21. – 30. Oktober, Teheran - Grenze

Nach dem Regentag fahren wir in Teheran bei strahlend blauem Himmel weg. Wie wunderschön ist das verschneite Alborzgebirge an dem Teheran liegt. Wir umfahren die Stadt grossräumig und treffen nach etwa einer Stunde auf eine Nebenstrasse Richtung Norden. Durch wüstenhafte hügelige Landschaft geht es stetig bergauf bis wir zum höchsten Berg im Gebirge, dem Damavand mit 5671m kommen. An Villen von reichen Teheranern und an Skigebieten vorbei erreichen wir die Hauptstrasse die zum Kaspischen Meer führt. Auf halbem Weg biegen wir wieder in eine Nebenstrasse Richtung Westen und geniessen das ruhige Fahren ohne Verkehr. Im engen Tal begleiten uns viele herbstlich gefärbte Pappeln. Und immer wieder sehen wir schneebedeckte Berge bei einem strahlend blauen Himmel. Ein Traum!

 

Nach halber Strecke in Baladeh stellen wir uns auf einen Stellplatz ausserhalb des Dorfes. Hier waschen wir die Wäsche aus, hängen sie zum Trocknen auf und wollen schreiben, lesen und die Bergwelt geniessen. Nach einer halben Stunde stoppt aber ein Polizeiauto neben uns mit dem Imam vom Dorf. Die Polizei will die Pässe sehen, der Imam behält die Pässe und lädt uns zum Tee ein. So müssen wir alles aufräumen und hinter dem Polizeiauto zurück ins Dorf fahren. Hier zeigt uns die Polizei einen „sicheren“ Übernachtungsplatz, und wir müssen mit dem Imam in sein Haus. Schuhe ausziehen und im kleinen Zimmer vor einem Kerosenofen auf einen Filzteppichen am Boden sitzen! Der Imam kann kaum Englisch, verschwindet und kommt mit Tee, Guetzli (Gebäck), Äpfel und Täfeli (so heissen Bonbons in Teilen der Schweiz) daher. Wir trinken Tee, er verschwindet wieder, wir sind wieder eine zeitlang alleine, dann er kommt zurück mit Fladenbrot, Geisskäse und Nüssen. Wir bedanken uns, lehnen aber ein Abendessen dankend ab. Dann kommt der  zweite Tee. Eine Konversation ist unmöglich. Er setzt sich an seinen Arbeitsplatz am Boden vor das Notebook und hantiert mit seinem Handy. Wir diskutieren auf Deutsch wann wir aufbrechen können. Nach ¾ Stunden bedankt sich Beat für den Tee, wir stehen auf und er entlässt uns. Wir haben den Eindruck er ist froh, dass wir wieder gehen! Nun stehen wir mitten im Dorf und schliessen die Fensterläden denn es wird schon dunkel und für heute haben wir genug von Einladungen!

 

Nach einer sehr ruhigen Nacht stehen wir auf und freuen uns über den strahlend blauen Himmel. Was für eine tolle Fahrt das Tal hoch mit den herbstlichen Pappeln, den Schneebergen und den vielen Kurven! Es geht steil die Berge hoch und schon bald sind wir im Schnee, in 3100m! Und die Aussicht! Traumhaft! Weiter geht es ein Tal runter und nochmals hoch auf fast 3000m. Dann aber geht’s immer bergab bis auf die Hauptstrecke von Teheran zum Kaspischen Meer. Dieses liegt ca. 10m unter Normalnull und ist etwa 650 Mal grösser als der Bodensee. Durch eine langgezogene sehr enge Schlucht mit einer Strasse die teilweise aus dem Fels gehauen wurde, geht es bergab. Nach halber Distanz biegen wir dann wieder in eine Nebenstrasse Richtung Westen und fahren an vielen Villen vorbei bis wir auf die Strasse entlang des Kaspischen Meeres stossen. Verkehr, Verkehr, Stadt an Stadt gebaut! Wir fragen bei einem Polizeiposten nach einem Camp, und werden in ein nahegelegenes verwiesen! Hier können wir ruhig übernachten. Alles ist schon für den Winter vorbereitet. Wir fragen uns wie das aussehen muss im Sommer, denn was wir hier vorfinden ist Abfall und Schmutz ohne Ende!

 

Wir fahren nochmals einen ganzen Tag dem Meer entlang. Leider gefällt es uns hier nicht. Unterwegs besuche wir noch ein Freilichtmuseum für ländliches Kulturerbe und sehen uns die alten wunderschönen Häuser des Irans an. Super dass auch Frauen süsse Köstlichkeiten backen! So ist unser Mittagessen für einmal süss anstelle von Suppe wen es so kalt ist. Am frühen Nachmittag sind wir froh ein Camp zu finden auf dem wir übernachten können. Aber auch hier, am Strand eine riesige Schweinerei! Dann noch einen Schreck vor demFeierabend. Beat entdeckt einen defekten Reifen! Wieder hinten links, unser vierter Reifenschaden! So wechselt Beat bei Dunkelkeit den Reifen, denn wir haben Wolken und sind nicht sicher ob es nachts regnet.

