29. September - 6. Oktober, Kerman - Shiraz

Wir verlassen Kerman Richtung Süden, fahren aber nicht nach Bam. Das EDA hat eine Reisewarnung auf der Website und deshalb fahren wir auch nicht in die Wüste Lut. Nach etwa 40km erreichen wir Mahan und sehen uns das Mausoleum Nematollah an. Traumhaftschön, ohne Touristen, nur wir alleine bewundern diese wunderschönen Räume. Auch den grünen Garten Baq-e Shahzadeh ausserhalb des Dorfes mit den kleinen Wasserfällen soll sehenswert sein. Doch immer öfter stellen wir fest, dass  Ausländer horrende Eintrittspreise bezahlen müssen. Es ist für uns kein Problem, wenn wir mehr als iranische Touristen bezahlen müssen, aber oft ist der Preis 10 bis 20 mal höher. So auch bei diesem Garten. Wir werden noch oft Gärten sehen und fahren deshalb weiter.

 

Die Reise geht nun westwärts Richtung Rayen. Hier finden wir eine teilweise restaurierte Zitadelle. Es soll ein Ersatz sein für Bam, das ja von einem starken Erdbeben fast total zerstört wurde. Und wirklich, die Zitadelle gibt einen guten Einblick in das Leben von damals mit den Lehmhäusern mit ihren runden Dächern und den Palästen der Herrscher. Wir schlendern durch die schmalen Gassen und stellen uns vor wie die Frauen mit ihren Tschadors durch diese Gassen gewandelt sind!

 

Weiter fahren wir noch immer durch die Wüste. Ab und zu hat es Oasen, kleine Dörfer und bewässerte Felder. Es ist hügelig und dadurch ist die Landschaft recht abwechslungsreich. Da wir auf Nebenstrassen fahren, haben wir kaum Verkehr. Unterwegs kaufen wir noch in einem kleinen Dorf ein. Eier, Gemüse und Früchte, Wasser, Joghurt und Milch, das sind die wichtigsten Lebensmittel die wir fast täglich brauchen. Der Wasserkonsum ist sehr gross bei diesen Temperaturen, steigt doch das Thermometer täglich weit über 30 Grad, sinkt aber nachts auch gegen die 10 Grad, sodass wir gut schlafen können. Unterwegs übernachten wir in der Nähe von Rabor bei einem Stützpunkt des „Roten Halbmond“. Da können wir stehen und haben keinen Besuch vom ganzen Dorf. Zur Abwechslung geniessen wir die Ruhe.

 

Weiter geht unsere Fahrt immer Westen zu. Kurz vor Abadeh-Tashk taucht ein Salzsee auf und wir fahren an Marmorsteinbrüchen vorbei. Erstaunlich ist, dass die Laster ab und zu so einen grossen Marmorbrocken unterwegs verlieren und dieser dann einfach am Strassenrand liegen bleibt. In Abadeh-Tashk wollen wir übernachten und finden einen kleinen Park. Dieser wird gerade bewässert und so können wir auch unseren Wassertank auffüllen. Es spricht sich schnell im Dorf herum, dass da Fremde stehen und so kommen vor allem die Knaben vorbei und rufen „Hallo, where are you from“. Dann hört aber das Englisch auf, eine Konversation ist nicht möglich! Die Knaben müssen wir teilweise zurechtweisen. Sie haben das Gefühl sie könnten alles anfassen und einfach so in unsere Stube kommen! Na ja, wir ziehen die Leiter ein und dann ist wenigstens dieses Problem gelöst. Am Abend kommen dann noch die Männer und versuchen mit ihren Englischkenntnisse  mit uns zu reden. Einer bringt noch ein Buch für Travellers mit. Da sind ganze Sätze auf Englisch und Farsi drin. Ein Iraner klopft noch spät abends an die Türe als wir bereits alles geschlossen hatten. Er spricht hervorragend Englisch und so unterhalten wir uns längere Zeit mit ihm. Daneben stehen alle Verwandten und er übersetzt immer. Er war Lehrer und ist nach 30 Jahren im Schuldienst pensioniert! Unglaublich! Schlussendlich ist Feierabend, alle Fenster geschlossen, ich kann mein Kopftuch und die „Ärmelverlängerungen“ ausziehen. Im Park wird noch fast 2 Stunden gelacht und geredet.


