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Valdes - Villa La Angostina

Auf dem Weg in den Nationalpark Valdes wollen wir am Strand El Doradillo übernachten. Ein riesiger steilabfallender Kieselstrand mit viel angeschwemmtem Grünzeug erwartet uns. Wir wollen aber nicht baden, dazu ist es zu kalt und der Wind bläst zu stark. So stellen wir das Womo so an den Strand, dass wir von unserem Stübli direkt aufs Meer sehen und trauen unsern Augen nicht! Auf einen Blick sehen wir sicher zehn Wale mit ihren Jungen! Sofort ziehen wir die warmen Jacken und die Mützen an und los geht`s an den Strand runter. Einer ist nur ca. 10m vom Strand entfernt. Die Mütter der „southern right wales“ werden bis 15m lang und 30t schwer. Die Jungen kommen mit einer Grösse von 5,5m und einem Gewicht von 1,5t auf die Welt. 8 Monate werden sie gesäugt und bleiben zusammen. Dann geht es auf Wanderschaft und erst nach 2 Jahren kommen die Mütter wieder an diesen Ort zurück zur Reproduktion. Die Schwangerschaft dauert dann ein Jahr. Zu dieser Jahreszeit sieht man vor allem die Mütter mit ihren Jungen die auch aus dem Wasser springen und Kapriolen machen. So beobachten wir etwa drei Stunden die Wale bis es dunkel wird. In der Nacht hört man sie dann blasen, prusten, grunzen und weitere Laute. Super!(siehe Kurzfilme unter "Filme"

 

Während dem Frühstück dann dasselbe nochmals, da wieder Flut ist. Genial! Wir bleiben eine weitere Nacht und sehen den ganzen Tag Wale, näher und weiter entfernt vom Strand. Dann aber zieht es uns weiter in den Nationalpark. Wir bezahlen den Parkeintritt und sehen uns das interessante Touristeninfocenter an bevor wir weiterfahren nach Puerto Pyramides. In der einzigen Ortschaft im Nationalpark tanken wir zuerst noch Wasser auf. Das wird aus Meerwasser hergestellt und muss aufwendig entsalzt werden. Während des Sommers müssen für die Touristen aber täglich 300’000     Liter Wasser mit Tanklastern von Puerto Madryn herbeigeführt werden. Deshalb sind wir sind, dass wir für das Wasser nichts bezahlen müssen!

 

Und dann sehen wir unsere Bekannten, Martina und Lothar, sowie Uwe. Sie sind am Gas auffüllen von Flasche zu Flasche. Gemeinsam fahren wir dann zum Punta Pardelas. Obwohl man eigentlich nicht im Park übernachten darf, werden Camper an diesem Ort von den Parkwächtern toleriert. Eine wunderschöne Bucht treffen wir an und stellen uns zu den anderen Womos. Die ersten Tage haben wir nicht viel Wind, sehen hier aber trotzdem nicht viele Wale. Einige Jungtiere springen ab und zu in weiter Ferne. Wir wandern die Küste entlang, bestaunen die vielen Seevögel, unter anderem Kormorane und bewundern die herrlichen Sonnenuntergänge. Am 3. Tag halten die Parkwächter neben unserem Womo an. Wir befürchten schon, dass sie uns wegschicken. Aber nein, sie sind gut aufgelegt und haben nur ein einziges Problem. Kein heisses Wasser für ihren Mate-Tee! Das hingegen ist für uns kein Problem, und so koche ich kurz 1l Wasser für die zwei Herren. Andere Touristen spenden noch Mate-Tee-Kräuter und so sind die Parkwächter zufrieden, und wir natürlich auch. Heute wird es so warm, dass wir ohne Jacke im Freien sitzen können und uns fast einen Sonnenbrand holen!

Dann aber kehrt das Wetter! Es beginnt zu stürmen und regnet die ganze Nacht. Und es regnet und regnet und stürmt immer mehr. Einen ganzen Tag machen wir keinen Schritt vor’s „Haus“, d.h. wir bewegen uns lediglich auf unseren 5m2! Obwohl das Meer während der Flut fantastisch anzuschauen ist, gefällt mir die Situation überhaupt nicht. Im Sturm wackelt unser Auto bedenklich und die zweite Nacht kann ich kaum schlafen.  Wir entscheiden uns aufzubrechen. Es hat aufgehört zu regnen und wir hoffen, dass wir die steile Sandpiste, vom Strand auf die befestigte Naturstrasse, mit zugeschaltetem Allrad und Differenzial bewältigen können. Es schlingert zwar, aber wir schaffen es und fahren langsam zurück nach Puerto Piramides. Hier kaufen wir ein, holen Wasser und stellen uns auf den Campingplatz, windgeschützt durch Sanddünen. Morgen soll das Wetter besser sein und dann werden wir eine Bootstour zu den Walen machen!

 

Und wirklich, am Morgen ist es beinahe windstill. Wir machen uns auf zur Bootsanlegestelle. Hier erhalten wir eine Schwimmweste und schon geht es los. Und wir sehen die Wale! Sie schwimmen und tauchen neben unserem Schiff auf! Herrlich! Ein unvergessliches Abenteuer!

