18. - 21. September, Grenze bis Mashad

Der Turkmenische Zoll geht schnell und zügig, sodass ich nach einer halben Stunde mein Kopftuch montiere. Das langärmlige Kleid mit den langen Hosen habe ich schon am Morgen angezogen. Auch Beat trägt ab sofort trotz Hitze lange Hosen!

 

Im iranischen Zollgelände müssen wir das Auto vor der Personenkontrolle parkieren. Leider ist vor uns ein Bus mit Einheimischen angekommen, sodass wir die Pässe einem netten Beamten abgeben und uns zu den Buspassagieren setzen müssen. Der Herr nimmt immer etwa 10 Pässe, kontrolliert sie und verteilt sie dann wieder. Bis unsere Pässe an der Reihe sind, müssen wir noch zum Arzt! Wir beantworten etliche Fragen die er uns schriftlich in Englisch vorlegt. So z.B. ob wir Fieber haben etc. Eine kleine Lachnummer! So warten wir nicht mehr lange bis wir den Pass wieder haben und im nächsten Raum wieder einem netten Beamten abgeben müssen. Dieser gibt etwas in den Computer ein und verteilt dann auch wieder etwa 10 Pässe gleichzeitig. Er kontrolliert aber auch das Gepäck, d.h. die Frauen müssen die Taschen öffnen und ab und zu schaut er hinein, meistens aber legt er den Pass in die Tasche.

 

Bei uns dauert das ein bisschen länger! Wir haben ja ein ganzes Auto voll mit Handgepäck! Also muss Beat vor die Türe fahren und dann schaut der Beamte hinein. Wir müssen 2 Kästli öffnen und das wars! Super! Dann erklärt er mir, dass wir durch die Desinfektionsstrasse fahren müssen und anschliessend ein Papier erhalten das abgestempelt werden muss im nebenstehenden Gebäude. Also nichts wie los! Zwischen den dutzenden von Lastwagen reihen wir uns in die Kolonne ein und werden wie bei einer Waschstrasse mit Desinfektionsmittel abgespritzt. Nachher holen wir beim kleinen Schalter ein weisses Papier und versuchen im Nebengebäude den Stempel zu erhalten.

 

Jetzt beginnen die Probleme! Ich bin die einzige Frau! Männer schwirren um uns herum, alles ist auf Farsi angeschrieben! Wie kommen wir zu dem Stempel? Schlussendlich merken wir dass es „Helfer“ gibt, die einem für gutes Geld behilflich sind. Sogar die Lastwagenfahrer kommen ohne diese nicht aus! Also übernimmt einer unser weisses Papier und das Carnet de Passage, rennt von Ort zu Ort für Stempel und wir wundern uns und warten. Das alles wegen eines Stempels? Es dauert und dauert, wir warten schon 3 Stunden. Plötzlich müssen wir in ein anderes Gebäude und warten wieder. Da kommt doch tatsächlich der freundliche Personenzöllner und wundert sich, dass wir noch immer hier sind. Er geht zu unserem jungen Helfer, nimmt die Sache in die Hand und erklärt uns, dass wir mit ihm kommen sollen. Wir müssen zwischen all den Lastwagen zum Ausgang fahren. Dort erklärt er dem Beamten, dass wir nur noch das Carnet de Passage abgestempelt haben müssen. Das macht dieser und siehe da, wir können ausreisen! Wir hätten all diese Stempel und Papiere nicht gebraucht! Da kommt aber der Junge und will Geld. So gehen wir mit ihm zurück zu unserem netten Beamten und fragen, was wir bezahlen müssen, denn der Junge kann kein Englisch. Der nette Zöllner verhandelt mit ihm und ist entsetzt was der Junge will. Schlussendlich sagt er uns 4 Dollar seien ok. Wir geben ihm 5 Dollar, denn wir merken, dass er sehr unglücklich ist. Zuletzt wird alles noch per Handschlag und netten Worten bereinigt (natürlich nur die Männer). Wir gehen zurück zum Auto und fahren durch die letzte Kontrolle, geben den weissen Zettel ab und sind im Iran! Erstaunt schauen wir uns an, denn wir haben keine Dieselsteuer bezahlt und sonst auch nichts! Die Autohaftpflichtversicherung haben wir zu Hause schon gemacht und ist mit der grünen Karte abgedeckt.

 

Nun müssen wir Geld wechseln. Wir stoppen und stellen fest, dass etwa 50m weiter jemand im Kofferraum sitzt und mit Geld handelt. Tatsächlich können wir so 100 Dollar wechseln und bekommen dafür 3`000`000.- Rial in  50`000er Scheinen!

 

Wir sind müde und entschliessen uns im ersten Dorf zu bleiben und hier in einem Park zu übernachten. Überall hat man uns erzählt dass das kein Problem sei. Beim ersten Park ist es laut und so gehen wir noch Früchte und Wasser einkaufen um dann zum anderen Park zu fahren. Toll, wir haben einen Superplatz. Da wir natürlich alle Fenster offen haben, werden wir dauernd angesprochen von Iranern, aber für uns ist das kein Problem! Wir werden eingeladen, aber wir lehnen dankend ab. So bringt uns ein Iraner kurze Zeit später Fanta und etwas zu essen. Was für eine Gastfreundschaft!

 

Und da fährt die Polizei mit dem Motorrad vor, einer trägt sogar eine kugelsichere Weste und ein Gewehr! Sie wollen die Pässe sehen, packen sie ein und erklären uns, dass sie uns an einen sicheren Ort führen werden, hier könnten wir nicht übernachten. Es ist bereits dunkel und wir müssen hinter dem Motorrad nachfahren.  So landen wir in einem Hof des roten Halbmonds! Hier seien wir sicher und könnten ruhig schlafen, meinen die beiden und geben uns die Pässe zurück.