Am Morgen fahren wir wieder dem riesigen Salzsee entlang. Bald wechselt die Landschaft, es ist hügelig und vor allem sehr landwirtschaftlich. Das heisst, hier hat man genügend Wasser um die Felder zu bewässern. Für die Ernte kommen viele Pakistani hierher und leben in erbärmlichen Zelten. Vermutlich ist das hier die gleiche Situation wie in Spanien mit den Afrikanern. Es ist hier auch Herbst und das letzte Emd wird mit total überladenen Pickups eingeführt. So erreichen wir gegen Mittag Persepolis. Zuerst sehen wir uns aber Nashk-e Rostan an. Wir sind begeistert von diesen Felsgräbern. Ursprünglich lag das Niveau der Felswand noch 9m tiefer. Aber schon so sehen sie sehr majestätisch aus und man kann sich kaum vorstellen wie vor 2000 Jahren die Reliefs aus der Wand gemeisselt wurden.

 

Dann müssen wir noch einkaufen. Während wir einkaufen, sehen vorbeifahrende Polizeibeamten unser Auto, parkieren daneben und warten bis wir zurück sind. Wir zeigen die Pässe und werden mit „Welcome in Iran“ willkommen geheissen! Wir fahren auf den grossen Parkplatz bei Persepolis und stellen uns so hin, dass wir mit unserer „Stube“ im Schatten stehen. Wie immer, kaum stehen wir, wollen alle das Auto sehen. Aber das Interesse legt sich bald und zurück bleiben vier StudentInnen. Sie kommen aus der Gegend vom Schwarzen Meer und sprechen ein hervorragendes Englisch. Wir unterhalten uns fast eine Stunde mit ihnen und staunen wie viel sie über die Schweiz wissen! Ich werde auch gefragt ob ich Facebook hätte, obwohl diese Seite in Iran doch verboten ist! Hier treffen wir auch erstmals auf Iranerinnen die das Kopftuch nur lose tragen!

 

Wir setzen uns ins Auto, lesen und staunen was alles passiert auf diesem Parkplatz. Man könnte Bücher schreiben! Da fährt z.B. ein alter Bus vor, parkiert und 30 Frauen im Tschador steigen aus. Einige schimpfen, die Stimmung ist nicht sehr gut. Trotzdem gehen dann alle mit wehenden schwarzen Fahnen zum Eingang von Persepolis. Die Begleiter, vier Männer und zwei Frauen bleiben zurück, legen Teppiche neben dem Bus aus und die Frauen beginnen am Boden sitzend zu kochen. Die Männer halten ihr Gebet ab. Schliesslich sind wieder alle Frauen da, sitzen auf den Teppichen und essen. Es wird dunkel und die Strassenlampe gibt nicht überall Licht, daher werden die Teppiche verschoben und das Gelage geht weiter. Über drei Stunden wird so bei Nacht gegessen, dann wird alles auf- und weggeräumt und weggefahren. In der Zwischenzeit sind viele Autos angekommen. Zelte werden ausgepackt, Teppiche auf den Parkplatz gelegt, dann wird gepicknickt und man unterhält sich lautstark. Dazwischen hören wir ab und zu die Kutsche mit galoppierenden Pferden vorbeifahren! Unglaublich, es wird Mitternacht bis wir einschlafen und „draussen“ ist immer noch „Chilbi“ (Kirchweih, für die deutschen Besucher).