Der Wind verstärkt sich wieder am nächsten Tag. Wir entschliessen uns wieder nach El Doradilla zurück zu fahren. Die Rundfahrt über die Halbinsel streichen wir. Die Strassen sind nass und sehr gefährlich. Zudem sind zur Zeit nicht so viele Pinguine da und bei den Seelöwen muss man noch zusätzlich bezahlen. Wir werden auf dem Weg nach Ushuaia noch viele Pinguine und Seelöwen sehen. Bevor wir aber aus dem Park fahren machen wir einen kleinen Abstecher zur Vogelinsel. Eine herrliche Bucht erwartet uns. Mit dem Feldstecher beobachten wir tausende Vögel auf der Insel. Unterwegs sehen wir noch einige Guanakos, Verwandte der Lamas.

 

Wir erreichen El Doradilla bei Ebbe und müssen uns bis zum Morgen gedulden bis wir nochmals Wale sehen. Doch bevor wir uns auf den Weg nach Punta Madryn machen sind sie wieder da. Da wir Einiges zu erledigen haben und es Samstag ist, müssen wir trotz der Wale aufbrechen. Wäsche zum Waschen bringen, eine neue Wind- und Regenjacke (unsere ist nicht mehr wasserdicht!), Hustenmedikamente (mein Husten kommt immer wieder), Lebensmittel, Uhrenbatterie (Beat ist zeitlos!) etc. einkaufen. Da wir schlussendlich auf die Wäsche warten müssen, fahren wir südwärts der Küste entlang und hoffen Seelöwen zu sehen. Und tatsächlich, wir finden sie. Bei stürmischem Wind, gehen wir zu Fuss zu der Steilküste. Es weht uns fast weg! Aber wir sehen tief unter uns unsere ersten Seelöwen. Die Kormorane sitzen auf den Klippen. Herrlich, ihnen zuzuschauen wie sie auf den Klippen landen. Weil der Wind so stark ist, fliegen sie gegen den Wind an und landen dann, vom Wind getrieben, rückwärts auf den Klippen! Unglaublich!

 

Nun noch die Wäsche abholen und dann zurück nach El Doradillo. Wir bleiben nochmals zwei Nächte an diesem tollen Strand und erleben wieder dutzende von Walen. 

Dann aber wollen wir endlich wieder weiter. Es geht zu den Pinguinen. Zuerst noch an einer Tanke auf der Ruta 3 Wasser tanken und Zeitung herunterladen (jede Tankstelle hat freies Wifi!) und dann Richtung Süden auf der Schotterstrasse R1. Wir geniessen die Pampa. Kein Lastwagen, kein Auto, die ganze Natur nur für uns allein! Nach etwa 100km erreichen wir Punta Tombo, ein Nationalpark, der Ort mit den Pinguinen. Wir lösen das Ticket und schauen uns die interessante Touristeninfo an. Dann geht es zu Fuss auf den angelegten Wegen an tausenden von Pinguinnestern mit Pinguinen vorbei. Hier leben über 200`000 Pinguinpaare! Sie zeigen keine Scheu und die Touristen verhalten sich sehr diszipliniert. Man bleibt auf den Wegen! Zum Teil sind die Nester direkt am Weg, oft spazieren die Pinguine über den Weg und man lässt ihnen den Vortritt. Dazu rufen die Männchen ihren Weibchen, es ist ein grosses Gekreische. Aber kein Wunder, die Pinguine haben ihre Nester bis zu 800m im Landesinneren! Das heisst, der Weg vom Strand ist sehr lang für die kleinen Tiere und die Suche nach dem Partner sehr schwierig bei einer so grossen Population. Wir können uns kaum sattsehen. Es ist unbeschreiblich. (siehe Kurzfilm unter "Filme")

 

Leider können wir an diesem einmaligen Ort nicht übernachten. So fahren wir auf der schönen Ruta 1 weiter und kommen an einen verlassenen Ort mit Ruinen und einem kleinen Camping, Cabo Rasa. Da es bereits 17.00 Uhr ist, bleiben wir hier und fahren erst am nächsten Morgen weiter nach Camarones. Gestern haben wir kein einziges Auto getroffen und heute auch erst 15 Minuten vor Camarones. Hier wollen wir auf den Camping, denn es regnet ab und zu kurz. Morgen fahren wir dann zu den Pinguinen am Cabo Dos Bahias. Wir machen noch einen Halt im Touristenoffice. Die gute Dame da freut sich sehr über unseren Besuch. Endlich kann sie wieder ihr Englisch praktizieren. So erzählt sie uns eine halbe Stunde in gebrochenem Englisch alles über den Ort. Hier, d.h. etwa 40 km südlicher, sind die ersten Spanier in Patagonien gelandet. Und Juan Peron ist hier geboren und hat die ersten Lebensjahre hier verbracht. Natürlich gibt es dazu auch Museen. Schlussendlich erzählt sie uns auch noch, dass der Nationalpark mit den Pinguinen zur Zeit geschlossen ist wegen Unterhaltsarbeiten! So ein Mist! Zum Glück war der Weg hierher so wunderschön und weiter südlich werden wir noch viele Pinguine sehen!