 

Nach einer ruhigen Nacht ohne Regen fahren wir wieder früh weg und sind froh, als die Sonne sich wieder zeigt. Es geht wieder über die Berge ins Landesinnere und der Anblick der riesigen Waldflächen ist ein Genuss. Seit über drei Monaten sehen wir die ersten Wälder! Schon bald sind wir über der Baumgrenze, die Sonne scheint hier und wir haben einen tollen Ausblick auf das Nebelmeer am Meer! Unterwegs finden wir eine Möglichkeit den Reifen zu flicken. Doch leider kommen wir nur zwei Kilometer weit! Wir hören ein zischen, kehren um und stehen wieder vor der Werkstatt. Nun gibt es nichts anderes mehr, als unseren sechsten Reifen den wir mitführen auf die Felgen zu montieren. Den mehrmals geflickten Reifen lassen wir im Iran.

 

Heute wollen wir in Ardabil bei einem Hotel übernachten. Doch leider ist das nicht möglich. Aber der Parkwächter organisiert uns im Nachbarhof einen Platz. So stehen wir mitten in der Stadt und können zu Fuss zum Mausoleum  Sheikh Safi gehen. Eine wunderschöne Anlage, erst noch ohne Touristen können wir bestaunen. Wir wollen noch einkaufen, aber es weht ein bissiger Wind. Es ist kalt geworden und die Temperaturen steigen nicht mehr über 10 Grad! Schön, dass wir diesmal eine funktionierende Heizung haben! Wir geniessen bei angenehmen Innentemperaturen im Hinterhof den Abend. Während der Nacht beginnt es zu regnen.

Trotzdem entscheiden wir uns, nordwärts entlang der Grenze von Aserbeidschan zu fahren. Viele grosse Felder die sich über die sanften Hügel erstrecken begleiten uns. Eine sehr fruchtbare Gegend. Doch die Temperaturen sinken und schon bald beginnt es zu schneien! Wir wollen in Germi abbrechen, um Richtung Osten nach Täbris zu fahren. Doch leider gibt es diese Strasse nicht mehr! Da es aufgehört hat zu schneien und es auch nicht mehr regnet, fahren wir weiter bis Parsabad, am Grenzübergang zu Aserbeidschan. Dann geht es etwa 250 km der Grenze von Berg Karabach und Armenien entlang. Vor 2 Jahren auf unserer ersten grossen Reise sind wir auf der anderen Seite der Grenze entlang gefahren. Berg Karabach mit den verlassenen Dörfern und nicht bestellten Feldern bedrückt uns, denn das war damals die mental schlimmste Strecke die wir befuhren. Im Gegensatz dazu, gibt es auf Iranischer Seite Dörfer und viel Landwirtschaft. Je näher wir der armenischen Grenze kommen umso schöner wird die Landschaft. Die steilen Berge, der Fluss und dazu das Wetter das immer besser wird, hebt unsere Stimmung. Dann fahren wir durch ein kleines Dorf und hören die Paukenschläge und den Gesang das auf Ashura hinweist. Die Schiiten gedenken während Ashura öffentlich der Schlacht von Kerbela im Jahre 680 im heutigen Irak, in der Husain ibn Ali getötet wurde. Die Rituale des Ashura enthalten Trauerprozessionen in Trauerkleidung und Selbstgeisselung. Ja und dann sehen wir die Männer und Knaben vor der Moschee die sich mit verschiedenen Utensilien geisseln. Wir fahren nur vorbei, denn die Stimmung ist bedrückt und unangenehm. Wir werden in den nächsten Tagen jeden Abend, selbst in Täbris die Pauken und den Gesang hören. Schlussendlich übernachten wir beim Grenzposten zu Armenien. 


Am Morgen sind wir froh, dass ab und zu der blaue Himmel zwischen den Wolken durchschaut! So fahren wir Richtung Süden nach Täbris. Wir sind etwas früh aufgebrochen, denn in den Bergen treffen wir auf Nebel, aber auch auf Nebelfelder die eine ganz tolle Stimmung ergeben. So erreichen wir Täbris und finden eine moderne Stadt mit vielen neuen Hochhäusern vor. Die Strassen sind breit und wir finden nach einer „Zusatzschlaufe“ den „El Goli“, ein Park mit einem Pool (nicht zum Baden!), mit Bänken und Fitnessgeräten. Hier „erholen“ sich die Täbrisser, flanieren und gehen in den vielen kleinen Restaurants essen. Wir bezahlen einen kleinen Eintritt und können unser Auto da hinstellen und übernachten. Super! Natürlich werden wir wieder von einigen Menschen auf Englisch angesprochen. Hier in den Städten gibt es viele, besonders junge Leute die sehr gut Englisch sprechen. Noch am gleichen Tag nehmen wir ein Taxi in ein grosses Hotel damit ich die Homepage fertig machen kann. Ich freue mich riesig, das erste Mal auf der Reise geht das superschnell!

