gefahren herauszufordern. Und nun ist die Strasse vergleichbar mit der „Deathroad“! Da aber alle langsam unterwegs sind, ist alles nicht so gefährlich wie es teilweise aussieht.

 

Dann aber kommt Nebel auf, stockdicht, man sieht kaum vor das Auto! Die Strasse wird zur Schlammpiste, führt noch immer der Bergflanke entlang und wir noch immer auf der falschen Fahrbahn! Schmal, unübersichtlich. Endlich geht der Nebel wieder etwas weg. Aber da ist ein Lastwagen im Morast steckengeblieben. Zum Glück an einer breiten Stelle, einem Bachbett, das zum Glück kein Wasser führt. Wir steigen aus und erkunden zu Fuss die Alternative um den Lastwagen zu umfahren. Unterdessen kommt ein kleiner Bus und wir schauen uns mal an wo dieser durchfährt. Beat fährt los und ich leite ihn durch die tiefen Spurrinnen zwischen grossen Steinen durch. Es geht langsam, zweimal muss noch korrigiert werden! Na ja, wir schaffen auch das. Kurz nach 17.00 Uhr erreichen wir die Schranke, ab der die Strasse nur ab 17.00 Uhr befahren werden darf, weil sie geteert wird. Wir übernachten nach der Baustelle an der Tankstelle, denn es ist inzwischen dunkel! Am nächsten Tag fahren wir dann auf Asphaltstrasse nach Rurre und zum Camping „El MIrador“ mit Pool und einem herrlichen Ausblick auf die Stadt und die Pampa! Nun ist es heiss, tropisch!

Hier buchen wir einen Dreitagestripp in die Pampa zum Park Yacuma. Zuerst geht es 100km mit dem Auto auf einer schlechten Piste in die Pampa. Beim Einsteigen in das Boot welches uns bis zum Ökocamp bringt erfahren wir, dass die Schweiz an der EM ausgeschieden ist! Im Camp beziehen wir unsere wunderschöne Hütte. Am ersten Tag fahren wir den ganzen Nachmittag auf dem Fluss und bestaunen die Vielfalt der Fauna und der Flora. Faultiere, Affen, Alligatoren, Kaimane, Schildkröten die an der Sonne liegen, viele verschiedene Vogelarten, sowie die rosafarbenen Flussdelfine. Am zweiten Tag sitzen wir um 6.00 Uhr früh bereits wieder im Boot. Während der Morgendämmerung lassen wir uns ohne Motor den Fluss runtertreiben. Jetzt sind die Flussdelfine sehr „gwundrig“, sie schwimmen um unser Boot, während die Vogelwelt erwacht. Die Affen machen einen unglaublichen Lärm und die Stimmung mit dem Sonnenaufgang ist traumhaft! Nach zwei Stunden sind wir zurück zum Frühstück. Dann geht es nochmals ins Boot. Wir fahren an eine Stelle, von wo wir zu Fuss in die Pampa gehen. Dazu erhalten wir im Camp Gummistiefel mit denen wir, bewaffnet mit einem Stock, im seichten Wasser umherstampfen auf der Suche nach Anakondas! Ich bin nicht so erfreut, dass wir durch bis zu 40cm hohes Wasser waten müssen und überall könnte es Schlangen haben! Man sieht nicht wo man draufsteht, das Gras ist teilweise hoch und überhaupt, mir macht das keinen Spass. Es ist heiss, Mücken hat es auch und was sehen wir? Eine tolle Landschaft, wirklich eindrücklich! Unser Führer findet noch einen jungen kleinen Alligator. Ich bin sehr froh nach 2 Stunden wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.

 