 

Wir wollen aber wieder einmal schreiben und vor allem am Abend Seafood essen, d.h. Beat will das, ich hoffe auf ein anderes Menü! Camarones (zu deutsch „Garnelen“) macht seinem Namen alle Ehre: Hier sollen die besten Krevetten in Argentinien aus dem Meer gezogen werden! Nachdem wir zuerst erfolglos ein offenes Restaurant gesucht haben, hören wir jemanden Deutsch sprechen. Diese Touristen sind mit einer Reiseführerin unterwegs und die hat in einem Restaurant vorgebucht. Da Offseason ist, ist nämlich alles geschlossen! Wir freuen uns, dass wir sie begleiten dürfen. So kommt Beat zu seinen „Camarones“ und ich zu meinem Fisch und das erst noch in netter Begleitung.

 

Bei kaltem Wetter fahren wir zurück zur Ruta 3 und in Richtung Comodoro Rivadavia. Eigentlich wollen wir nach etwa 100km abzweigen auf die Ruta 27, eine Schotterstrasse nordostwärts. Aber leider gibt es über 150km keine Tankstelle mit Eurodiesel. So landen wir in Comodoro. Da es schon wieder Nachmittag ist, bleiben wir auf einem Campingplatz. Morgen wollen wir die Ruta 27 fahren.

Aber manchmal kommt alles anders. Das Wetter ist wieder schlechter und es sieht nach Regen aus! So planen wir wieder um. Wir fahren auf der Hauptstrasse zur Ruta 40 und wie geplant nordwärts. Ziel ist es nach Bariloche zu fahren und dort über die Grenze nach Chile. Erstens ist es 800km nördlicher sicher wärmer, zweitens müssen wir für ein Paar Tage nach Chile da man nur drei Monate in Argentinien an einem Stück bleiben darf. Zurück in Argentinien wollen wir dann die „Argentinische Schweiz“ und einige Nationalpark um Bariloche besuchen  um danach auf der Ruta 12 und 27 wieder an die Ostküste zu gelangen. In 6 Wochen wird es da sicher wärmer sein.

 

Wir fahren an hunderten von Ölförderpumpen vorbei durch hügeliges Land bis wir nach etwa 110km auf eine Schotterpiste abzweigen. Oh wie schrecklich! Wellblech! Dann fahren wir noch zu weit und müssen umkehren. Schlussendlich finden wir sie aber, die versteinerten Bäume! Die Mühe hat sich gelohnt, der Nationalpark ist fantastisch. Die Gegend wirkt wie eine Mondlandschaft. Trotz spärlicher Vegetation finden wir überall kleine Blümchen die den Frühling anzeigen. Und die Stämme sind auch wunderschön. Nicht so mächtig wie in Amerika, aber einfach schön in dieser Umgebung. Leider dürfen wir hier nicht übernachten und so fahren wir zum nahen Lago Musters. Wieder über Wellblechpiste geht es direkt an den See. Stockdunkle Nacht, kein Laut, einfach Ruhe pur!

Auf der Weiterfahrt sehen wir wieder einmal Flamingos und schon bald sind wir auf der Ruta 40. Durch die Pampa geht es nordwärts. Die Strasse ist teilweise in einem sehr schlechten Zustand, die Gegend eintönig und trotzdem finden wir es schön. Plötzlich sehen wir die ersten Andengipfel, bedeckt mit Schnee. Die Anden sind hier noch nicht sehr hoch, um die 2000m. Wir übernachten bei der einzigen  Tankstelle die wir an diesem Tag gesehen haben, wirklich in der Pampa.

 

Heute erreichen wir Esquel, mitten in den Bergen, wunderschön gelegen und prächtiges Wetter! Auf dem Camping haben wir einen tollen Ausblick in die Berge. Aber wir wollen weiter nordwärts. Hügelig ist die Landschaft, immer wieder Berge mit „Schneekappe“ und gegen Abend biegen wir in ein Seitental. Nach kurzer Fahrt soll es einen Parkplatz geben mit einem schönen Blick auf den Lago Steffen! Na ja, ob Vorfahren von mir hier waren? Der Ausblick ist tatsächlich wunderschön. Einfach schade, dass es wieder zu regnen beginnt und die Berge wolkenverhangen sind. Hier übernachten wir auch, ruhig, ganz alleine.

 

Unser nächstes Ziel ist Bariloche. Doch wir tanken nur, es regnet immer wieder und so fahren wir am See entlang Richtung Chile. Wir fühlen uns wie zu Hause in den Bergen! Im letzten Dorf vor der Grenze finden wir dann noch einen Campingplatz und spazieren trotz Regen durch das Dorf. Sind wir im Schwarzwald oder in Argentinien? Es heimelet sehr hier. Auch gibt es überall Schokolade! Beat findet das super, aber leider ist keine so gut wie eine Lindtschokolade! Morgen geht es dann nach Chile mit hoffentlich wieder besserem Wetter!

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