 

Am nächstenTag geht es dann mit dem Taxi in die Stadt. Man braucht wirklich Nerven wenn man sein Leben einem Taxifahrer anvertraut! Die fahren wie die Henker, dazu wird gedrückt und es herrscht die Mentalität, wer frecher ist kommt zuerst! In der Altstadt treffen wir wieder auf ältere Häuser. Doch auch diese sind relativ neu, denn 1990 war hier ein verheerendes Erdbeben. Wir spazieren durch die Fussgängerzone in den Basar und bewundern die Blaue Moschee. Super, so müsste eine Restauration für uns aussehen. Die Moschee wurde wieder aufgebaut, alle vorhandenen Kacheln verwendet und dort wo die Kacheln fehlten wurden nicht neue gebrannt, nein, man hat die Verzierungen gemalt, sodass deutlich sichtbar ist was noch alt ist. Genau das hat uns in Usbekistan so sehr gestört! Dort wurde alles neu gemacht.

 

Nach einem iranischen Kebab fahren wir zurück zu unserem Auto und geniessen vor dem Auto die Sonne. Es gibt mehrere interessante Gespräche mit Studenten die vorbei gehen und mit uns zu reden beginnen. Ja und am Abend treffen wir noch ein deutsches Ehepaar und bei einem gemeinsamen Espresso (der Kaffee ist noch nicht ausgegangen!) lassen wir den Tag ausklingen.

 

Wir wollen früh aufstehen, d.h. um 6 Uhr ist Tagwache wie immer wenn wir unterwegs sind. Duschen, Frühstücken, den ganzen Abwasch (auch vom Vortag!), dann aufräumen und Stübli herauswischen, Wäsche einfüllen und Wasser auffüllen und Abwasser ablassen, das ist unser tägliches Ritual und dauert 1 ½ Stunden. So fahren wir um 7.30 Uhr aus der Stadt bei mässigem Verkehr. Es geht immer Nordwärts Richtung Türkei. Doch eine Sehenswürdigkeit wollen wir nicht auslassen. Etwa 100km vor der Grenze steht abseits der Strasse eine armenische Kirche die Weltkulturerbe ist. Traumhaft! Es erinnert uns stark an unsere erste Reise. Der Norden von Iran war früher Armenisch und so kommt es, dass mehrere solcher Kirchen zu bewundern sind. Diese hier ist besonders schön. Wir waschen noch unsere Wäsche aus, bereiten alles für den morgigen Grenzübertritt vor und dann kann ich noch schreiben und gleichzeitig die schöne Anlage bewundern, die vor mir liegt. Die Kinder aus dem Dorf, ein sehr armseliges Dorf, kommen noch vorbei und erhalten Täfeli und Farbstifte, an denen sie sich sehr freuen.

 

Die letzten Kilometer nach sechs Wochen Iran lassen uns ein wenig wehmütig zurückblicken. Trotzdem sind wir froh in ein Land einzureisen das wir gut kennen seit unserer letzten Reise. Vor allem weil wir damals auch schon in Anatolien waren. Vor der Grenze wechselten wir noch die restlichen Rial in türkische Lira und dann fuhren wir auf das Zollgelände. Zuerst kontrollierte der Zöllner unseren Tank von unten. Er wollte wissen wie viel Diesel wir noch im Tank haben. Na ja, wir haben ja noch voll getankt bei diesen traumhaften Preisen. Er meinte dann etwa 60 oder 70l. So gaben wir 70 Liter an (eigentlich waren es 140l!). Mit einem Papier mussten wir dann zur Bank und ein Junge half uns ein weiteres Papier, das wieder nur auf Farsi geschrieben war, auszufüllen. Wieso und weshalb der ganze Papierkrieg gemacht werden musste, merkten wir erst später. Wir mussten Dieselkompensation bezahlen da wir ja Diesel ausführen! Na ja, schlussendlich bezahlten wir für die 70l ca. Fr. 115.-. Immer noch ein sehr guter Preis, denn wir hatten ja 140 Liter im Tank! Dann mussten wir noch den Pass abstempeln und schon konnten wir mit dem Auto vor die Schranke zur Türkei fahren, wenn da nicht ein Iraner gewesen wäre der in Literflaschen Benzin schmuggelte und aufgeflogen war! So müssen wir noch warten bis alles Benzin ausgeladen ist und dann endlich geht es durch die Schranke in die Türkei! 

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