22. - 28. September, Mashad - Kerman

An Reisetagen stehen wir um 6.00 Uhr auf und fahren spätestens um 7.30 Uhr ab. So ist es nicht allzu heiss. Heute geht es nach Süden in Richtung Yazd durch die Wüste. Die Landschaft ist aber gar nicht so eintönig, es hat immer wieder Hügel, dann Oasendörfer und die Strassen sind super, sehr oft sogar richtungsgetrennt. Wir fahren gestrichen 70, d.h. ca. 67km und geniessen die Landschaft und wenig Verkehr!

 

Am Nachmittag erreichen wir Ferdow und fragen in einem Hotel ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Zuerst scheint das ein Problem zu sein, dann aber willigt der Manager ein. Wir haben noch Wifi, waschen unsere Wäsche aus und hängen sie zum trocknen auf. Im Moment wasche ich praktisch jeden Tag, denn es ist sehr heiss. Die Wäsche gebe ich am Morgen mit Waschmittel in unser Fass. So wird sie während der Fahrt gewaschen und ich muss sie am Nachmittag nur noch auswaschen! Das Nachtessen im Hotel, iranischer Kebab, bestehend aus einem Spiess Geflügelfleisch, wenig Salat und einem Teller weissem Reis, war gut, aber viel zu viel! Nächstes Mal machen wir es wie die Einheimischen, wir verlangen eine Box und nehmen den Rest mit nach Hause.

 

Die zweite Etappe Richtung Yazd geht bis Tabas, alles durch die Kavirwüste. Hier finden wir hinter dem Palmengarten einen schattigen Platz zum übernachten. Da die Simkarte kein Geld mehr hat und das Internet nicht mehr geht, frage ich junge Frauen die einen Abendspaziergang machen. Es sind Studentinnen und sie sprechen gut englisch. Nach langem hin und her sollte das Internet jetzt für eine Woche klappen. Wir werden sehen. Auch sie laden uns zum essen ein. Im Iran sollte man Einladungen immer mindestens dreimal ablehnen. Erst wenn dann das Angebot noch steht ist es wirklich ernst gemeint. Sonst könnte man die Iraner in Verlegenheit bringen. So lehnen wir ab, gehen aber später noch bei ihrem Onkel einkaufen. Kaum zurück steht die Frau wieder bei uns und bringt uns einen Salat. Wir sind beide müde und gehen um 10 Uhr ins Bett. Kaum eingeschlafen, poltert es an unsere Türe. Ich ziehe meine Hose, mein Langarmkleid und das Kopftuch an und dann öffnet Beat die Türe. Polizei und Sittenpolizei! Vier Beamte stehen da und wollen die Pässe! Umständlich, es ist dunkel und sie sehen nicht viel, schreiben sie alles ab und wundern sich dass wir keinen „Vaters Name“ haben. Dann wünschen sie uns eine gute Nacht und der Spuk ist vorbei! Hoffentlich ist das nicht jede Nacht so!

 

Auf der dritten Etappe geht es weiter durch die Wüste bis wir am frühen Nachmittag Garmeh erreichen. Hier stellen wir das Auto ab und gehen zu Fuss in das kleine Oasendorf mit den typischen Häusern von hier. In dieser Oase hat ein Iraner sein Grossvaterhaus im Originalstyl renoviert und betreibt ein kleines Guesthouse darin. Wir wissen, dass hier Reisende mit Auto auch schon im eigenen Auto übernachten konnten. Interessant ist es in ein solches Gebäude zu gehen, denn man geht die Stufen runter, d.h. eigentlich sind die Zimmer im Keller. Und dann gibt es mitten drin noch eine offene Stelle in der Wasser plätschert und rundherum die Liegebetten stehen zum relaxen.  So ist es immer kühl im Sommer. Der Besitzer heisst uns herzlich willkommen und schickt gleich einen Jungen mit uns, der uns eine Quelle oben am Hang bei den Palmen zeigen soll. Dort sei ein wunderbarer Platz zum Übernachten. Und wirklich, phänomenal! Das Wasser fliesst aus dem Berg und wird zu den Feldern und Palmen geleitet! Es hat Putzerfische drin, die später Beat die trockene Haut von den Füssen picksen. Daneben die Palmen, ein Traumplatz. Wir sind ganz alleine und plötzlich kommt ein Hirte mit Ziegen und zwei Kamelen vorbei. Es sind die Tiere vom Guesthouse die am Abend ausgeführt werden!

 

Nach einer sehr ruhigen Nacht ohne Polizei geht es heute definitiv nach Yazd. Hier halten wir vor der Altstadt, denn wir suchen ein Hotel in der Altstadt und die Strassen sind sehr eng. Also schauen wir zuerst, ob wir überhaupt durchfahren können. Im Hotel ist man sehr freundlich und freut sich, dass wir auf ihrem Parkplatz übernachten wollen mitten in der Altstadt. Wir dürfen während der grossen Mittagshitze von über 40 Grad, im Hotel das gleichzeitig ein Museum ist, sein und das Wifi benützen. Beat holt das Auto und die Angestellten wollen als erstes Mal das Auto von innen sehen. Am Abend haben wir dann regen Besuch. Die Iraner kommen mit ihren stinkenden Töfflis in die Altstadt oder dann mit dem Auto und parkieren rund um uns! Natürlich wollen alle ins Auto schauen, Filmchen drehen und Fotos machen. Dann kommen die Japaner und Chinesen, die wollen vor allem Fotos machen! Na ja, wir fahren die Treppe ein, so kann nicht jeder einfach in unsere gute Stube rein. Draussen sollen sie doch fotografieren soviel sie wollen. Ab ca. 23.30 Uhr wird es ruhig, und wir können gut schlafen. Nur in der ersten Nacht kommt um 3.00 Uhr die Müllabfuhr und parkt neben uns (das habe ich nicht gehört). Dann wird der ganze Müll aufgeladen, welcher hinter unserem Auto liegt! Das hat man davon, wenn man so zentral wohnen will!