Am Nachmittag sind wir noch die einzigen Gäste. Wir besteigen wieder das Boot und der Führer besorgt uns Regenmäntel, denn es sieht verdächtig nach Regen aus. Wir haben hier Trockenzeit und eigentlich sollte es nie regnen. Aber das Wetter spielt auch hier verrückt. Zu Fuss geht es jetzt durch die Pampa und unser Führer, der in einer Community im Dschungel des Nationalparks lebt, erzählt uns viel über die Pflanzen und bastelt mir aus Blättern einen Fächer. Die Kokosnüsse hier sind sehr klein und es wird Öl aus ihnen produziert. Er erzählt auch über seine Community, wie er „nur“ 4 Kinder hat, die meisten Leute haben bis zu 10 Kinder. Sie gehen in der Community für 5 Jahre in die Schule und wenn sie nach Rurre in die weiterführenden Schulen gehen, müssen sie mit dem Boot eine halbe Stunde fahren. Die meisten Leute haben dafür kein Geld. Die Community produziert vor allem Früchte die sie auf dem Markt verkaufen und besteht aus fünf Familien mit ca. 100 Personen. Im November/Dezember, dem Höhepunkt der Regenzeit, ist die Community durch den hohen Wasserstand von der Umwelt abgeschnitten. Plötzlich donnert es und eine schwarze Regenfront nähert sich. Wir beeilen uns, zurück auf das Boot und ins Camp zu kommen. Da kommen wir zum Glück noch ohne Regen an. Die Regenfront zieht einige km an uns entfernt vorbei. So haben wir Zeit und unser Guide sägt uns aus Kokosnüssen zwei Ringe, die wir dann zurechtschleifen und polieren. Genau an unserem 40. Hochzeitstag! Sie sollen aber nur fünf bis zehn Jahre halten und keinesfalls wieder vierzig. Beat ist sehr beruhigt!!!

 

Am Abend bitten wir dann um eine Wolldecke, denn es hat extrem abgekühlt und der kalte Wind zieht durch unsere Hütte. Die eiskalte Dusche ist auch gewöhnungsbedürftig! Am Morgen geht es wieder ins Boot und wir erhalten zwei Regenschütze als Windschutz. So fahren wir nochmals 2 ½ Stunden auf dem Fluss, finden einige Affen, Capybaras die mit den Meerschweinchen verwandt sind aber bis 60 kg schwer sind, viele Vögel und einen Kaiman, der aber sofort wegtaucht. Auch die Delfine zeigen sich wieder und ein Faultier hängt in einem Baum. Wir haben die Tage genossen und freuen uns aber wieder auf unser Heim.

 

Heute Morgen schreibe ich Website und Beat liegt unter dem Auto. Es muss wieder mal alles gescheckt werden. Und schon ruft er! Das heisst nichts Gutes! Und wirklich, er hat kleine Risse entdeckt. Nichts sehr Schlimmes, aber eben Risse. Dann ist bei der Blattfederbefestigung etwas nicht gut. Das Reserverad hat auch keine Luft! Also packen wir, und fahren zur Werkstätte. Während die Blattfedern abmontiert, geschweisst und alles wieder  zusammengesetzt wird, sitze ich auf einem Bänklein und schreibe. Beat ist beim Arbeiter und kontrolliert. Die können ja viel, aber es geht alles ein bisschen grob zu und her! Über den Mittag ist natürlich wieder Siesta für 2 Stunden. So laufen wir die 3km in die Stadt, essen etwas, und sind bei Arbeitsbeginn wieder zurück. Endlich, am späteren Nachmittag ist das Fahrzeug fertig. Nun müssen wir noch am Reserverad einen neuen Ventilinnenteil bei der Gomeria montieren lassen. Dann geht es in die Stadt um unsere Wäsche abzuholen und noch wenig einzukaufen. Wir wollen morgen endlich weiter, ostwärts Richtung Brasilien.

So fahren wir die ersten 100km auf guten Strassen zurück nach Yakuma, tanken noch an der Tankstelle bei der wir auf dem Hinweg übernachtet haben. Der nette Tankwart verlangt nur den Einheimischen Preis und als wir ihm ca. Fr. 0.75 Trinkgeld geben, staunt er und ist hocherfreut! Dann fahren wir ostwärts, Richtung Trinidad. 200km Schotterpiste und meistens Baustelle. Wir müssen uns teilweise den Weg suchen durch die breiten Baustellen, vorbei an riesigen Baumaschinen. In San Ignatio de Moxos übernachten wir mitten in der Stadt am Hauptplatz und staunen wieder, dass hier im Tiefland Boliviens sooooo viiiiieeeele Motorradfahrer umherschwirren. Seit wir im Tiefland sind verfolgen sie uns!