 

Hier treffen wir noch Fahrradfahrer aus England, die nach Tadschikistan und China wollen. Wir plaudern noch und wundern uns über die zwei kopflosen Tauben die im Kühlschrank in der Küche sind. Sie gehören den beiden Jungs die hier das Tor bewachen. Sie erklären uns, dass dies das Mittagessen für morgen sei! Na dann, en Guete!

Wir sind todmüde und schlafen entsprechend gut. Am Morgen geht es dann Richtung Mashhad, der 2. grössten Stadt Irans. Wir fahren durch die Wüste, es geht bergauf, bergab und durch wunderbare Landschaften. Uns fallen die vielen Polizeikontrollen auf. Aber alle sind sehr freundlich und heissen uns herzlich willkommen in Iran! In Mashhad wollen wir zu einem zentralen Parkplatz fahren. Dank Navi finden wir ihn auch, aber leider gibt es ihn nicht mehr! Der Verkehr ist unglaublich und wir wälzen uns eingeklemmt zwischen all den Autos die sich ihren Vortritt erkämpfen durch die Stadt zu einem anderen Park. Plötzlich sehen wir einen Wegweiser „Camping“. Das ist es was wir suchen! Ein Polizist steht bei der Einfahrt und wir müssen warten. Aber nicht lange, da fährt er auf seinem Motorrad vor uns her durch den riesigen Park. Überall, auf der Strasse, den Wegen, den  Wiesen stehen Zelte und Autos! Wir bekommen einen schönen Schattenplatz und freuen uns. Natürlich wollen die Iraner das Auto sehen, innen und aussen. Aber nach kurzer Zeit legt sich das Interesse und wir haben unsere Ruhe.

 

Wir gehen noch spazieren auf dem Camp, finden einen Einkaufsladen und mit Hilfe einer Iranerin bekommen wir beim Bäcker noch 1kg Mehl, geschenkt! Dann nehmen wir ein Taxi in die Stadt, denn wir wollen noch mit Cynthia und Vanessa skypen und auf unsere iranische Simcard, die wir von anderen Reisenden erhalten haben, Geld hochladen. In einem Hotel können wir skypen, aber leider ist das Internet so schwach dass wir uns lediglich mit Whatsapp unterhalten können. Die vielen Leute in der Stadt und der Lärm reichen uns für heute. So fahren wir mit dem Taxi wieder zurück zum Camp.

 

Nachdem wir super geschlafen haben, machen wir uns wieder auf in die Stadt. Mit einem Taxi geht das hervorragend. Zuerst kaufe ich mir einen Tschador und die Verkäuferin zeigt mir wie ich ihn tragen muss. Jetzt wollen wir zum Grab des Imam Reza, dem achten Imam der Schiiten. Er ist jedes Jahr Anziehungspunkt für Millionen von Pilgern und der Hauptwirtschaftsfaktor der Stadt. Der Heilige Bezirk, abgekürzt Haram, ist für Nicht-Muslime nicht überall zugänglich. Das Heiligtum besteht aus einer Vielzahl von Gebäuden und Höfen, sowie Museen. Als Ausländer wird man von einem englischen Führer umhergeführt.  Der Führer übergibt mir als erstes ein Geschenk des Hauses, einen weissen mit blauen Blümchen bedruckten Tschador! Alle laufen hier mit schwarzen Tschadors umher. Ich bin froh, dass ich einen schwarzen habe, bedanke mich aber sehr für das Geschenk. Ab sofort muss Beat aufpassen, dass er mich nicht verliert, denn von hinten sehe ich wie alle anderen Frauen aus!

 

Leider ist der Führer sehr mühsam und er schleppt uns zuerst ins Teppichmuseum. Das wollen wir eigentlich nicht sehen! Da kommt eine ausländische Reisegruppe und er muss uns sowie die Reisegruppe gleichzeitig übernehmen. So schliessen wir uns der Reisegruppe an und sind froh, dass der Reiseleiter insistiert und dem Herrn erklärt wie eine solche Führung gemacht werden muss! Wir sind begeistert über die Grösse, die Herrlichkeit, die Ausstrahlung aller Gebäude und Höfe. Die Muslime lassen sich nicht stören und man ist fast Teil von dem ganzen Geschehen rund herum. Es werden Verstorbene in Holzsärgen ins Innere getragen, dazu wird gebetet, andere sitzen einfach auf den Teppichen und lesen im Koran. Viele bringen ihre Babys hierher. Eindrücklich! Auch der Film über das ganze Areal zum Schluss der Führung gibt uns nochmals einen guten Einblick.

 

Nun geht es ohne Tschador aber mit Kopftuch in die Stadt um Geld auf die Simkarte zu laden. Nicht ganz einfach wenn man kein Farsi spricht und es vor allem Massen von Pilgertouristen hat, die nicht englisch sprechen. Aber auch das schaffen wir! Jetzt sind wir ausgerüstet und nehmen todmüde ein Taxi heim zu unserem Häuschen.

 

Wir entschliessen uns noch einen Tag auf dem Camp zu bleiben. Ich schreibe Website, wir lesen Reiseführer, und wir gehen spazieren. So geht der Tag wie im Flug vorbei und wir wissen jetzt, wohin unsere Reise uns in den nächsten Tagen führen soll. 

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