Heute wollen wir uns Yazd anschauen. Es ist eine sehr alte Stadt, die am Rande der Kavir Wüste liegt. In einem Bereich von mehr als 3 km2 findet man ausschliesslich Lehmhäuser in engen Gassen mit teils überdachen Gängen und Kuppeln, sowie zahlreiche Windtürme. Durch diese Windtürme wird Wind in die darunterliegenden Innenhöfe mit Wasserbecken geführt. Dort wird die Luft abgekühlt und damit erreicht man ein angenehmes Klima. Wir besuchen auch das Wassermuseum und können auch im Hotelmuseum die Qanate bestaunen. Insbesondere rund um Yazd gab und gibt es kilometerlange Tunnel, Qanate, die das Wasser von den nahen Bergen in die Stadt und die Dörfer bringen. Sie laufen unter den Häusern durch und damit verdunstet das wertwolle Nass nicht. In den Häusern hat man Wasser und kühlt damit auch die Räume.

 

Wir versuchen hier unser Visum zu verlängern. Die Touristenpolizei meint aber das sollen wir erst in der 3. oder 4. Woche machen, das hätte Zeit und sei überhaupt kein Problem. So müssen wir etwas Geduld üben und hoffen dass es dann auch so ist. Auf dem Heimweg wollen wir ein  Fladenbrot kaufen. Die werden immer frisch gebacken und sind noch heiss wenn man sie kauft. Der Bäcker freut sich so sehr, dass er uns das Brot schenkt. Die Einheimischen kaufen jeweils mehr als 10 Brote, legen sie zusammen wie Leintücher und stopfen die Fladen in einen Plastiksack!

 

Uns gefällt es ausgezeichnet hier. Nur einmal werden wir enttäuscht. Wir wollen im überall angepriesenen Restauraunt das in einem ehemaligen Hamam liegt, essen gehen. Obwohl uns am Nachmittag versichert wird, dass man ab 19.30 Uhr essen kann , ist um 20.00 Uhr niemand im Restaurant. Der Boden ist klebrig, auf einigen Tischen steht essen herum, und niemand ist da. Wir gehen in die Küche, aber da schwirrt nur eine Frau rum und liest gerade am Boden die Tomaten auf. Das reicht uns, wir gehen nach Hause und es gibt eine grosse Portion gemischen Salat. Es ist sowieso viel zu heiss zum Essen! Wir haben während des Tages immer über 40 Grad (und das mit Kopftuch etc!). Nachts wird es dann kühl, unter 20 Grad, sodass man gut schlafen kann.

 

Nun ist die Website wieder gemacht, die Mails beantwortet und wir fahren nach drei Tagen weiter Richtung Süden, Ziel ist Kerman. Wir fahren nur wenige Kilometer auf der vierspurigen Schnellstrasse. Es hat nicht viel Verkehr, aber hunderte von Lastwagen. So biegen wir in eine Nebenstrasse ab und fahren immer noch durch die Wüste süd- und die letzten Kilometer ostwärts nach Meymand. Hier finden wir ein Höhlendorf. Beim Dorfeingang ist ein super Stellplatz, sogar mit Wasser! Hier werden wir übernachten. Doch zuerst wollen wir uns das Dorf anschauen. Nur in den drei  Wintermonaten dienen die Wohnhöhlen als Unterkunft, während der restlichen Monate sind die Nomaden mit ihren Herden in der näheren Umgebung unterwegs. So treffen wir vor allem alte Leute an. Ab und zu auch jüngere, denn der Staat bemüht sich die ehemaligen Bewohner wieder hier sesshaft zu machen. Interessant wie die Leute hier den Winter im Finstern verbracht haben. Die renovierten Höhlen haben einen Vorbau, sind befestigt und man sieht auch mal ein Fenster. Doch muss hier das Leben sehr kärglich sein.

 

Nach einer sehr ruhigen Nacht fahren wir möglichst auf Nebenstrassen Richtung Kerman und finden unser Hotel sofort. Hier darf man für 5 Dollar auf dem Hotelparkplatz übernachten. Wir werden am Abend auch essen gehen, denn die Küche muss hervorragend sein. Am Nachmittag besuchen wir den Basar und die Freitagsmoschee. Wir sind begeistert. Dieser Basar ist wirklich schön und noch ursprünglich, nicht für Touristen gemacht. Jetzt merken wir so richtig was uns in Usbekistan gestört hat. Die wunderbaren Moscheen, Medresen und Basare werden  im Iran von Einheimischen genutzt, in Usbekistan ist fast alles für Touristen gemacht und die Moscheen sind unbenutzt! Wir geniessen es durch den Basar zu gehen, die Ziegenköpfe und Metzger zu bestaunen, die Früchtestände und vor allem auch die Gewürzstände. Es durftet überall sehr gut. Wir kaufen auch Kolomphe, ein mit Dattelmus gefüllte Mürbeteigküchlein. Lecker! Uns fallen die vielen Pakistaner und Afghanen auf in ihren Gewändern. Und dann erst die Kinder in ihren Röckli! Man spürt, dass die Grenze zu Pakistan nicht sehr weit ist. Viele kommen hierher um auf den Plantagen zu arbeiten. 

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