 

Die Strecke vor Trinidad ist wiederum Baustelle, 80km. Kurz vor Trinidad dann das Highlight des Tages! Wir kommen an den Fluss. Zuerst geht es eine Schlammpiste steil hinunter, schlussendlich über Bretter auf ein Holzfloss. Ich frage den „Chef“ für was für ein Gewicht das Floss ausgelegt sei. Die lakonische Antwort: für 10t! Na also, dann mal los, drauffahren und über den Fluss. Die Abfahrt wird viel schlimmer! Ich steige mal über den Morast und die Bretter aus und zeige den Boys wo sie noch Sand hin schaufeln müssen, damit Beat einigermassen sicher vom Floss fahren kann. Es klappt dann auch und die Fahrt kann weiter gehen. Nach Trinidad dann endlich „Asfalto“. Wie schön, wie angenehm. Zügig geht es durch langweilige Pampa und wir erreichen Yotau mit einer modernen Tankstelle. Da tanken wir noch für den Touristenpreis, der diesmal nur knapp das Doppelte beträgt. Zudem sehen wir noch das Penaltyschiessen von Polen- Portugal und schlussendlich staunen wir hier über die Mennoniten, die aus einem Bus steigen. Später lesen wir im Reiseführer, dass in dieser Gegend sehr viele Mennoniten leben.

 

Nach einer ruhigen Nacht fahren wir weitere 80km auf guter Strasse und biegen dann auf die „Jesuitenstrasse“ ab. Wir freuen uns, dass die Strasse weiterhin gut ist und sind überwältigt von der ersten Jesuitenkirche in San Javier. Im 17Jh. hat der Schweizer Jesuit, Architekt und Musiker Martin Schmidt in dieser Gegend mehrere Kirchen aufgebaut um die Städte gewachsen sind. Die Jesuiten brachten den Einheimischen nebst Mais und Weizen auch die Musik und das Schnitzerhandwerk. Beides wurde im letzten Jahrhundert, wiederum durch einen Schweizer Jesuiten, Hans Roth, wieder belebt und die Musik, sowie die Schnitzerkunst haben hier Tradition. Roth hat mit Hilfe der Einwohner die Kirchen auf eindrückliche Art restauriert und heute sind etliche Weltkulturerbe. Wir sind begeistert! Die Kirchen in San Javier, Concepcion und San Miguel sind verschieden und doch gleich, eindrücklich und aussergewöhnlich gut restauriert. In San Miguel übernachten wir auf dem Hauptlatz. Gegen 19.00 Uhr, es ist bereits dunkel, sehe ich aus unserem Stübli, dass die Kirche offen ist und viele Leute vor der Kirche stehen, zudem wird gesungen. Wir sind „ und wollen uns das ansehen. Unglaublich, die Kirche ist mehr wie voll, die Leute stehen sogar noch. Leider ist die Messe vorbei und alle Leute strömen aus der Kirche. Da entdecke ich eine europäische Nonne und ich spreche sie an. Dabei stellt sich heraus, dass sie aus Österreich kommt und schon 50 Jahre hier lebt. Sie freut sich Deutsch zu sprechen und redet eine halbe Stunde auf uns ein. Wir erfahren sehr viel über Roth, die Kirche und die Leute hier, haben aber fast keine Möglichkeit eine Zwischenfrage zu stellen. Ja, wir wissen nicht einmal ihren Namen, denn sie redet und redet und plötzlich merkt sie, dass sie zu spät zum Nachtessen kommt und rennt davon! Wir kommen nicht aus dem Staunen heraus!

 

Nachdem gestern die letzten 40km eine riesige Katastrophe war, die Strasse war einfach schrecklich, hoffen wir fest, dass es heute wieder ein bisschen besser ist. Na ja, Piste, aber doch ein wenig besser. So besuchen wir noch die Kirche in San Rafael, bevor wir die letzten 160km Piste hinter uns bringen. Endlich, wir haben die Abzweigung nach Brasilien erreicht, schauen uns noch eine letzte Jesuitenkirche an und dann geht es ostwärts nach Brasilien. Auf dem Camping Agua Caliente übernachten wir an einem Fluss mit 40 Grad warmem Wasser! Da wir aber den ganzen Tag schon so heiss hatten, geniessen wir nicht den Fluss, sondern unsere kühle Dusche! Morgen sind wir in Brasilien und werden uns erst mal von den Strapazen und den wunderbaren Eindrücken in Bolivien erholen.

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