 

Am Morgen ist allgemeines Aufbrechen und wir sind bei den ersten die diese tolle Anlage bewundern. Mit dem Reiseführer suchen wir uns den Weg und sind fasziniert! Wie und was genau hier gebaut wurde vor 2000 Jahren lässt sich nur erahnen. Die riesigen Steine die zur Mauer aufgeschichtet wurden, sind so genau bearbeitet, dass kein Mörtel benötigt wurde! Und die riesigen, bis zu zwanzig Meter hohen Säulen! Einfach unglaublich!

Anschliessend fahren wir nach Shiraz und suchen das Hotel, auf dessen Parkplatz wir übernachten möchten. Was für ein Verkehr! Und was für schmale Strassen zum Hotel! Schlussendlich fragen wir, sind aber am richtigen Ort und schon steht der Parkplatzwächter da und weist uns auf den kleinen Parkplatz ein. Er kommt mit uns zur Rezeption. Der Weg dahin führt durch schmale Gassen kreuz und quer, wie sollen wir da den Rückweg finden! Zum Glück gibt der Manager grünes Licht und wir dürfen auf dem Parkplatz bleiben. Wir können sogar die Bettwäsche zum Waschen bringen, als Gegenleistung essen wir abends im Hotel. Wunderbar. Einem Australier der mit seinem etwas grösseren Fahrzeug eine Stunde später ankommt, muss er leider mitteilen dass sein Fahrzeug zu gross ist und kein Platz mehr vorhanden ist. So sind wir glücklich mitten in Shiraz einen Platz gefunden zu haben der erstaunlich ruhig ist.

 

Ein älteres iranisches Ehepaar spricht uns im Auto an und will uns unbedingt Shiraz zeigen. So gehen wir dann mit Ihnen auf Entdeckungstour. Durch den wunderschönen Vakirbazar zur Vakirmoschee die wir aber erst am nächsten Tag sehen wollen. Dann spendiert uns das Ehepaar ein Eis und weiter geht es den Boulevard hinunter. Wir sehen die Festung die wir ebenfalls erst am nächsten Tag besichtigen wollen. Dafür helfen sie uns noch das Handy aufzuladen damit wir den nächsten Monat Internet haben. So erhalten wir einen ersten Eindruck von dieser lebendigen Stadt.

 

Am Abend „bummeln“ wir dann nochmals durch den Bazar und die lebhaften Strassen. Ich könnte hier an einer Strassenecke sitzen und den Leuten zusehen, es passiert immer etwas, es ist nie langweilig!

 

Heute wollen wir die Festung und auch die Moschee anschauen. Beides ist interessant und sehenswert. Uns gefällt aber vor allem der Bazar. Ich schreibe noch Homepage und vor allem möchte ich im Hotel „online“ die Homepage bearbeiten. Doch leider geht das Wifi wieder einmal nicht. So verbringe ich den Nachmittag mit lesen.

 

Heute wollen wir weiterreisen, denn unser Weg führt vier Tage durch die Berge nach Esfahan. Bekannte, die eine Reise bis Peking im Womo gemacht haben und jetzt auch in Iran sind werden wir dort treffen mit der ganzen Reisegruppe. Vor der Abfahrt besuchen wir aber noch das Mausoleum von Shah Cheraq. Dazu muss ich wieder den Tschador anziehen. Leider habe ich ihn im Womo vergessen und muss einen weissen mit Blümchen (wie grässlich!) aus der Kiste nehmen. Eine Frau hilft mir dann beim anziehen! Was für ein schönes Mausoleum! Einfach phantastisch! Und kaum Leute, kein Eintritt, man kann sich frei bewegen. Nur zum Grab dürfen wir nicht, das ist den Moslems vorbehalten, aber das spielt keine Rolle bei dieser Pracht!

 

Da wir auf dem Weg aus Shiraz hinaus noch den Park Baq-e Eram anschauen wollen, fahren wie im dichten Verkehr durch die halbe Stadt und finden keinen Parkplatz! Ein Zeichen weiter zu fahren, wir werden sicher noch ähnliche Parkanlagen sehen. 

Homepage Übersetzung
Besucherzaehler

In Südamerika unterwegs seit:

Tagen